Teil 1 Symposium der GD-Fachgruppe Dermatotherapie: Gesundheitsökonomie in der Dermatologie

Dr. med. Ralf Cummerow

Effektivität und Wirtschaftlichkeit von Tacalcitol bei Psoriasis — Metaanalyse und ökonomische Modellierung

Klinik für Dermatologie und Venerologie,Universitäts-Klinik Hamburg-Eppendorf

Einleitung: Die Psoriasis ist aus sozioökonomischer Sicht von besonderer Bedeutung. Aufgrund ihres meist chronischen oder chronisch rezidivierenden Verlaufes, der kör-perlichen Beschwerden, des oftmals als stigmatisierend erlebten äußerlichen Erscheinungsbildes und der für viele Patienten beschwerlichen Therapie ist sie insgesamt mit einem hohen Leidensdruck und ausgeprägten Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Auch ihre ökonomische Relevanz ist beträchtlich, dies sowohl aus der Sicht der Kostenerstatter wie auch der Volkswirtschaft und der Patienten selbst. In der Therapie der Psoriasis vulgaris haben sich die Vitamin-D-Analoga sowohl als Monotherapeutika wie auch in der Kombinationsbehandlung einen festen Platz erworben. Nur wenige Studien liegen jedoch bislang zur Frage der differentiellen Wirtschaftlichkeit der Antipsoriatika, insbesondere der Vitamin-D-Analoga unter verschiedenen Anwendungsmodalitäten vor.

Ziel: Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Tacalcitol bei chronischer Plaque-Psoriasis leichter Schweregrade im Vergleich zu anderen Vitamin-D-Analoga.

Methodik: Als klinisches Szenarium wurde die dreimonatige Behandlung einer chronischen Plaque-Psoriasis an den typischen Prädilektionsstellen mit einem Befall der Körperoberfläche (BSA) von 5 % und einem Schweregrad von PASI 5 zugrunde gelegt. Zielkriterien waren in klinischer Sicht der Anteil an Patienten mit Reduktion des PASI um 50 % und 75 % (Responder), in ökonomischer Sicht die direkten Behandlungskosten, hinsichtlich Wirtschaftlichkeit die Kosten pro Response. Die Kosten-Effektivitäts-Analyse wurde aus der Sicht der Kostenträger sowie der Gesellschaftsperspektive auf dem Boden der publizierten Daten zur Wirksamkeit, zum Nebenwirkungsaufkommen, zu Anwendungsweise und Ressourcenverbrauch sowie den Arzneimittelkosten in Deutschland durchgeführt. Die Informationen wurden durch eine systematische Literatursuche nach den Kriterien der Cochrane Collaboration gewonnen. Zur Wirksamkeit wurde eine Metaanalyse gerechnet. Als Vergleichsbehandlung zur Therapie mit der einmal täglichen Applikation von Tacalcitol wurde zulasssungsgemäß die zweimal tägliche Behandlung mit Calcipotriol untersucht. Die Analyse der klinischen und ökonomischen Daten wurde als Entscheidungsbaum-Modell (Decision-analytic model) durchgeführt, gefolgt von einer Sensitivitätsanalyse.


Ergebnisse: Die Therapie der leichten bis mittelschweren Psoriasis vulgaris erwies sich nach allen publizierten Studiendaten sowohl für Tacalcitol wie auch für Calcipotriol im Vergleich zur Vehikel-Behandung als signifikant wirksam. Aus pharmakoökonomischer Sicht war die Monotherapie mit Tacalcitol-Salbe der Monotherapie mit Calcipotriol-Salbe hinsichtlich Kosteneffektivität überlegen, was durch die Sensitivitätsanalysen bestätigt wurde.

Schlussfolgerungen: In der topischen Behandlung der chronischen Plaque-Psoriasis können sich zwischen verschiedenen Therapieansätzen unterschiedliche Kosten-Effektivitäts-Relationen ergeben. Zukünftig bedarf es einer weiteren Aufarbeitung der differentiellen Unterschiede sowohl zwischen verschiedenen Wirkstoffen wie auch un-terschiedlichen Anwendungsformen.

Dr. med. Ralf Cummerow


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Matthias Augustin

Kosteneffekte des Gesetzes zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) in der Dermatotherapie — eine Langzeitanalyse

Klinik für Dermatologie und Venerologie,Universitäts-Klinik Hamburg-Eppendorf

Hintergrund: Die Einführung des Gesetzes zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) zum 01.01.2004 in Deutschland hat auch für die Dermatologie einschneidende Veränderungen erbracht. Hierzu zählt insbesondere der zum 01.04.2004 in Kraft getretene Ausschluss rezeptfreier Arzneimittel (AM) aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Kassen. Schon im Jahr 2004 zeichnete sich ab, dass dieser Ausschluss mit markanten Veränderungen des Verordnungs- und Therapieverhaltens einhergeht.

Zielsetzung: In einer Langzeituntersuchung sollten die Auswirkungen des GMG auf die dermatologische Versorgung erhoben und insbesondere die pharmakoökonomischen Effekte des Ausschlusses der OTC-Dermatika abgeschätzt werden.

Methoden: 1) Daten zum Verordnungsverhalten der Dermatologen und zu etwaigen Substitutionseffekten werden über das IMS erhoben. 2) Die sozioökonomischen Aus-wirkungen des GMG auf die Patienten werden in mehreren Untersuchungen in Selbsthilfegruppen mittels standardisierter Fragebögen evaluiert. 3) Für die Gesamtbilanz des Ausschlusses der OTC-Dermatika wird eine ökonomische Modellierung durchgeführt. 4) Weitere Auswirkungen des GMG auf die dermatologische Versorgung werden deskriptiv aufgearbeitet.


Ergebnisse: Die aktuellen 1-Jahres-Daten liegen zum 28.02.05 vor und werden im Vortrag erstmals vorgestellt. Aus Hochrechnungen lassen sich bereits jetzt folgende Eckdaten ermitteln: Der gesamte AM-Umsatz betrug 2004 in Deutschland € 20,2 Mrd. (Zuwachs gegenüber 2003: +0,6 %). Der Umsatz für Dermatika im engsten Sinne (ATC-Gruppe Deutschland) belief sich auf ca. € 558,1 Mio. (-8,6 %), davon € 263,0 Mio. (-24,3 %) zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Letztere unterteilen sich in € 195,2 Mio. (-4,6 %) für rezeptpflichtige (RP) und € 67,8 Mio. (-52,5 %) für apothekenpflichtige (AP) Arzneimittel. Der mittlere Umsatzrückgang für Dermatika betrug bei den Dermatologen 21,2 %, bei den Hausärzten 30,1 %. Die Verordnungszahlen (Einheiten) zeigen noch deutlichere Rückgänge, was auf eine Verschiebung Richtung hochpreisiger AM beziehungsweise auf Verordnung größerer Einheiten schließen lässt. Erste Analysen lassen in einzelnen Bereichen ein Substitutionsverhalten von AP- auf RP-Arzneimittel vermuten. Die patientenseitigen Ausgaben für AP-Arzneimittel sind in 2004 deutlich gestiegen. Für die chronischen Hautkrankheiten wie atopisches Ekzem, Psoriasis und Ichthyosen lagen die mittleren Anstiege der Selbstzahlungen je nach Indikation und Schweregrad zwischen € 150 und € 2500 jährlich.

Fazit: Wenngleich detaillierte Verordnungszahlen für 2004 noch nicht vorliegen, kann für den Bereich der Dermatika ein Rückgang der Verordnungszahlen zu Lasten der GKV konstatiert werden, der für RP-Arzneimittel deutlich, für AP-Arzneimittel drastisch ausfällt. Es ist zu klären, ob sich hieraus unter Berücksichtigung aller Kostenfaktoren tatsächlich Einsparungen für die GKV ergeben.

Prof. Dr. med. Matthias Augustin


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Prof. Dr. Barbara Sickmüller

Kostenregulation von Arzneimitteln in Europa

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Berlin

Most Member States have implemented post-authorisation procedures which aim at evaluating the relative therapeutic value and cost-effectiveness of authorised medicines. These procedures may be used as an element for

  • the fixing of the price
  • and/or reimbursement conditions of medicines or
  • for providing guidance in prescribing decisions.

Relative therapeutic value is used as one integrated element of the pricing and reimbursement process of medicines – very often in the form of a pharmaco-economic evaluation – in 21 Member States (plus Norway & Switzerland) whilst it is carried out in general health technology assessment (HTA) processes in the U.K. and just in the beginning in Germany with the Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – IQWiG.

Mandatory requirements: According to a questionnaire done by EFPIA 17 EU-Member States (plus Norway and Switzerland) have introduced mandatory requirements for clinical and cost-effectiveness assessments as an element for:

  • price setting (Austria, Belgium, France, Italy, Latvia, Lithuania, Slovenia and Switzerland);
  • admission to reimbursement (Austria, Belgium, Czech Republic, Estonia, Finland, Greece, Hungary, Italy, Latvia, Lithuania, The Netherlands, Norway, Poland, Portugal, Sweden and Switzerland);
  • guidance in prescribing decisions (U.K. – NICE).

In these countries guidelines have been adopted for submission of ‘pharmaco-economic’ evaluations by companies, providing a format – in terms of data organisation and dossier. In some cases the guidelines help to clarify the assessment process itself. The data content varies between the countries, i. e. marketing authorisation dossier, additional information originating from various sources such as published literature, post-authorisation studies, meta-analysis, models integrating adaptation to local conditions (economic, public health, medical structures).

Not mandatory requirements: Clinical and cost-effectiveness assessments are being used – but are not mandatory requirements – for pricing and reimbursement decisions in other Member States such as Cyprus, Denmark, Malta, Slovakia and Spain. Health technology assessments are also carried out in Germany and Ireland but are not a direct part in the pricing and reimbursement process of medicines.

Transferability: Countries do not rely on assessments made by other countries. If countries generally accept the evaluation they do not accept the transfer of ‘effectiveness’ data per se, but require the data to be adapted to the concerned country conditions.

Transparency: Assessments of relative therapeutic value and cost-effectiveness carried out by EU Member States often do not comply with the basic requirements of the Transparency Directive (Directive 89/105/EC) with respect to deadlines, criteria and existence of appeal mechanisms.

Efficacy versus Effectiveness: Marketing authorisation is granted when the efficacy (as well as the quality and safety) of the product is proven. Efficacy is referred to in absolute terms although where appropriate comparisons with other therapies are available. Efficacy is not effectiveness and applies to the area of clinical trial assessment. Therefore provisions of health outcomes research have to be separate from the marketing approval process. Health outcomes research results cannot be available at the same time – and in the same depth – as the clinical and other data supporting an application for marketing authorisation.

Activities of the European Commission: G10 recomments in the Report of the “High Level Group on innovation and provision of medicines” (May 2002, recommendation 7)

  • “The Commission should organise a European reflection to explore how Member States can improve ways of sharing information and data requirements to achieve greater certainty and reliability for all stakeholders, even if the decisions they take may differ.
  • The objective is to foster the development of health technology assessment (HTA), including clinical and cost-effectiveness, in the Member States and the EU, to improve the value of HTA, to share national experiences and data while recognising that relative evaluation should remain a responsibility of Member States.”

The Transparency Committee approved on 9 February 2004 a questionnaire (Relative Therapeutic Value and Directive 89/105) – elaborated by DG ‘Enterprise’ (Unit F/2) – to assemble from Member States information on the assessment procedures of relative therapeutic value (of medicines) previous to marketing as well as in effective use after marketing. Member States were asked to return the questionnaire to the Commission by 30 April 2004. Results are not yet available, but it is important to monitor the developments on the European level closely.

Professor Dr. Barbara Sickmüller


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Ina Zschocke

Krankheitskosten bei ausgewählten Hauterkrankungen – Übersicht und aktuelle Studiendaten

ICAM med GmbH, Hamburg

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland und die neuen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen bei der Erstattung von Arzneimitteln sowie deren Bewertung durch das neu gegründete Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) erfordern stärker als bisher die Berücksichtigung ökonomischer Aspekte. Die Gesundheitsökonomie definiert Kosten im volkswirtschaftlichen Sinne als bewerteten Verbrauch von Ressourcen. Folgende Kostenfaktoren werden unterschieden: medizinische und pflegerische Leistungen sowie Arzneimittel (direkte Kosten), volkswirtschaftliche Kosten wie zum Beispiel Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz, Verdienstausfall (indirekte Kosten) und monetär nicht direkt messbare Kosten, insbesondere die Lebensqualität (intangible Kosten).

Die hohe Prävalenz infektiöser Dermatosen macht eine genauere Betrachtung der pharmakoökonomischen Kosten nötig. Das Ziel dieser Studie ist die Erhebung der krankheitsbezogenen Kosten bei 1) Akne vulgaris, 2) Tinea pedis und Onychomykosen, 3) Verrucae vulgaris sowie 4) Herpes labialis unter Berücksichtigung der Lebensqualität. Daten von jeweils 50 Patienten der vier Diagnosegruppen wurden in einer retrospektiven, konsekutiven ökonomischen Fragebogenstudie (Fragebogen zur Erhebung von Krankheitskosten, EKK sowie SF-12) erhoben.


Die Ergebnisse der Studie zeigen die Struktur der entstandenen Kosten bei den untersuchten infektiösen Dermatosen auf. Die intangiblen Kosten unterscheiden sich zwischen den Diagnosegruppen. Darüber hinaus lassen sich Zusammenhänge zwischen Lebensqualitätseinschränkungen und direkten sowie indirekten Kosten bei Herpes labialis, nicht aber bei den anderen Diagnosen ermitteln. Die direkten Kosten der Verrucae vulgaris stehen im Zusammenhang mit psychischer Belastung, nicht mit körperlichen Einschränkungen.

nach oben

Dr. med. Kerstin Foitzik und Dr. med. Andrea Schlöbe

Moderne Wundtherapie mit einem Hydrogel auf Basis eines Hydrosomen-Povidon-Iod-Komplexes — Klinische und pharmakoökonomische Studien

Klinik für Dermatologie und Venerologie, Universitäts-Klinik Hamburg-Eppendorf unter Mitarbeit von A. Schlöbe, Freiburg

Hintergrund: Mit Repithel® wurde ein Wundtherapeutikum eingeführt, das die wundheilungsfördernden Eigenschaften eines Hydrogels mit den antiseptischen Eigenschaften von liposomalem Jod kombiniert.

Zielsetzung: a) Ermittelung der Datenlage zur Wirksamkeit aus klinischen Studien und b) Prüfung der Kosteneffektivität der Behandlung mit Repithel® und üblicher Wundbe-handlung bei Spalthauttransplantierten Wunden im Vergleich zur üblichen Wundbehandlung allein.


Methoden: a) Literaturanalyse, b) Entscheidungsbaummodell (decision analytic model) auf der Basis einer monozentrischen randomisierten kontrollierten Studie mit Kostenperspektive der Leistungserstatter. Untersucht wurde die Standardbehandlung transplantierter Wunden mit Fettgaze (Jelonet) versus der Standardbehandlung +
Repithel®. Eingeschlossen wurden n=167 Patienten, bei denen zur Deckung von Hautdefekten eine Meshgraft-Transplantation vorgenommen wurde. Ursachen der Hautdefekte waren Wunden, Lappenentnahmen für plastische Rekonstruktion, chronische Defekte nach Wunddebridements sowie nach schweren Weichteilinfektionen. Zielkriterium waren primär die Kosten pro Abheilung. Zur Prüfung der Robustheit wur-den Sensitivitätsanalysen durchgeführt.


Ergebnisse: A) Mehrere kontrollierte Studien an akuten und chronischen Wunden weisen auf die Effektivität („efficacy“) der Repithel-Therapie hin. B) Die Behandlungskosten für Repithel® plus Jelonet waren im ökonomischen Modell mit durchschnittlich
€ 180 pro Behandlungsfall im Vergleich zu € 18 für Jelonet allein bedeutend höher. Bezogen auf die Rate von Transplantatverlusten war die Behandlung mit Repithel® jedoch mit € 38 versus € 94 günstiger, ebenso hinsichtlich der Kosten pro Transplantatverlust mit € 2.524 versus € 3.090. Die Gesamtkosten pro Fall waren mit € 2742 versus € 3202 bei Verwendung von Repithel® um € 460 günstiger.


Fazit: Repithel® stellt für die Wundbehandlung eine interessante Therapieoption dar. In der akuten Behandlungssituation verursacht die Therapie transplantierter Wunden mit Repithel® bei alleiniger Berücksichtigung der Transplantatverluste geringfügige Zusatzkosten. Unter Berücksichtigung der Krankenhauskosten erweist sich die Anwendung von Repithel® in Ergänzung zur üblichen Wundbehandlung als kostenersparend und wirtschaftlich.

Dr. med. Andrea Schlöbe




nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Thomas L. Diepgen

Ökonomische Evaluation von Präventionsmaßnahmen am Beispiel berufsbedingter Hauterkrankungen

Universitätsklinikum Heidelberg,Klinische Sozial, Berufs- und Umweltdermatologie,Heidelberg

Präventionsmaßnahmen haben nicht nur sozialmedizinisch und gesellschaftlich einen hohen Stellenwert, sondern auch politisch werden sie aufgrund stetig steigender Kosten im Gesundheitswesen verstärkt gefordert. Die Effektivität vieler Präventionsmaßnahmen wird jedoch kontrovers diskutiert, und eine medizinische und ökonomische Evaluation fehlt meistens. Bei Hauterkrankungen kommt hinzu, dass diese wegen ihrer geringen Mortalität in der Öffentlichkeit häufig als weniger bedeutsam dargestellt werden. Hauterkrankungen sind jedoch sehr häufig und können ein weites Spektrum von leichten bis lebensbedrohlichen Krankheitsbildern darstellen. Sie sind von hoher gesundheitsmedizinischer und sozialmedizinischer Bedeutung und häufig mit einem hohen Verlust an Lebensqualität verbunden. Chronische Hauterkrankungen haben eine schlechte Prognose, daher ist nicht nur die Primär-, sondern auch die Sekundärprävention besonders wichtig.


Am Beispiel berufsbedingter Hauterkrankungen soll zunächst dargestellt werden, welche medizinökonomische, sozialmedizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung diese Erkrankungen haben. Gerade Erkrankungen mit einer hohen Prävalenz und Chronizität bei relativ geringer Mortalität haben medizinökonomisch eine besonders hohe Bedeutung. Viele Hauterkrankungen können hier beispielhaft genannt werden. Im nächsten Schritt werden dann notwendige Voraussetzungen diskutiert, die für den medizinischen und ökonomischen Erfolg von Präventionsmaßnahmen bedeutsam sind. Im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung finanziell viel stärker in die gesamte Bandbreite medizinischer Versorgung von der Prävention bis zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation involviert. Daher kann hier auch eher eine gesundheitsökonomische Evaluation von Präventionsmaßnahmen dargestellt werden. Mit Hilfe epidemiologischer Zahlen und den verstärkten Bemühungen der letzten Jahre, Präventionsmaßnahmen im Bereich der primären, sekundären und tertiären Prävention bei berufsbedingten Hauterkrankungen umzusetzen, soll eine kritische Analyse von Präventionsmaßnahmen auch unter ökonomischen Gesichtspunkten dargestellt werden.


Literatur:
Bock M, Schmidt A, Bruckner T, Diepgen TL: Entwicklung der Chromatallergie in der deutschen Bauwirtschaft. Der Hautarzt 55, 460-464, 2004
Dickel H, Kuss O, Schmidt A, Diepgen TL: Impact of preventive strategies on trend of occupational skin disease in hairdressers: population-based register study. Br Med J 324, 1422-3, 2002
Dickel H, Bruckner TM, Schmidt A, Diepgen TL: Impact of atopic skin diathesis on oc-cupational skin disease incidence in a working population. J Invest Dermatol 121, 37-40, 2003
Diepgen TL, Schmidt A: TRSGen mit dermatologischer Relevanz. Arbeitsmed. Sozial-med. Umweltmed. 38, 393-396, 2003
Diepgen TL, Schmidt A, Kresken J: Prävention berufsbedingter Handekzeme durch Hautschutzmaßnahmen – Ergebnisse einer betrieblichen Interventionsstudie. Arbeits-med. Sozialmed. Umweltmed. 39, 307-314, 2004

Prof. Dr. med. Thomas L. Diepgen


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 2: Symposium der GD-Fachgruppe Magistralrezepturen: Dermatologische Rezepturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz - Gegenwart und Zukunft

Prof. Dr. med. Roland Niedner

Bedeutung von Mitteln der magistralen Rezeptur aus der Sicht eines verordnenden Dermatologen

Klinik für Dermatologie, Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam

Die Mehrzahl aller Dermatologen verordnet nach wie vor magistrale Rezepturen, weil Fertigarzneimittel nicht immer nur von Vorteil sind. Steht zum Beispiel für eine bestimmte Dermatose keine geeignete Grundlage in einem Fertigpräparat zur Verfügung oder besteht eine Unverträglichkeit, bleibt dem Therapeuten nichts anderes übrig, als eine individuelle oder besser noch eine standardisierte Rezeptur (zum Beispiel NRF) auszuwählen.

Es gibt noch weitere Gründe, sich für magistrale Rezepturen zu entschließen, weil zum Beispiel keine geeignete Konzentration des Wirkstoffes im Fertigpräparat vorhanden oder gar kein Präparat mit dem gewünschten Wirkstoff auf dem Markt ist oder auch nicht die richtige Packungsgröße vorliegt. Auch kann die Anwendung außerhalb der Zulassung (Off Label Use) oder im Rahmen eines individuellen Heilversuchs (Compassionate Use) ein Ausweichen vom Fertigpräparat zur Rezeptur notwendig machen. Obwohl zahlreiche industriell hergestellte Externa preiswert sind, kann in Einzelfällen ein nicht unerheblicher Preisvorteil darin liegen, magistral zu rezeptieren.

Magistrale Rezepturen sind immer dann problematisch, wenn sie individuell und nicht standardisiert angefertigt werden. Hier kommt es besonders zu Irrtümern bei der Konzentration des Wirkstoffs, oder es werden nicht kompatible Hilfsstoffe kombiniert oder problematische Wirk-/Hilfsstoffe ausgewählt.

Prof. Dr. med. Roland Niedner




nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Prof. Dr. Christian Surber

Dermatologische Rezeptur in der Schweiz

Institut für Spitalpharmazie, Dermatologische Universitätsklinik, Universitätsspital Basel

Die Magistralrezeptur spielt eine wichtige Rolle in der patientenindividualisierten Pharmakotherapie. Das erste nationale Heilmittelgesetz der Schweiz (seit 1.1.2002), veränderte Schwerpunkte in der Aus- und Weiterbildung von Pharmazeuten (und Ärzten) wie „Pharmaceutical Care“ oder „Klinische Pharmazie“ sowie ökonomische Gründe haben die Rahmenbedingungen für den Bestand und die Weiterentwicklung der Magistralrezeptur markant verschlechtert.

Viele Offizinapotheker sind heute mit der (dermatologischen) Magistralrezeptur „überfordert“ – sei es, dass sie keine entsprechende Lagerhaltung von Wirk- und Hilfsstoffen haben, oder dass sie nicht mehr über die notwendigen Einrichtungen verfügen. Hinzu kommen die gestiegenen Anforderungen der GMP-Richtlinien für kleine Mengen (für die Schweiz spezifische, behördlich bindende Richtlinie), die für Offizinapotheken eine schwer zu überwindende Hürde darstellen. Magistralrezepturen sind selbst bei einer regelmäßigen Fertigung nicht mehr kostendeckend herzustellen, und nicht wenige Offizinapotheker haben deshalb ihre Magistralrezepturtätigkeit stark reduziert oder gar eingestellt.

Dermatologen, Offizinapotheker und kleinere Spitäler versuchen ihren Bedarf an Magistralrezepturen in spezialisierten Firmen oder größeren Spitalapotheken zu decken. Auch dieser Weg weist behördliche Hindernisse auf, die den Fortbestand der Magistralrezeptur beeinträchtigen.

Prof. Dr. Christian Surber




nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Gerd Wolf

Dermatologische Rezeptur in Deutschland

Robert-Koch-Apotheke, Grafschaft-Ringen

Die Anfertigung von Individual- beziehungsweise Magistralrezepturen in Offizin- oder Krankenhausapotheken gehört zum Berufsbild des Apothekers beziehungsweise der Apothekerin und der pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA). Wenn auch diese Tätigkeit vom Umsatz her im Durchschnitt nicht mehr als 1,5 % ausmacht, besitzt die Rezeptur von der Anzahl her laut Untersuchungen verschiedener Apothekerkammern in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor große Bedeutung.

Dabei wird auch zunehmend der Blick auf die Konzeptions- und Herstellungsqualität gelenkt. Vom Autor erhobene Statistiken belegen, dass Inkompatibilitäten und Instabilitäten am häufigsten in Verordnungen von externen Rezepturen von Dermatologen oder anderen Ärzten vorkommen. Ursachen und Herkunft derartiger Fehler werden diskutiert. Mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Konzeptions- und Herstellungsqualität von dermatologischen Rezepturen innerhalb und außerhalb der GD werden aufgezeigt.

Dr. Gerd Wolf




nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Mag.pharm. Dr. Wolfgang Jasek

Dermatologische Rezeptur in Österreich

Österreichische Apothekerkammer, Wien

In der Praxis nehmen die individuellen magistralen Zubereitungen in Österreich einen hohen Stellenwert ein. Wertmäßig gesehen machen diese Zubereitungen in der Apotheke einen Anteil von etwa 2,5 % aus. Eine Aufteilung nach Arzneiformen innerhalb der magistralen Zubereitungen zeigt, dass die topischen Arzneimittel (Salben, Cremes) wertmäßig mit rund 62 % den größten Anteil haben, gefolgt von den flüssigen Arzneimitteln mit rund 30 %. In der Gruppe der Verordner stehen die Dermatologen (45 %) an der Spitze, gefolgt von den Kinderärzten (35 %) und den Augenärzten (14 %).

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für magistrale Zubereitungen finden sich im Arzneimittelgesetz und der Apothekenbetriebsordnung. Insbesondere wird auch die neue Apothekenbetriebsordnung wesentliche Bestimmungen zu einer qualitätsgesicherten Herstellung von Arzneimitteln in Apotheken enthalten. Zubereitungen sind grundsätzlich im Laboratorium oder in einem eigenen Rezepturraum herzustellen. Anforderungen an die Herstellung, Hinweise, wie mit unklaren Verschreibungen oder bedenklichen Rezepturen zu verfahren ist, sind in der Apothekenbetriebsordnung ebenso enthalten wie die exakte Anführung jener Kennzeichnungselemente, die auf dem Abgabebehältnis vorhanden sein müssen.

Bei der Erstellung von Rezepturvorschlägen kommt der Pharmaindustrie und den Herstellern von Rezepturgrundlagen besondere Bedeutung zu. Zahlreiche Rezepturen werden auch zunächst in gemeinsamer Zusammenarbeit mit der Hochschule entwickelt und gelangen dann über die Facharztordinationen zur Anfertigung in die Apotheke. Traditionelle Zubereitungen finden sich auch im Österreichischen Arzneibuch und in diversen Rezepturformelsammlungen. Das Vorhaben, eine österreichische Rezepturdatenbank zu erstellen, um einen Überblick über die tatsächlich in Gebrauch befindlichen Rezepturen zu bekommen, befindet sich derzeit noch in der Planungsphase.

Im Januar 2005 haben sich im österreichischen Sozialversicherungssystem zukunftsweisende Änderungen ergeben. Das bisherige Heilmittelverzeichnis wurde durch den Erstattungskodex ersetzt und damit das „Ampelsystem“, also Grün vor Gelb vor Rot, eingeführt. Im Bereich der Refundierung von magistralen Verschreibungen durch die Sozialversicherungsträger haben sich keine Änderungen ergeben. Stoffe für magistrale Zubereitungen gelten als Teil des „Grünen Bereiches“. Jene Stoffe, die nur mit vorheriger chef- und kontrollärztlicher Bewilligung für Rechnung der Sozialversicherungsträger abgegeben werden dürfen, werden im „Gelben Bereich“ angeführt. Auch die Regelung über frei verschreibbare Höchstmengen (zum Beispiel Salben 100 Gramm beziehungsweise bis 500 Gramm mit IND-Vermerk) wurde unverändert beibehalten.

Mag.pharm. Dr. Wolfgang Jasek


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 3: Mittagsseminar 1: Herstellung und Qualitätssicherung dermatologischer Rezepturen

Dr. Hans-Ulrich Plener

Bildanalyse – Qualitätssicherung für dermatologische Rezepturen

Rathaus-Apotheke, Tuttlingen
unter Mitarbeit von Andreas Hünerbein, Ingrid Kolling und Steffen Höfler

Die Herstellung dermatologischer Rezepturen ist in der Apothekenpraxis ein wichtiges Tätigkeitsfeld. Sie ist für die individuelle und unverzügliche Arzneimitteltherapie der Patienten unersetzbar. Um optimale und wirtschaftlich vertretbare Therapieerfolge zu erreichen, sollten nach therapeutischem und pharmazeutischem Wissensstand optimierte Produkte eingesetzt werden und ihre Qualität gesichert sein.

Die pharmazeutische Qualität ist für Apotheken in Leitlinien definiert, die Produktqualität wird im Allgemeinen durch standardisierte Herstellungsverfahren sichergestellt. Die Maßnahmen einer internen Qualitätskontrolle sind heute überwiegend visuelle Prüfverfahren auf Beschaffenheit und Stabilität des Endproduktes. Für dermatologische Rezepturen mit dispergierten Stoffen sind vor allem die Partikelgröße und die Partikelverteilung qualitätsbestimmend. Derartige Prüfverfahren sind bisher zeitaufwändig und noch unzureichend standardisiert.

Wir haben daher zur Qualitätssicherung dermatologischer Rezepturen die digitale Bildanalyse lichtmikroskopischer Aufnahmen gewählt, um die Prüfmuster zu dokumentieren und anschließend rechnergestützt zu analysieren. Erste Versuche zeigen, dass diese Prüfmethode bei der Kontrolle der Ausgangsstoffe, im Rahmen der In-ProzessKontrolle, der Kontrolle des Endproduktes und letztlich zur Beurteilung der auf der Haut applizierten Arzneiform eingesetzt werden kann.

Die Ergebnisse der Partikelanalyse von Kortikosteroiden, Metronidazol und anderen praxisrelevanten Ausgangsstoffen zeigen, dass das entwickelte Prüfverfahren zur Qualitätskontrolle geeignet ist. An Beispielen der Prüfvorschriften für Stoffe und Produkte wird deutlich, dass sich die digitale Bildanalyse lichtmikroskopischer Aufnahmen in der Apothekenpraxis ohne hohen Zeitaufwand durchführen lässt und sich somit als Standardverfahren anbietet.

Dr. Hans-Ulrich Plener


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dipl. Biol. Friederike Schüller

Hygieneaspekte bei der Rezepturherstellung in der Apotheke

Caesar & Loretz GmbH, Werk Bonn

Der Gesetzgeber setzt für alle Arzneimittel eine einwandfreie mikrobiologische Qualität fest, um eine Infektionsgefahr während der Anwendung auszuschließen und die Haltbarkeit während des gesamten Anwendungszeitraums zu gewährleisten. Diese Qualitätsanforderung gilt ebenfalls für die nicht sterilen Rezepturzubereitungen in der Apotheke, auch wenn hier die technische und personelle Ausstattung nicht mit der industriellen Produktion von Fertigarzneimitteln verglichen werden kann. Um die mikrobiologische Qualität einer in der Apotheke hergestellten Individualrezeptur über den angegebenen Haltbarkeitszeitraum zu garantieren, muss ein ausreichender Hygienestandard gewährleistet sein.

Vor diesem Hintergrund fanden in den Jahren 1999 (1) und 2001 (2) Untersuchungen statt, bei denen in verschiedenen Apotheken eine “nicht konservierte, wasserhaltige Salbengrundlage“ hergestellt und anschließend auf ihren mikrobiologischen Status hin untersucht wurde. Nach der Herstellung wurde in der Apotheke ein Hygiene-Monitoring der Umgebung (Herstellungsbereich) und des Personals durchgeführt.

Diese Untersuchungen machen deutlich, dass die Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Herstellung in der Apotheke die Einhaltung von grundlegenden Hygienemaßnahmen in der Rezeptur ist. Wertet man die Ergebnisse im Rahmen einer Risikoanalyse aus, so liegt der größte Handlungsbedarf bei der Personalhygiene und dem Umgang mit dem Einsatzstoff – Aqua purificata –, welche als Kontaminationsquellen identifiziert werden konnten.

Auch im Hinblick auf die Entwicklung von Qualitätsmanagementsystemen im Apothekenbereich ist die schriftliche Festlegung, die Durchführung und die Dokumentation und Überwachung von Hygienemaßnahmen, welche die Umgebungs-, die Personal- und die Rohstoffhygiene umfassen, zwingende Voraussetzung (3).

(1) Schüller, F., Hygiene in der Rezeptur, Dtsch. Apoth. Ztg. 139, 826-828, 1999
(2) Eifler-Bollen, R., Schüller, F., Krötsch, U., Möller, H., Qualitätssicherung in der Rezeptur, Pharm. Ztg. 146, 1138-1143, 2001
(3) GD-Hygienerichtlinie für die Herstellung von nicht sterilen pharmazeutischen Zubereitungen in der Apotheke, rev. Fassung vom 25.11.2002

Dipl. Biol. Friederike Schüller


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Andreas Kiefer

Qualitätsmanagement-Systeme in deutschen Apotheken – eine Verbesserung der Qualität der Rezeptur-Arzneimittel?

Sophien-Apotheke, Koblenz

Qualitätsmanagementsysteme (QMS) bestimmen seit etwa zwei Jahrzehnten die Ar-beitsabläufe in vielen Branchen. Solche Betriebsführungssysteme werden zunehmend auch in medizinischen oder pharmazeutischen Bereichen, so auch in Apotheken oder Arztpraxen, eingeführt.

Dabei ist im Bereich der Apotheken durch eine konsequente Umsetzung der Inhalte der Leitlinien des Berufsstandes und der Fachgesellschaften ein hoher Qualitätsstan-dard der Rezeptur-Arzneimittel gewährleistbar. Typische Schnittstellenprobleme treten zwischen verordnender Arztpraxis und ausführender Apotheke, innerhalb der Apotheke und dem Patienten gegenüber auf.

Dies kann stellvertretend an drei Einzelfallbeispielen aus der Praxis gezeigt und eine Lösung im Rahmen des QMS vorgeschlagen werden. Darüber hinaus wird diskutiert, inwieweit es möglich ist, mit Hilfe bestimmter Kennzahlen die zweifellos vorhandene Qualitätsverbesserung in deutschen Apotheken zu quantifizieren.

Dr. Andreas Kiefer


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Holger Reimann

Spezifische Anforderungen an Bestandteile für dermatologische Rezepturen

Pharmazeutisches Laboratorium des Neuen Rezeptur-Formulariums, Eschborn

Der Rezeptur-Ausgangsstoff ist die Nahtstelle der Qualitätssicherungssysteme von Grundstofflieferant und Apothekenbetrieb. Nach Präzisierung rechtlicher Bestimmungen und der Etablierung von Qualitätsmanagement in Apotheken treten hier kaum noch grundsätzliche Probleme auf, allenfalls eine strukturelle Gefährdung der raschen Belieferung durch Rationalisierung und Minimierung der Vorräte in Apotheke und Pharmagroßhandel.

Aus der Praxis ergibt sich aber häufig die Notwendigkeit, über formale und grundlegende Forderungen hinaus spezifische Eigenschaften zu fordern, die in den üblichen Arzneibuchmonographien nicht erfasst werden. Dies können ein besonderer Hygienestatus, die chemische Reinheit, eine physikalische Besonderheit oder eine galenische Eigenschaft sein, die durch Prüfnormen nur kompliziert zu beschreiben wären, sich aber oft durch Verwendung des Produktes eines bestimmten Herstellers oder eines Markenartikels reproduzierbar realisieren lassen.

Auch neue Arzneistoffe oder Hilfsstoffe in dermatologischen Verschreibungen werden bei der Umsetzung manchmal zur pharmazeutischen Herausforderung. Zudem kommen Hersteller dem Wunsch der Apotheken nach Rezepturbestandteilen, deren Eigenschaften zur Verbesserung der Arbeitssicherheit sowie zur Arbeits- und Zeitersparnis im Rezepturbetrieb beitragen, zunehmend entgegen, zum Beispiel durch spezielle Abpackungen und vor allem durch Halbfertigprodukte im Sinne von dermatologischen Grundlagen oder Arzneistoff- oder Konservierungsmittel-Konzentraten.


Aus dieser im Prinzip sinnvollen Entwicklung erwachsen jedoch auch berechtigte Forderungen hinsichtlich dokumentierfähiger Belege für die Sonderqualität solcher Ausgangsstoffe, ihrer Eignung und Stabilität sowie hinsichtlich mehr Transparenz bei Zusammensetzung und sinnvollem Gebrauch. Der mit der Erfüllung dieser Forderungen verbundene Aufwand begründet ein interessantes Spannungsfeld zwischen verschreibenden Hautärzten, Ausgangsstoff-Lieferanten und Apotheken. Im Interesse der dermatologischen Rezeptur sind hier letztlich gemeinsame Problemlösungen gefragt.

Grundforderungen spezifische Forderungen an Rezepturbestandteile
• rasch erhältlich
• geeignete Mengen
• Qualitätssicherung mittels valider Prüfzertifikate
• chemische Reinheit (Schleimhautanwendung)
• definierte Teilchengröße (Mikronisierung)
• Transparenz bei Rezepturkonzentraten, Grundlagen, Stammzubereitungen
• Verpackung (Standgefäß, Sicherheit)
• Hygienestatus (Sterilität, besser als AB)
• Stabilität spezifischer Merkmale
• Transparenz bei Markengrundlagen
• Forderungen an „Hausnormen“
• seriöser Umgang mit „High-tech“-Galenik

Dr. Holger Reimann


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 4:Mittagsseminar 2: Innovationen und Evidenz in der Therapie chronischer Wunden

Prof. Dr. med. Matthias Augustin

Aktuelle pharmakoökonomische Aspekte zur Therapie des Ulcus cruris – ein Überblick


Klinik für Dermatologie und Venerologie, Universitäts-Klinik Hamburg-Eppendorf

Hintergrund: Das Ulcus cruris ist eine häufige und sozioökonomisch bedeutende Erkrankung. Durch den chronischen Verlauf und das komplexe Krankheitsbild kann die Wahl der geeigneten Therapie erheblichen Einfluss auf die Therapiekosten sowie den Therapieerfolg als Nutzengröße haben.

Zielsetzung: Überblick über den Erkenntnisstand zu den Kosten-Nutzen-Relationen in der Therapie des Ulcus cruris.

Methoden: Systematische Literaturrecherche nach den international anerkannten Kriterien der Cochrane Collaboration. Auf der Kostenseite wurde auf Studien fokussiert, in denen die Bereiche Krankheitskosten oder Kosten-Nutzen-Analysen untersucht wurden. Auf der Nutzenseite wurden dabei die folgenden Nutzengrößen auf ihre Evidenz geprüft: a) Klinische Nutzenkriterien (unter anderem Ulkusheilung, Schmerzreduktion), b) Lebensqualität und Patientenzufriedenheit, c) Kosteneffekte. Neben den einzelnen Therapieformen des Ulcus cruris wurden auch Versorgungsmodelle der Patienten mit chronischen Wunden überprüft, insbesondere die Evidenz des Nutzens und der Effektivität von Wundzentren und sektorenübergreifenden Versorgungsansätzen.

Ergebnisse: Eine systematische Bewertung und Metaanalyse von Outcomes für defi-nierte Therapieformen des Ulcus cruris wurde in n=19 systematischen Reviews gemäß den Kriterien der Cochrane Collaboration durchgeführt, leitlinienartige Hinweise fanden sich in n=177 Arbeiten. Nur in wenigen systematischen Arbeiten wurden zweifelsfreie Aussagen zur Evidenz der Therapieverfahren getroffen. Zu den am besten gesicherten Therapieformen zählt die Kompressionstherapie des Ulcus cruris venosum, für die sich aus der Metaanalyse eine eindeutige Überlegenheit gegenüber der Nicht-Therapie findet.

Unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten belegt ist beim Ulcus cruris venosum die Be-handlung mit modernen Wundtherapeutika im Sinne der feuchten Wundbehandlung, welche der Therapie mit anderen Verbandstoffen überlegen ist.

Aus einzelnen Studien können die folgenden Hypothesen gewonnen werden:

– Beim unkomplizierten Ulcus cruris ist die ambulante Behandlung in qualifizierten Wundzentren der stationären Behandlung wirtschaftlich überlegen.

– Eine qualifizierte, frühzeitige Therapie des Ulcus cruris ist wirtschaftlicher als eine prolongierte Behandlung durch nicht spezialisierte Ärzte.

– Initial höhere Kosten durch innovative Wundtherapeutika können bei verkürztem Behandlungsverlauf mit einer insgesamt wirtschaftlicheren Behandlung verbunden sein.

– Ein wesentlicher Kostenfaktor ist die Patienten-Compliance. Bei fehlender Akzeptanz und schlechtem Tragekomfort werden vermeintlich kostengünstige Wundsysteme unwirtschaftlich. Prädiktoren einer hohen Akzeptanz sind zum Beispiel Kompressionssysteme, die therapeutisch ausreichende Arbeitsdrücke bei zugleich niedrigem Ruhedruck bieten, ferner Wundverbände mit geringem Schmerzausmaß beim Verbandswechsel.

– Der Einsatz wiederverwendbarer Kompressionssysteme hat in der Regel ökonomische Vorteile gegenüber Einwegsystemen (single use systems).

– Für die Versorgung chronischer Wunden, insbesondere des Ulcus cruris venosum, gilt grundsätzlich, dass die Wundversorgung in Zentren mit qualifizierter ärztlicher und pflegerischer Versorgung effektiver und wirtschaftlicher ist.

– Zur ökonomischen Bilanz trägt nicht nur die Dauer bis zur Abheilung bei, sondern ganz wesentlich auch die rezidivfreie Zeit. Versorgungsansätze, die über die akute Behandlung hinaus ein Langzeitmanagement der Patienten beinhalten, gewährleisten einen medizinisch wie ökonomisch günstigeren Gesamtverlauf.

Fazit: In der Versorgung des Ulcus cruris finden sich erhebliche wirtschaftliche Spielräume. Eine qualitätsgesicherte, frühe und konsequente Therapie unter Berücksichtigung der Kosten- und Nutzenseite erhöht die Wirtschaftlichkeit der Versorgung dieser chronisch kranken Patienten.

Prof. Dr. med. Matthias Augustin

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie


nach oben

Dr. med. Hugo Partsch
Professor für Dermatologie, Wien

Phasengerechte Kompressionsbehandlung bei Ulcus cruris venosum

Therapiephase und Erhaltungstherapie
Der Großteil von Patienten mit einem venösen Unterschenkelgeschwür, bei denen das Grundleiden nicht durch die Ausschaltung von oberflächlichen Refluxen durch Operation oder Verödung heilbar ist, bedarf einer Dauer-Kompressionstherapie. Wir unterscheiden dabei die Phase bis zum Abheilen des Ulkus („Therapiephase“) sowie die daran anschließende „Erhaltungsphase“, um ein Rezidiv zu verhindern.

Therapiephase
Speziell für Ulzera mit einem Durchmesser von über 3 – 5 cm und einer Bestandsdauer von über drei Monaten bevorzugen wir Kurzzugverbände, welche von geschultem Personal angelegt und im Regelfall in wöchentlichem Abstand gewechselt werden. Bei retromalleolären Ulzera wird der lokale Kompressionsdruck durch Applikation von Schaumgummi-Pelotten (Komprex®) erhöht.

Erhaltungsphase
Nach Abheilung des Ulkus ist durch eine für den Patienten selbst machbare Dauerkompression dafür zu sorgen, dass das Geschwür geschlossen bleibt. Hierfür eignen sich besser elastische Binden oder gute medizinische Kompressionsstrümpfe, die tagsüber getragen werden

Anpressdruck bei unterschiedlichen Bindentypen
Bei unbehinderter arterieller Zirkulation (Doppler-Knöchelarteriendruckmessung!) sollte der Andruck einer Kurzzugbinde am distalen Unterschenkel mindestens 50 – 60 mmHg betragen. Bereits in der ersten Stunde nach Anlage des Verbandes fällt der Druck um durchschnittlich 25 – 30 % ab. Dieser Druckabfall ist Ausdruck einer sofort einsetzenden Entstauung des Beins und der Grund dafür, dass der angelegte Verband im weiteren auch im Liegen gut toleriert wird.
Langzugbinden sollten mit einem Druck um 40 mmHg angelegt werden, da die Binde in Ruhe und beim Liegen nachzieht und den Ausgangsdruck weitgehend beibehält. Höhere Drucke würden bei Bettruhe schlecht toleriert.

Stiffness bei unterschiedlichen Bindentypen
Unter „Stiffness“ verstehen wir die Druckzunahme der Binde bezogen auf die Umfangzunahme des Beinsegmentes beim Stehen und Gehen. Kurzzugbinden mit einer Dehnbarkeit von unter 40 % weisen eine höhere Stiffness auf, Langzugbinden mit > 100 % Dehnung niedrigere. Hohe Stiffness bedeutet höherer Arbeitsdruck im Gehen mit ausgeprägterem Massageeffekt (Abb.). Ein hoher Stiffness-Index, also eine geringe Nachgiebigkeit der Binde im Gehen, bewirkt eine ausgeprägtere Reduktion venöser Refluxe1, so dass die ambulatorische venöse Hypertension gesenkt werden kann2.
In mehreren Touren übereinander angelegte Binden sowie Verband-Kits bestehend aus mehreren Komponenten von Kurzzugbinden führen zu einer Erhöhung des Stiffness- Indexes. Dies gilt bis zu einem gewissen Grad auch für Mehrlagenbinden aus elastischem Material, welche sich letztlich in ihrem Gesamtverhalten Kurzzugbinden annähern und damit auch erträgliche Ruhedrucke im Liegen gewährleisten können. Bezüglich Ulkusheilung konnten wir keinen signifikanten Unterschied zwischen Four-layer-bandages und zwei übereinander applizierten Kurzzugbinden finden.3

Kriterien eines idealen Kompressionsverbandes:

  • Gut erträgliche Drucke im Liegen,
  • Druckanstieg im Stehen und Gehen, um dem hydrostatischen Druck entgegen zu wirken,
  • ausreichende Drucke unter Fixverband für einige Tage,
  • Waschbarkeit und Wiederverwendbarkeit,
  • Problemlose Applikation,
  • Minimale Nebenwirkungen.

Literatur

1) Partsch H, Menzinger G, Mostbeck A., Inelastic leg compression is more effective to reduce deep venous refluxes than elastic bandages. Dermatol Surg 25, 695-700, 1999

2) Partsch H . Improvement of venous pumping function in chronic venous insufficiency by compression depending on pressure and material. VASA 13, 58-64, 1984

3) Partsch H, Damstra RJ, Tazelaar DJ, Schuller-Petrovic S, Velders AJ, de Rooij MJ, Sang RR, Quinlan D. Multicentre, randomised controlled trial of four-layer bandaging versus short-stretch bandaging in the treatment of venous leg ulcers. Vasa 30, 108-113, 2001

Abb. 1: Bei gleichem Ausgangsdruck von 50 mmHg im Sitzen zeigt der Kurzzugverband (Rosidal® sys, links im Bild) Druckspitzen bis 80 mmHg unter Fußwippen. Beim Aufstehen steigt der Druck am distalen medialen Unterschenkel um 22 mmHg an, dagegen unter einer elastischen Perfekta®-Binde nur um 8 mmHg. (Dr. Ch. Rohrer, Lohmann-Rauscher).

Dr. med. Hugo Partsch


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 5: Symposium: Primecrolimus in der Dermatologie

Dr. Anthony Winiski

Effekte von Pimecrolimus, Tacrolimus und Steroiden auf T- Zellen

Novartis Forschungsinstitut GmbH, Wien

Pimecrolimus, ein Ascomycin-Makrolactamderivat, wurde für entzündliche Hauterkrankungen gezielt konzipiert und entwickelt. Die Wirksamkeit und Sicherheit nach topischer Anwendung bei atopischer Dermatitis und nach oraler Verabreichung bei Psoriasis (Schuppenflechte) wurde klinisch nachgewiesen. T-Zellaktivierung und die Freisetzung entzündlicher Zytokine spielen eine Schlüsselrolle bei entzündlichen Krankheiten wie atopischer Dermatitis und Psoriasis.

Im ersten Teil dieser Arbeit untersuchten wir die Hemmung der Zytokinproduktion (TNF-a, IFN-?, GM-CSF, IL-1ß und IL-8), stimuliert durch einen anti-CD3 monoklonalen Antikörper, in mononukleären Zellen aus humanem peripheren Blut (PBMC) durch Pimecrolimus im Vergleich zu Tacrolimus, Cyclosporin A und den Kortikosteroiden Betamethason-17-valerat, Dexamethason und Hydrocortison. Die Potenzrangordnung (Bandbreite der IC50 Werte für die gemessenen Zytokine) ist: Pimecrolimus (0,30 – 0,77 nM) ~ Tacrolimus (0,12 – 0,22 nM) ~ Betamethason-17-valerat (0,32 – 0,63 nM) ~ Dexamethason (0,99 – 3,4 nM) > Cyclosporin A (6,3 – 9,3 nM) > Hydrocortison (29 – 44 nM). Im gleichen Testsystem wurde auch die Hemmung dieser Substanzen auf die T-Zellproliferation bestimmt. Die Potenzrangordnung (Durchschnittswerte von drei unabhängigen Versuchen) ist: Tacrolimus (0,18 nM) > Pimecrolimus (1,1 nM) ~ Betamethason-17-valerat (1,7 nM) ~ Dexamethason (2,5 nM) > Cyclosporin A (11 nM) > Hydrocortison (100 nM). Also hemmt Pimecrolimus die anti-CD3-stimulierte Freisetzung entzündlicher Zytokine von PBMC mit ähnlicher Potenz wie Tacrolimus, wohingegen Tacrolimus potenter bei der Unterdrückung der T-Zellproliferation ist. Die Kortikosteroide Betamethason-17-valerat und Dexamethason sind ungefähr ebenso potent wie Pimecrolimus, aber potenter als Cyclosporin A.

Kortikosteroide werden als Haupttherapie für entzündliche Hauterkrankungen sowie andere chronische Entzündungskrankheiten eingesetzt. Allerdings ist die Resistenz gegenüber Kortikosteroiden ein oft dokumentiertes Phänomen. Im zweiten Teil unserer Arbeit untersuchten wir die Wirkung von Kortikosteroiden und Pimecrolimus auf die T-Zellproliferation in stark stimulierten PBMC. PBMC (50.000 – 200.000 Zellen/Näpfchen in 96-Näpfchen-Platten) wurden mit dem Superantigen Staphylokokkenenterotoxin B (SEB) oder mit der Kombination von anti-CD3 plus anti-CD28 monoklonalen Antikörpern stimuliert. Resistenz gegenüber Kortikosteroiden und Calcineurinhemmern wurde in SEB- und anti-CD3/CD28-stimulierten T-Zellsystemen schon dokumentiert. Tatsächlich konnte auch in dieser Arbeit für die Einzelsubstanzen gezeigt werden, dass die Kortikosteroide Dexamethason (Dex) bei 300 nM, Betamethason-17-valerat (Beta) bei 300 nM und Hydrocortison (HC) bei 10.000 nM sowie Pimecrolimus (PI) bei 30 nM nur eine partielle Wirkung entfalten. Aber Kombinationen von den Kortikosteroiden mit Pimecrolimus (bei den erwähnten Konzentrationen) zeigten eine starke und synergistische Hemmung der Proliferation. Die folgenden Hemmungsbandbreiten (stimulierte Kontrolle = 0 %) wurden festgestellt: SEB-induzierte Proliferation: Dex (= 14 %), Beta (= 15 %), HC (= 11 %), PI (4 – 33 %), Dex+PI (94 – 98 %), Beta+PI (93 – 97 %), HC+PI (93 – 94 %). Anti-CD3+anti-CD28-induzierte Proliferation: Dex (13 – 14 %), Beta (= 25 %), HC (= 8 %), PI (= 21 %), Dex+PI (82 – 95 %), Beta+PI (70 – 95 %), HC+PI (61 – 87 %).

Diese Resultate deuten auf die potenzielle therapeutische Wirksamkeit einer Kombinationstherapie im Falle einer Kortikosteroidresistenz hin und für Indikationen, bei denen Monotherapie mit Kortikosteroiden oder Pimecrolimus nicht ausreichend ist.

Dr. Anthony Winiski


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier

Pimecrolimus ist ein potenter Inhibitor der Mediatorfreisetzung aus menschlichen dermalen Mastzellen und peripheren basophilen Leukozyten im Blut

Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Charité, Berlin

Mastzellen sind klar charakterisierte Effektorzellen in allergischen immunologischen Reaktionen. Eine Gemeinsamkeit mit basophilen Leukozyten besteht in der Expression des hochaffinen IgE-Rezeptors und ihrer Rolle als Histamin liberierende Zellen bei IgE-vermittelten allergischen Reaktionen. Neben dem Histamin besitzen die Mastzellen jedoch eine sehr hohe Zahl weiterer präformierter und nicht präformierter Mediatoren, wie zum Beispiel Tryptase und verschiedene Zytokine. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Mastzellen, unabhängig von ihrer Rolle als Effektorzelle der Typ I-allergischen Reaktion, pathogenetisch bei vielen Hautkrankheiten, insbesondere auch bei der atopischen Dermatitis, involviert sind.

In experimentellen Untersuchungen an aufgereinigten Hautmastzellen aus gesunder Haut konnte gezeigt werden, dass die Vorbehandlung mit Pimecrolimus bereits im niedrigen nanomolekularen Bereich die Histaminfreisetzung dosisabhängig um bis zu 70 % reduzieren konnte. Diese Wirkung war deutlich ausgeprägter als die der mit getesteten Vergleichssubstanzen Cyclosporin A und Dexamethason. Eine vergleichbare Wirkung zeigte Pimecrolimus auf die Histaminfreisetzung aus basophilen Leukozyten.

Zusätzlich hemmte die Vorbehandlung der Hautmastzellen mit Pimecrolimus die stimulierte Tryptasefreisetzung und TNFa-Freisetzung um bis zu 80 %.

Zusammenfassend zeigen diese Untersuchungen, dass Pimecrolimus gegenwärtig der aktivste verfügbare pharmakologische Hemmstoff der Mediatorfreisetzung von menschlichen Mastzellen ist.

Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Univ.-Doz. Dr. Josef G. Meingassner

Tierpharmakologische Studien mit Pimecrolimus und Tacrolimus an Dermatitis-Modellen

Novartis Forschungsinstitut GmbH, Wien

Im Rahmen der Entwicklung neuer Wirkstoffe werden Untersuchungen an Labortieren durchgeführt, um in vitro beobachtete pharmakologische Aktivitäten in vivo im Ganztier zu verifizieren. Dabei bedient man sich meist spontaner oder induzierter, indikationsbezogener Erkrankungen in Labortieren, bei denen der topisch oder systemisch applizierte Stoff einen therapeutischen Effekt haben sollte. Die Übertragbarkeit der Beobachtungen im Tier auf den Patienten hängt dabei weitgehend von der Ähnlichkeit des Tiermodells mit der menschlichen Situation ab.

Pimecrolimus ist, wie das ursprünglich für die Transplantationsmedizin eingeführte Tacrolimus, ein Calcineurin-Inhibitor, der in vitro die Produktion pro-inflammatorischer Zytokine durch aktivierte T-Zellen und Mastzellen hemmt. Für die Substanztestung in vivo wurde bei Mäusen, Ratten und jungen Hausschweinen eine allergische Kontaktdermatitis (ACD) induziert, die als Modell T-Zell-mediierter Hauterkrankungen, zu denen Psoriasis und atopische Dermatitis zählen, verwendet wurde. Die ACD verläuft wie alle allergischen Erkrankungen in zwei Phasen, der klinisch stummen Sensibilisierungsphase und der sich als allergisches Ekzem manifestierenden Provokationsphase nach wiederholtem Allergen-Kontakt. Nager wurden für die topischen und oralen Testungen eingesetzt; Hausschweine, deren Haut der menschlichen Haut sehr ähnlich ist, für topische Prüfungen in Folgeuntersuchungen.

An diesen Modellen zeigten Pimecrolimus und Tacrolimus nach topischer Anwendung eine sehr ausgeprägte anti-inflammatorische Wirkung. Bei Mäusen hemmten bereits einmalige Applikationen von 0,01%igen Lösungen akute allergische Hautentzündungen zu 40 – 50 %. Bei Ferkeln mit ACD bewirkten zweimalige Applikationen von 0,4-%-Lösungen Hemmungen um die 60 %, die der Wirkung des Vergleichspräparates Clobetasol-17-propionat entsprachen. Als Handelsformen unterschieden sich Elidel® (Creme, 1 % Pimecrolimus) und Protopic® (Salbe, 0,1 % Tacrolimus) nicht in ihren Wirkungen. Im direkten Vergleich, bei dem das Ausmaß der entzündlichen Rötung, Schwellung und Induration der behandelten Teststellen „benotet“ wurde, ergaben sich die Kennzahlen 175 für Elidel® und 177 für Protopic® 0,1 %. Mit 216 schnitt Protopic® 0,03 % schwächer wirksam ab.

Pimecrolimus und Tacrolimus erwiesen sich auch nach oraler Gabe gegen die ACD von Nagern aktiv. Die Hautentzündungen wurden bei Mäusen durch beide Verbindungen – entsprechend der Dosis – gleichermaßen gehemmt. Dosierungen von 3 – 90 mg/kg führten zu 14 – 60%igen Hemmungen. Bei der Ratte erwies sich orales Pimecrolimus etwa um den Faktor 2 stärker entzündungshemmend als Tacrolimus. Bei der Maus war die erste Phase der ACD (Sensibilisierung) durch orales Pimecrolimus nicht zu hemmen, wohl aber mit Tacrolimus in ungleich niedrigerer Dosierung, obgleich die klinisch manifeste zweite Phase durch beide Verbindungen mit gleicher Potenz gehemmt wurde.

Ein ähnlicher Unterschied trat in der Ratte auf. Gleiche Dosen hemmten in einem Fall die Dermatitis, ohne die assoziierte Reaktion in lokalen, subkutanen Lymphknoten zu beeinträchtigen (Pimecrolimus). Im anderen Fall blieben die entzündlichen Veränderungen in der Haut unbeeinflusst, die Hyperplasie der darunter liegenden Lymphknoten wurde aber gehemmt (Tacrolimus).

Diese pharmakodynamischen Unterschiede lassen sich durch verschiedene Gewebsverteilung erklären. Während die Konzentrationen an Pimecrolimus in der Haut maximal zweifach höher waren als die von Tacrolimus, enthielten subkutane Lymphknoten bei Dosisgleichheit 6 x (Maus) beziehungsweise 44 x (Ratte) mehr Tacrolimus als Pimecrolimus, was die unterschiedlichen Effekte auf Immunreaktionen im lymphoiden Gewebe sicherlich bedingte.

Am Modell der durch Magnesiummangel ausgelösten Dermatose haarloser Ratten, deren Pathogenese zwar unklar ist, die aber bezüglich Exanthem und Juckreiz der atopischen Dermatitis sehr ähnlich ist, erwiesen sich Pimecrolimus und Tacrolimus als hoch wirksam. Orale als auch topische Behandlungen erkrankter Ratten führten mit beiden Verbindungen zu rascher Beseitigung des Juckreizes und Linderungen des durch Kratz- und Bissspuren komplizierten Exanthems.

Die Untersuchungsergebnisse mit Pimecrolimus und Tacrolimus an Labortieren mit ACD haben zur deren Entwicklung als topische Arzneimittel für die Dermatologie geführt, die erstmals eine Alternative zu den seit fast 50 Jahren verwendeten Corticosteroiden zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen darstellen.

Univ.-Doz. Dr. Josef G. Meingassner


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Thomas Luger

Topische Immunmodulatoren in derzeitigen und zukünftigen Indikationen: Was ist erreicht? Was ist noch zu tun?

Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster/Westfalen

Since the introduction of topical corticosteroids more than 50 years ago, novel topical calcineurin-inhibitors such as pimecrolimus and tacrolimus have been proven to be effective and safe alternatives for the treatment of patients suffering from atopic eczema. Accordingly, pimecrolimus cream and tacrolimus ointment have been approved for the treatment of atopic eczema in adults and children in Europe, the United States and many other countries around the world. Both compounds are safe and well tolerated. Inspite of their immunommodulting capacity no risks for an increase in bacterial or viral skin infections have been observed. Following topical application only a minimal transient systemic exposure that is far below a therapeutic toxic level has been reported.

In addition to atopic eczema recently several small clinical and single case studies have been performed to investigate the efficacy and safety of pimecrolimus and tacrolimus in the treatment of other inflammatory skin diseases. Both have been found to be effective and well tolerated in the treatment of hand eczema and also turned out to be a highly effective treatment for psoriasis in children, particularly for the face and intertrigineous areas. However, plaque type psoriasis only improved if either pimecrolimus or tacrolimus was applied under occlusion.

Many case reports have demonstrated that pimecrolimus cream or tacrolimus ointment can be successfully used for the treatment of skin diseases such as seborrhoiec eczema, steroid induced rosacea, mucous lesions of lichen planus and genital lichen sclerosus et atrophicus. There is also recent evidence that the application of pimecrolimus or tacrolimus is effective for the treatment of certain cases of vitiligo. Further studies demonstrate the efficacy of both compounds in the treatment of pyoderma gangraenosum, skin lesions of systemic lupus erythematosus or dermatomyositis, bullous autoimmunediseases, chronic actinic dermatitis and polymorphic light eruption.

The observed efficacy of pimecrolimus cream and tacrolimus ointment for the treatment of inflammatory allergic and autoimmune skin diseases needs to be further evaluated in controlled clinical trials.

Prof. Dr. med. Thomas Luger

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie


nach oben

Dr. Frank Kalthoff

Vergleich der Effekte von Glukokortikoiden und Pimecrolimus auf dendritische Zellen

Novartis Forschungsinstitut GmbH, Wien

Glukokortikoide sind als potente Therapeutika für die Behandlung von autoimmunen Erkrankungen und Allergien bekannt. Aufgrund ihrer pleiotropen Wirkungsweise kann jedoch die längere Anwendung von Glukokortikoiden eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen hervorrufen.

Ziel dieser Studie war der Vergleich der Aktivität von Pimecrolimus, einem neuen Immunmodulator zur Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen, und den Glukokortikoiden Dexamethason (Dex) und Betamethason (beta-MS) im Hinblick auf (1) eine Beeinflussung der Differenzierung und Reifung von menschlichen dendritischen Zellen (DZ) in vitro, (2) das Ausmaß einer Wirkstoff induzierten Apoptose von DZ und (3) die Beeinflussung der Funktion aktivierter DZ, primäre T-Lymphozyten zu stimulieren.

Im Gegensatz zu Pimecrolimus induzierten Dex und beta-MS bei Zugabe zu Beginn der Differenzierungskultur eine deutliche Apoptose der DZ-Vorläuferzellen. Eine nachfolgende Analyse der überlebenden Zellen im Durchflusszytometer (FACS) zeigte, dass die Differenzierung von DZ mit den typischen Oberflächenmarkern CD1a, CD40 und CD80 bei einer 10-nanomolaren Konzentration von sowohl Dex als auch beta-MS fast komplett unterdrückt wurde, wohingegen eine sogar 100fach höhere Konzentration von Pimecrolimus keine erkennbare Inhibition der DZ-Differenzierung bewirkte.

Weiterhin blockierten beide Glukokortikoide die LPS-vermittelte Stimulierung der DZ, und somit die Sekretion von IL-12, ein für die Th1-Zell-Differenzierung nötiges Zytokin, verbunden mit der Inhibition der Expression der Aktivierungsmoleküle CD83 und CD86 und einer Verminderung der Fähigkeit der DZ, primäre T-Zellen zu aktivieren. Im Gegensatz hierzu zeigte Pimecrolimus keine Unterdrückung der DZ-Reifung (Oberflächenrezeptoren, IL-12 Sekretion) oder ihrer Funktion (T-Zell Stimulation).

Die vorliegenden Daten lassen darauf schließen, dass Pimecrolimus im Vergleich zu Glukokortikoiden eine erhöhte Selektivität der therapeutischen Wirkung bei entzündlichen Hauterkrankungen aufweist.

Dr. Frank Kalthoff


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. Adelheid Elbe-Bürger

Vergleich der Effekte von Glukokortikoiden und Pimecrolimus auf Langerhanszellen in Maus und Mensch

Universitätsklinik für Dermatologie, Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten, Medizinische Universität Wien

Die neuen Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus (Protopic) und Pimecrolimus (Elidel) – zugelassen zur topischen Behandlung der atopischen Dermatitis – stellen eine Alternative zu den lang angewandten Kortikosteroidpräparaten dar. Während beide Therapeutika ihre entzündungshemmende Wirkung vor allem auf T-Lymphozyten, Mastzellen und Granulozyten entfalten, ist über deren Effekt beziehungsweise Auswirkung auf andere immunkompetente Zellen in der Haut [zum Beispiel Langerhanszellen (LZ)] wenig bekannt. Ziel unserer Studien war es daher, die Wirkung von Pimecrolimus auf die Immunfunktion von Hautzellen, wobei ein spezieller Schwerpunkt auf LZ gelegt wurde, zu untersuchen und mit denen von Kortikosteroiden zu vergleichen.

Zu diesem Zweck wurden Mäuse topisch mit klinisch verwendeten Konzentrationen von Pimecrolimus, Hydrocortison oder Clobetasol behandelt. Nach nur zweimaliger Applikation konnten wir apoptotische LZ und Keratinozyten in den Steroidgruppen finden, während Pimecrolimus die Viabilität dieser Zellen nicht beeinflusste. In Überständen von Einzelzellsuspensionen steroidbehandelter Haut ließ sich eine beachtliche Verminderung von Faktoren feststellen, die für das Überleben und die Ausreifung von LZ essentiell sind, während Pimecrolimus keine Effekte zeigte. Zudem entdeckten wir, dass Steroide, im Gegensatz zu Pimecrolimus, die Ausreifung von LZ blockierten. In Übereinstimmung mit diesen Daten war die Immunantwort, die durch LZ von steroid-, nicht aber Pimecrolimus-behandelten Mäusen in vitro hervorgerufen wurde, sowohl in der Qualität als auch Quantität wesentlich beeinträchtigt.

Ziel weiterführender Studien war es, diese Ergebnisse mit den Effekten von Pimecrolimus auf immunkompetente Zellen in humaner Haut zu vergleichen. Im Einklang mit Daten, die wir in Mäusen erhoben hatten, zeigte Pimecrolimus keinen Einfluss auf die LZ-Viabilität in gesunder als auch atopischer Haut. Im Gegensatz dazu führte eine Kortison-Behandlung (Betamethason-17-valerat) von Patienten mit atopischer Dermatitis zu einer signifikanten Depletion der LZ-Population.

Zusammenfassend zeigen unsere Daten, dass Calcineurininhibitoren und Kortikosteroide unterschiedlich auf LZ einwirken. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass Substanzen wie Pimecrolimus ihre entzündungshemmende Wirkung ohne Beeinträchtigung des autochthonen Immunsystems der Haut entfalten können.

Prof. Dr. Adelheid Elbe-Bürger


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Andres Billich

Vergleich der Permeation von Pimecrolimus durch die Haut mit der von Tacrolimus und Glukokortikoiden

Novartis Forschungsinstitut GmbH, Wien

Für die Behandlung von Hauterkrankungen mit topischen Medikamenten ist eine Penetration der Wirkstoffe in die relevanten Hautschichten erforderlich. Permeation durch die Haut sollte jedoch auf ein Minimum begrenzt sein, um das Risiko systemischer Nebeneffekte zu vermeiden. Wir haben die In-vitro-Hautpenetration und -permeation zweier neuer Wirkstoffe (Pimecrolimus und Tacrolimus), die in der Therapie des atopischen Ekzems eingesetzt werden, im Vergleich mit repräsentativen Kortikosteroiden (Betamethason-17-valerat; Clobetasol-17-propionat; Diflucortolon-21-valerat) geprüft.


In einer ersten Serie von Experimenten wurden die Wirkstoffe in einfachen Lösungen appliziert. Die Konzentrationen von Pimecrolimus und Kortikosteroiden in menschlicher Haut lagen in der gleichen Größenordnung; die Permeation von Pimecrolimus durch die Haut war jedoch um Faktoren von 70 bis 110 niedriger als die der Steroide. Im Vergleich von Pimecrolimus mit Tacrolimus in menschlicher Haut, Schweine- oder Rattenhaut wurden jeweils ähnliche Konzentrationen der zwei Verbindungen in der Haut gemessen, wohingegen die Permeation von Pimecrolimus durch die Haut konsistent um einen Faktor 9 bis 10 niedriger lag.
In weiteren Experimenten wurden die klinisch verwendeten Formulierungen (Elidel 1 % Creme, Protopic 0,1 % und 0,03 % Salbe) in In-vitro-Penetrationsstudien verglichen. Die Konzentrationen der beiden Wirkstoffe in normaler menschlicher Haut waren ähnlich nach Applikation von Elidel 1 % und Protopic 0,1 %. Die Applikation von Protopic 0,03 % führte zu 2fach niedrigeren Hautspiegeln. Die Permeationsrate von Pimecrolimus aus der 1%igen Créme lag etwa 6fach niedriger als die von Tacrolimus aus der 0,1%igen Salbe und um einen Faktor 4,3 niedriger im Vergleich zu Tacrolimus aus Protopic 0,03 %.
In weiteren Studien wurde die Permeabilität von normaler, entzündeter und mit Kortikosteroiden vorbehandelter Schweinehaut für Pimecrolimus und Tacrolimus in vitro verglichen. Eine Entzündung wurde mit dem Kontaktirritans Natriumlaurylsulfat induziert. Kurzzeitige Vorbehandlungen wurden mit 1 % Hydrocortison, 0,1 % Mometason oder 0,05 % Clobetasol-17-butyrat durchgeführt, da Pimecrolimus und Tacrolimus oft als empfohlene Behandlung nach Applikation von Steroiden in der atopischen Dermatitis eingesetzt werden und weil Kortikosteroide die Barrierenfunktion der Haut beeinträchtigen können. Während die Irritans-Kontaktdermatitis die Spiegel der zwei Wirkstoffe in der Schweinehaut nicht erhöhte, führte eine Beeinträchtigung der Barrierenfunktion aufgrund der Entzündung zu dem Fehlen einer Latenzzeit bei der Permeation und zu deutlich höheren Permeationsraten. Die Permeationsrate von Pimecrolimus war jedoch niedriger als die von Tacrolimus; so lagen die Konzentrationen von Pimecrolimus in der Rezeptorphase nach 24 Stunden 2,8fach unter denen von Tacrolimus. Verglichen mit normaler Haut wurde kein signifikanter Effekt der Vorbehandlung mit Steroiden auf die Spiegel von Pimecrolimus und Tacrolimus in der Haut festgestellt. Die Permeation war jedoch um einen Faktor 3,6 (Pimecrolimus) und 1,7 (Tacrolimus) erhöht. In normaler Schweinehaut lag die Permeationsrate von Tacrolimus 11,2fach höher als die von Pimecrolimus, und immer noch 3,5- bis 7,1fach höher in Kortikosteroid-vorbehandelter Haut, unabhängig von der Potenz des verwendeten Steroids.


Die vorliegenden In-vitro-Daten verdeutlichen, dass die Permeation von Pimecrolimus durch normale, erkrankte oder mit Steroiden vorbehandelte Haut niedriger ist als die von Tacrolimus. Deshalb kann eine niedrigere systemische Exposition mit dem Wirkstoff in mit Elidel 1 % behandelten Patienten erwartet werden, verglichen mit Protopic 0,1 % behandelten Patienten. In der Tat bestätigen jüngste vergleichende klinische Studien an Patienten mit atopischer Dermatitis diese Vorhersage.

Dr. Andres Billich


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Matthias Bräutigam

Wirksamkeit von Pimecrolimus in der Lokaltherapie des atopischen Ekzems

Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Die Wirksamkeit von Elidel (Pimecrolimus) 1 % Creme wurde in klinischen Studien an etwa 19.000 Patienten weltweit und davon mehr als 2.500 Säuglingen nachgewiesen. Etwa 6 Millionen Patienten haben Pimecrolimus seit der Einführung im März 2002 angewendet.

Die Leitsymptome des atopischen Ekzems, Juckreiz und Schlaflosigkeit, sprechen schnell auf eine Behandlung mit Pimecrolimus-Creme an. Bei erwachsenen Patienten mit mäßig schwerem atopischen Ekzem verbesserte sich der Juckreiz innerhalb von 48 Stunden in 45 % der Patienten im Vergleich zu 17 % in der mit Creme-Grundlage behandelten Kontrollgruppe (p=0,002). Eine signifikante Verbesserung der Schlaflosigkeit konnte bei Säuglingen mit mildem bis sehr schwerem atopischen Ekzem mit Pimecrolimus-Creme innerhalb von drei Behandlungstagen erreicht werden (49 % mit Pimecrolimus im Vergleich zu 26 % mit Creme-Grundlage, p=0,002).

60 – 68 % der Patienten mit überwiegend mildem bis mäßig schwerem atopischen Ekzem blieben unter Pimecrolimus-Behandlung schubfrei, im Vergleich zu 22 – 34 % in der Kontrollgruppe. Unter Pimecrolimus-Behandlung mussten signifikant weniger Patienten topische Steroide als unter Creme-Grundlage anwenden (40 % versus 75 % bei Erwachsenen mit mäßig schwerem atopischen Ekzem), und der Prozentsatz von Tagen mit Steroidbehandlung konnte bei diesen Patienten von 37,0 % auf 9,5 % reduziert werden. Patienten und Eltern von Patienten hatten unter Pimecrolimus eine signifikant verbesserte Lebensqualität im Vergleich zur Creme-Grundlage und zur Standardtherapie.

Auch bei schwerem atopischen Ekzem, für das Pimecrolimus-Creme in der Europäischen Union momentan noch nicht zugelassen ist, kontrolliert Pimecrolimus effektiv die Ekzemsymptomatik bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen. Klinische Daten zeigen auch, dass es nach dem Absetzen der Pimecrolimus-Behandlung nicht zu einem Rebound-Phänomen kommt.

Pimecrolimus reduziert nicht nur die Entzündung, sondern scheint auch die Hauttrockenheit zu mildern, die eine Expression der geschädigten Hautbarrierefunktion bei Patienten mit atopischem Ekzem ist. Eine große Studie mit mehr als 1.000 Säuglingen wurde auf den Weg gebracht, um abzuklären, ob Pimecrolimus-Creme den Grundverlauf der Erkrankung beeinflussen und den atopischen Marsch verhindern kann. Interessanterweise konnte bereits gezeigt werden, dass Pimecrolimus eine protektive Wirkung im Atopie-Patch-Test – einem transkutanen Provokationsmodell mit Aeroallergenen – besitzt.

Mit Pimecrolimus bedeutet eine moderne Therapie des atopischen Ekzems frühe Intervention, dauerhafte Krankheitskontrolle und Reduktion des Steroidverbrauchs.

Dr. Matthias Bräutigam


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 6: Wissenschaftliches Hauptprogramm (Teil 1)

Prof. Dr. Claudia Valenta

Charakterisierung von Phloretin als Penetrationsförderer für die Haut


Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie, Universität Wien

Phloretin kommt in Äpfeln vor und ist ein Polyphenol, das zunächst auf Wechselwirkungen mit Modellmembranen untersucht wurde.

Als einfaches Testsystem wurden bestimmte Lipidvesikel verwendet, bei denen die derzeit bekannten Penetrationsförderer wie Azone, Transcutol oder Ölsäure eine Farbverschiebung von blau nach rot herbeiführen [1]. Zunächst werden blau gefärbte polymerisierte Lipid-Polydiacetylen-Vesikel hergestellt. Diese Vesikel stellen ein vereinfachtes Membranmodell des komplex organisierten Stratum corneum dar [2]. In unserem Fall wurden Dipalmitoylphosphocholin (DPPC) und Dimyristoylphosphocholine (DMPC) als Modelllipide verwendet, um herauszufinden, ob Phloretin eine Wechselwirkung mit diesem interessanten Testsystem bewirkt. Es konnte eine eindeutige Wechselwirkung von Phloretin mit den Modellvesikeln gemessen werden.

Um weitere Aufschlüsse über mögliche Membraninteraktionen zu erlangen, wurden zusätzlich Differential Scanning Calorimetry (DSC) mit DPPC-Liposomen durchgeführt. Dabei wurden Vesikel mit ansteigendem Gehalt an Phloretin hergestellt. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass eine Beimengung von Phloretin eine Verschiebung der Transitiontemperatur zu geringeren Werten bewirkt [3]. Das bedeutet, dass Phloretin wahrscheinlich nicht nur mit der Oberfläche von Membranen interagiert (was durch das Verschieben der Pretransition angedeutet wird), sondern auch mit dem Kern der Bilayer. Somit ist zu vermuten, dass auch die Transitiontemperatur der Haut, die bei 35 °C liegt [4], um einige Grade nach unten verschoben wird. Dadurch würde ein stärker permeables flüssig-kristallines System erzeugt.

Die Modellkomponente Natriumfluorescein wurde verwendet, um die Wirkung von Phloretin auch visuell sichtbar zu machen. Der große Vorteil von Natriumfluorescein ist, dass es ohne chemische Derivatisierung fluoresziert und so ein hervorragendes Modell für die konfokale Lasermikroskopie darstellt [5].

In Vorstudien konnte gezeigt werden, dass eine 12-stündige Vorimprägnierung von Haut mit Phloretin beladenen Liposomen die Permeation von Lidocain wesentlich verbessert [6]. In weiterer Folge wurde ein praktikableres Abgabesystem entwickelt, in dem die Wirkung von Phloretin bestätigt werden konnte [7]. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass neben der Permeationssteigerung auch noch eine signifikant antioxydative Wirkung von Phloretin nachgewiesen werden konnte [8], so dass sich diese Substanz als multifunktioneller Hilfsstoff in dermalen Zubereitungen anbietet.

Danksagung
Wir danken dem Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF P15137) für die finanzielle Unterstützung


Literatur
[1] D. Evrard, E. Touitou, S. Kolusheva, Y. Fishov, R. Jelinek, A new colorimetric assay for studying and rapid screening of membrane penetration enhancers, Pharm.Res. 943-949, 2001

[2] P.W. Wertz, M.C. Miethke, S.A. Long, J.S. Strauss, D.T. Downing, The composition of the ceramides from human stratum corneum and from comedones, J. Invest. Dermatol. 84, 410-412, 1985

[3] B.G. Auner, M.A.A. O’Neill, C. Valenta, J. Hadgraft, Interaction of phloretin and 6-ketocholestanol with DPPC liposomes as phospholipid model membranes., Int.J. Pharm. (in press).

[4] S.J. Rehfeld, P.M. Elias, Mammalian stratum corneum contains physiologic lipid thermal transitions., J.Invest.Dermatol. 79, 1-3, 1982

[5] B.G. Auner, C. Valenta, J. Hadgraft, Influence of phloretin and 6-ketocholestanol on the skin permeation of sodium-fluorescein, J. Contr. Rel. 89, 321-328, 2003

[6] C. Valenta, J. Cladera, P. O’Shea, J. Hadgraft, Effect of Phloretin on the Percutaneous Absorption of Lignocaine across human skin, J.Pharm.Sci. 90, 485-492, 2001

[7] B.G. Auner, C. Valenta, Influence of phloretin on the skin permeation of lidocaine from semi solid preparations, Eur. J. Pharm. Biopharm. 57, 307-312, 2004

[8] B.G. Auner, M. Wirth, C. Valenta, Antioxydative activity and cytotoxicity of four different flavonoids for dermal applications., J.Drug Del.Sci.Technol. (in press).

Prof. Dr. Claudia Valenta


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Constantia Kritsch

Entwicklung und In-vitro-Evaluierung eines neuen bioadhäsiven Arzneistoffapplikationssystems für Clotrimazol in der Scheide

Intercell AG, Wien

Ein Großteil der weiblichen Bevölkerung ist zumindest einmal im Leben mit einer mykotischen Infektion des Vaginaltraktes konfrontiert. 75 % der Frauen haben dabei eine Infektion mit Candida albicans, die in seltenen Fällen auch einen chronischen Verlauf nehmen kann. Da die Therapiemöglichkeiten mit Clotrimazol und anderen Imidazolderivaten relativ eingeschränkt sind, war die Idee dieses Projektes, ihre Wirkung für eine Langzeittherapie zu optimieren.


Aus anderen Gebieten bediente man sich der Idee einer mukoadhäsiven Darreichungsform, die Clotrimazol kontrolliert über einen bestimmten Zeitraum direkt ins Gewebe abgeben soll. Die Zusammensetzung der Vaginalschleimhaut zeichnet sich jedoch durch eine stetige Veränderung aufgrund des weiblichen Zyklus aus. Die Viskosität und der pH-Wert der Schleimhaut unterliegen somit einer ständigen Änderung, die natürlich bei der Optimierung einer mukoadhäsiven Verabreichungsform berücksichtigt werden muss.

Die Grundlage für die mukoadhäsive Darreichungsform ist ein Chitosan-Thioglykolsäure-Konjugat (Chitosan-TGA), welches sich bereits bei anderen mukoadhäsiven Anwendungen als Polymer mit großem Potential erwiesen hat. Aufgrund der Kopplung von Thioglykolsäure erhöht sich die Viskosität von Chitosan (in Lösung) und die Fähigkeit, im gequollenen Zustand an Schleimhäuten zu haften, wird signifikant verbessert.


In dieser Studie wurde eine festgelegte Menge an Clotrimazol (5 mg in einer 30-mg- Tablette) mit zwei verschiedenen Chitosan-TGA-Konjugaten gemischt und zu Tabletten gepresst. Folgende Eigenschaften der Tabletten wurden getestet: Quellverhalten, Zerfallszeit, Anhaftung an Vaginalschleimhaut (Rind) und die kontrollierte Freisetzung von Clotrimazol. In allen Experimenten wurden immer unmodifiziertes Chitosan und konjugiertes Chitosan ohne Clotrimazol als Kontrollen verwendet. Die beiden Chitosan-Konjugate unterschieden sich lediglich in der Anzahl an gebundenen Thiolgruppen (154 versus 285 µM Thiolgruppen pro g Polymer).

Einerseits konnte gezeigt werden, dass sowohl durch die gekoppelten Thiolgruppen als auch durch die Zugabe von Clotrimazol die grundlegenden Eigenschaften des Polymers, wie Zerfall, Quellfähigkeit und Anhaftung, deutlich verbessert werden konnte. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass je mehr Thiolgruppen am Konjugat verfügbar waren, diese Eigenschaften deutlich verbessert werden konnten. Diese verbesserten Eigenschaften konnten auch sehr eindrucksvoll durch die Freisetzung von Clotrimazol gezeigt werden. Je mehr Thiolgruppen vorhanden, desto mehr Clotrimazol wurde frei.

Aufgrund dieser Ergebnisse kann man mit Bestimmtheit sagen, dass dieses Chitosan-Thioglykolsäure-Konjugat ein entscheidender Schritt in Richtung langanhaftende Applikationsform für vaginale Verabreichung geht.

Dr. Constantia Kritsch


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. Wen-Chieh Chen

Expression von Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor- und verwandten Transkriptionsfaktoren in humanen Sebozyten: Arzneiliche Targets der Zukunft?

Dermatologische Abteilung, Chang-Gung Gedächtniskrankenhaus,
Chang-Gung Universität, Kaohsiung/Taiwan


Für die De-novo-Synthese von Lipiden (Sebum) und Steroiden (Androgene) wird von den humanen Talgdrüsen als Ausgangssubstanz Cholesterol verwendet. Die Lipidproduktion und -speicherung ist eng mit der Differenzierung der Sebozyten verbunden. Ähnlich wie bei Adipozyten spielen Transkriptionsfaktoren aus der Familie der nukleären Hormonrezeptoren, nämlich das CCAAT/Enhancer-Binding-Protein (C/EBP) und der Peroxisom-Proliferator-Activated Rezeptor (PPAR), eine wichtige Rolle bei der Zell-Differenzierung.

Alle unterschiedlichen Isoformen der PPARs bilden Heterodimere mit dem 9-cis-Retinsäure-Rezeptor RXR. PPAR-Liganden, vor allem der PPARγ-Agonist Thiazolidinedion, ein synthetisches Antidiabetikum, können sowohl die Adipozyten-Differenzierung und den Glukosestoffwechsel regulieren als auch anti-neoplastisch sowie entzündungshemmend wirken. Die mRNA der Rezeptoren PPAR-α, PPAR-β-δ und PPAR-γ1/-γ;2 konnte in humanen Sebozyten nachgewiesen werden.

Bisher gibt es aber ganz unterschiedliche Ergebnisse zur Aktivierung von PPAR durch bestimmte Liganden in den Testsystemen. Während spezifische Liganden der Rezeptoren PPAR-α und PPAR-γ die Lipogenese in den präputialen Sebozyten der Ratte stimulieren, scheinen sie in der Organkultur die Lipogenese humaner Talgdrüsen zu verhindern. Die Lipogenese weiblicher SZ95-Sebozyten wird von PPAR-α und PPAR-γ Liganden nicht beeinflusst, kann aber durch PPAR-β/-δ-Liganden angeregt werden.

Verwandte Transkriptionsfaktoren wie RXR, Leber-X-Rezeptor-α (LXR-α) und Pregnan-X-Rezeptor (PXR) sind in humanen Sebozyten nachgewiessen worden, jedoch nicht der Farnesoid-X-Rezeptor (FXR). Andererseits kann C/EBP-β die Expression von PPAR-γ aktivieren und ist an der transkriptionellen Regulation des “Steroidogenic-Acute-Regulatory-Proteins (StAR)” beteiligt. Das StAR-Protein steuert den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der Steroidogenese, den Transport von Cholesterol zur inneren Mitochondrienmembran.
Es bleibt aber offen, ob das C/EBP-β die Interaktion zwischen Lipogenese und Androgenese vermitteln kann. Obwohl ein möglicher regulierender Effekt der PPARs auf die Proliferation und Entzündung in Sebozyten die Aknetherapie innovativ beeinflussen könnte, ist es für die Entwicklung einer selektiven und wirksamen Behandlung zunächst sinnvoll, die Untertypen und die Aktivität der PPAR sowohl im normalen als auch im erkrankten Zustand zu charakterisieren.

Prof. Dr. Wen-Chieh Chen


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Thomas Herrling

Messung von UV-induzierten freien Radikalen in der menschlichen Haut

Privatinstitut Galenus GmbH, Berlin

UVA generated free radicals in human skin were measured by ESR (Electron Spin Resonance) spectroscopy and imaging. The short life time of the generated free radicals and reactive oxygen species like •OH-; and L• demands the application of spin traps (nitroxide spin labels) for scavenging and accumulating to get a sufficient signal to Noise ratio.

The ESR spectroscopy and imaging measurements have shown that the free radicals in skin are mainly generated by UVA. Using ESR measurements the protective effect of UVA-filters and antioxidants in the skin could be distinctly detected.

The used microwave frequencies of 9.5 GHz (λ=3 cm) and 3 GHz (λ= 9.5 cm) enable an undisturbed investigation of the whole skin up to the lower dermis in contrast to optical detection methods with λ=350 – 600 nm.
The ESR is a valuable method for the evaluation of the UVA protection capacity of sunscreen products.

Dr. Thomas Herrling


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. Inge Schuster

Selektive Inhibitoren von Vitamin-D-Hydroxylasen: Erfolgversprechende Substanzen zur Therapie proliferativer entzündlicher Hautkrankheiten

Institut für Pharmazeutische Chemie, Universität Wien

Neben seiner primären Funktion in der Calcium-Homöostase spielt der Vitamin-D (VD)- Metabolit 1,25-Dihydroxyvitamin D3 (1,25(OH)2D3) eine bedeutende Rolle in der Kontrolle von Wachstum und Differenzierung verschiedenster Zelltypen. 1,25(OH)2D3 reguliert gebunden an seinen nukleären Rezeptor VDR die Expression zahlreicher Gene– in der Art von Steroidhormonen. Da VDR in praktisch allen Körperzellen vorkommt, sind diese auch Target für die hormonelle Wirkung von 1,25(OH)2D3.

In der Haut blockiert 1,25(OH)2D3 die Proliferation von Keratinozyten und stimuliert deren terminale Differenzierung: eine Aktivität, die in der therapeutischen Wirksamkeit von topisch appliziertem 1,25(OH)2D3 (-Analogon) gegen Psoriasis (einer hyperproliferativen, entzündlichen Hauterkrankung) ihre Entsprechung findet. Keratinozyten sind nicht nur Target für die Wirkung von 1,25(OH)2D3, sondern können das Hormon auch in hohem Maße selbst herstellen, was auf seine autokrine/parakrine Rolle in der Homöostase der Haut hinweist. Die Spiegel an 1,25(OH)2D3 sind allerdings nur kurzlebig, da das Hormon rasch die Expression von CYP24A1 induziert, einem Enzym, das nach wiederholter Hydroxylierung der VD-Seitenkette zu biologisch inaktiven Produkten führt.

Um die Spiegel, Lebensdauer und damit biologische Aktivität des Hormons zu verlängern, haben wir (am Novartis Forschungsintitut, Wien) ein Projekt gestartet, das die selektive Inhibierung des Metabolismus durch CYP24A1 (nicht aber der Synthese durch das nahe verwandte Cytochrom-P450-Enzym CYP27B1) zum Ziel hatte. Die Zielstruktur möglicher Inhibitoren sollte a) einen Azolrest enthalten, um die Verbindung direkt am Haemeisen des Cytochroms zu verankern, b) Seitenketten besitzen, die durch spezifische Wechselwirkungen in der Substrat-Bindungsstelle Selektivität erzeugen sollten.

Insgesamt synthetisierten wir etwa 400 solcher “Azole” und prüften ihr Potenzial zur Inhibierung von VD-Hydroxylasen in primären Kulturen von Humankeratinozyten als geeignetestem Modell. Aus diesen Tests resultierten mehr als 30 selektive, potente Inhibitoren von CYP24 (IC50 < 100 nM), die in nachfolgenden Untersuchungen die angestrebte Erhöhung der Spiegel und Lebensdauer von endogen (aus dem Vorläufer 25(OH)D3) generiertem 1,25(OH)2D3 in Keratinozyten zeigten. Die erhöhte Hormon-Exposition führte zur postulierten starken Potenzierung der hormonellen Wirkung auf die Expression eines Marker-Gens und der antiproliferativen Aktivität.

Selektive CYP24-Inhibitoren können – über die Dermatologie hinaus – in einer weiten Reihe von klinischen Indikationen Einsatz finden. Wir schlagen die Anwendung eines CYP24-Inhibitors vor a) als Einzelsubstanz, um die Spiegel endogener aktiver VD-Metabolite zu stabilisieren, b) als Kombinationspräparat mit einem hochaktiven niedrigdosiertem Vitamin-D-Analogon, das bei therapeutischer Dosierung entweder schwere Nebenwirkungen (Hypercalcämie) erzeugen würde oder auf Grund seiner metabolischen Labilität nur ungenügende Wirkung entfaltet.

Dr. Inge Schuster


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 7: Mittagsseminar 3: Neue interdisziplinäre Ansätze zum Therapiemanagement und zur Prävention der Windeldermatitisie

Prof. Dr. med. Uwe Wollina

Therapiemanagement und Prävention der Windeldermatitis – Ergebnisse eines interdisziplinären Expertenworkshops

Klinik für Dermatologie, Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt

Die Windeldermatitis (WD) des Säuglings- und Kleinkindesalters ist überwiegend Ausdruck einer irritativen Hautentzündung. In einem interdisziplinären Workshop fanden sich Vertreter aus den Fachgebieten Pädiatrie, Dermatologie, Pharmazie sowie Schwestern der Kinderkrankenpflege und Hebammen zusammen, um die Grundzüge der Prävention und Behandlung der WD zu besprechen. Die Besonderheiten der WD liegen in der Wechselwirkung von Stuhl- und Harninkontinenz, anetogenitaler Haut und Windel. Diese Kombination kann ein Milieu erzeugen, welches chronischen Dermatosen den Weg bahnt.

Demzufolge sind in der Prävention der Windeldermatitis Faktoren zu berücksichtigen, die die Hautirritation primär vermindern. Sie werden nach Rautenstein unter dem Begriff der „A-E“-Regel zusammengefasst. Air – Häufiger Windelwechsel mit Trocknung der Babyhaut durchaus an „frischer Luft“. Barriere – Vermeidung potenziell toxischer oder entfettender Substanzen (zum Beispiel alkoholische Lösungen), da die Barrierefunktion ohnehin belastet ist. Cleansing – Reinigung ist nach jedem Stuhlgang erforderlich. Die Substanzen sollten möglichst hautschonend sein, wie klares Wasser. Reinigungstücher mit Tensiden sollten nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Diaper – häufiger Windelwechsel. Education – Elterninformation und Schulung zum Reinigungs- und Pflegeverhalten. Stark okkludierende Salben oder Puder sind zu vermeiden, da sie die Barrierefunktion der Haut nicht unterstützen. Präventionsstudien auf der Neugeborenenstation haben gezeigt, dass die Anwendung einer dexpanthenolhaltigen Salbe hilft, die Häufigkeit einer WD signifikant zu reduzieren.

Die Therapie der WD richtet sich nach ihrer Schwere und Akuität. Antimykotika sind nicht als Mittel der ersten Wahl anzusehen. Grundsätzlich sind mild anti-inflammatorisch wirkende Substanzen zu bevorzugen. Eine frühzeitige Behandlung der Symptome macht häufig den Einsatz von Kortikosteroiden überflüssig. Die Optimierung von Hautreinigung und –pflege ist in der Therapie ebenso wichtig wie in der Prävention.

Prof. Dr. med. Uwe Wollina


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Dr. Erhardt Proksch

Windeldermatitis – Prävention und Behandlung der irritativ-toxischen Schädigung durch Dexpanthenol-haltige Salben

Universitäts-Hautklinik, Christian-Albrechts-Universität, Kiel

Die Windeldermatitis ist auf die irritativ-toxische Wirkung von Urin und Kot unter den okklusiven und feucht-warmen Bedingungen der Windeln zurückzuführen. Häufig beginnt eine Windeldermatitis mit einer bakteriellen Durchfallerkrankung. Gehäufte dünnflüssige Stühle reizen die Haut besonders stark, auch weil die Windeln nicht schnell genug gewechselt werden können. Durch die irritativ-toxische Wirkung von Urin, Kot und Feuchtigkeit wird die Barrierefunktion der Haut geschädigt. Enzyme, Proteasen und Lipasen aus dem Kot dringen in die lebende Epidermis ein und schädigen die Keratinozyten. Es kommt zu einer Entzündung und schließlich zu einer irritativ-toxischen Kontaktdermatitis, auch Kontaktekzem genannt.

Bei Windeldermatitis sollten die Windeln möglichst nach jedem Stuhlgang und jedem Urinieren gewechselt werden. Zur Behandlung eines ausgeprägten Ekzems sollten Kortikosteroide benutzt werden. Bei mäßiger Ausprägung einer Windeldermatitis und zur Prävention sind Behandlungen mit Cremes und Salben gut geeignet. Bei beginnender Erkrankung kann rechtzeitiger Gebrauch die Ausbreitung der Erkrankung stoppen. Durch die abdeckende Wirkung der Salbe wird ein Schutzfilm auf der Haut gegen Urin und Kot aufgebaut und die Hautreinigung nach Verschmutzung wesentlich erleichtert.

In Studien wurde gezeigt, dass ein Zusatz von Dexpanthenol in einer Salbengrundlage, wie er bei der Bepanthen® Wund- und Heilsalbe vorliegt, die Abheilung eines Ekzems und die Regeneration der Haut beschleunigt. Dexpanthenol-haltige Cremes und Salben werden seit Jahren für die Behandlung von Läsionen (oberflächliche Wunden) der Haut und der Schleimhäute benutzt.

Dexpanthenol wird im Gewebe zu Panthothensäure umgewandelt, die eine Komponente des Coenzyms A darstellt. Coenzym A katalysiert den ersten Schritt der Synthese von Fettsäuren und Sphingolipiden. Diese Lipide sind wesentliche Bestandteile der bilamellären Schichten des Stratum corneums als Permeabilitätsbarriere der Haut und auch in der Zellmembran enthalten. Dexpanthenol stimuliert dadurch die Hautregeneration, repariert die Barriere und zeigt zudem eine antientzündliche Wirkung. Eine Dexpanthenol-haltige Salbe ist daher sehr gut zur Prävention und Behandlung der Windeldermatitis geeignet.

nach oben

Prof. Dr. med. Uwe Wollina

Windeldermatitis – Ursachen und klinische Symptomatik

Klinik für Dermatologie, Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt

Die Säuglingshaut ist im Vergleich zur Haut Erwachsener deutlich leichter für exogene Substanzen penetrabel, da die Hornschichtbarrierefunktion erst im postnatalen Leben vollständig ausreift. Die Problemregion mit einer frühkindlichen durch exogene Faktoren bedingten oder verstärkten Hautreizung ist die anogenitocrurale Haut einschließlich der benachbarten Areale (Windelregion). Hier können sich sowohl vorübergehende Reizzustände der Haut entwickeln, aber auch chronische Dermatosen ihren Anfang nehmen.

Definitionsgemäß wird unter dem Terminus Windeldermatitis die meist bei Kindern (auch bei inkontinenten Erwachsenen) im Bereich des Unterbauches, der Anogenital-Region und der Glutäen sowie der proximalen Oberschenkel mit Rötung beginnende, später rhagadiforme, schuppende, papulöse oder erosive Entzündung der Haut verstanden.

Die Irritabilität der Haut zeigt regionäre und altersbezogene Unterschiede. Die regionären Unterschiede sind mikroanatomisch bedingt. Wichtige Faktoren hierfür sind: Haut- und Hornhautdicke, Dichte der Talg- und Schweißdrüsen, Haardichte, Durchblutung und die Expositionsbedingungen. Die wichtigsten vom Kind ausgehenden, aber letztlich exogen wirkenden Faktoren sind Urin und Stuhl. Dabei muss zum einen das direkte hautirritative Potential von anderen Wirkungen auf die Haut unterschieden werden.

Urin führt über seinen Wasser- und Harnstoffgehalt zur Durchfeuchtung der Hornschicht und somit zur einer Quellung des Stratum corneum. Dieser Umstand wird bei okklusiven Windeln ohne Feuchtigkeitsaufnahme in die Windel oder bei Überschreiten der Wasseraufnahmekapazität verstärkt und leistet dann Mazerationen Vorschub.

Im Vergleich zum Urin hat sich Stuhl als wesentlich irritativer herausgestellt, da im Stuhl Enzyme und Mikroorganismen in größerer Menge auftreten. Lipasen und Proteasen sind die bedeutendsten Enzymgruppen. Sie rühren entweder aus dem Pankreas oder von der mikrobiellen Flora des Darmes her. Fäzes plus Urin erhöht dieses Irritationspotential auf das 4 – 5fache. Die verstärkte Irritation ist dabei weniger auf direkte Urinwirkung, sondern auf die Alkalisierung des Hautoberflächen-pH zurückzuführen. Bereits die Okklusion allein erhöhte den Haut-pH bis in den neutralen Bereich. Zusätzlich aktiviert der Urinkontakt die fäkalen Enzyme („Andauung der Haut“). Über den Stuhl erfolgt auch die Kontamination mit Candida-Hefen, die nach Vorschädigung der Haut eine weitere Entzündung verursachen können.

Die Hyperhydratation der Epidermis leistet der Entstehung vom Milaria (an den Schweißdrüsenporen der Haut) Vorschub, was zur Steigerung der Reibung der Haut an der Kleidung respektive Windel führt.

Unter einem ähnlichen klinischen Bild einer Windeldermatitis können sich jedoch verschiedene ätiologisch oder pathogenetisch definierte Erkrankungen verbergen. Risikofaktoren sind neben dem erwähnten Alter auch eine atopische Disposition und der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes. Häufige Krankheitsbilder sind das irritative und atopische Ekzem, die Psoriasis und die streptogenen perinanalen Entzündungen sowie die intertriginöse Candidose. Seltene Erkrankungen bedürfen oftmals einer histologischen Abklärung.

Prof. Dr. med. Uwe Wollina


nach oben

Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 8: Mittagsseminar 4: Efalizumab - Neue Therapieoption bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis

Prof. Dr. Oliver Schöffski

Aktuelle Gesundheitspolitik und Krankheitskosten in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Psoriasis vulgaris

Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg

Das Ziel der Studie war die Ermittlung der Kosten der mittelschweren und schweren Form der chronischen Hautkrankheit Psoriasis vulgaris, definiert mit einem Psoriasis Area Severity Index (PASI) > 12 und/oder einer befallenen Körperoberfläche (body surface area (BSA) > 10 %. Mittels insgesamt 232 versandter Ressourcenerfassungsbögen (Arzt, Patient) sind von sechs niedergelassenen Dermatologen und acht Krankenhausambulanzen eine Anzahl von 184 Patienten dokumentiert worden.

Die betreuenden Ärzte dokumentierten retrospektiv auf Basis der Krankenakte Krankheitsverlauf und damit verbundene medikamentöse und nicht medikamentöse Ressourcenverbräuche, wie Leistungen nach EBM, Einweisungen in Krankenhäuser oder Rehaeinrichtungen und Arbeitsunfähigkeit. Im Patientenbogen dokumentierten 184 Patienten den aus ihrer Perspektive erlebten Krankheitsverlauf inklusive Ressourcenverbräuchen. Dabei wurden die innerhalb eines Betrachtungsjahres angefallenen direkten und indirekten Kosten erfasst. Erstere wurden in ambulante und stationäre Kosten, Patientenkosten und Arzneimittelkosten unterteilt, indirekte Kosten wie Produktivitätsausfälle wurden mit Hilfe des Friktionskostenansatzes ermittelt. Die beiden Fragebögen DLQI und SF 36 dienten schließlich der Quantifizierung der Lebensqualität der Patienten.

Die auf die GKV entfallenden Kosten lagen im Mittel bei insgesamt 4.365,47 € (SD 6.337,27 €), die Gesamtkosten (inklusive Produktivitätsverluste und Eigenleistungen der Patienten) bei mittleren 6.708,52 € (SD 8.007,31 €) pro Patient und Jahr. Die Patienten wurden in drei Subgruppen unterteilt: Die Gesamtkosten waren dabei für High need Patienten (mindestens zwei systemische Therapien nicht angesetzt oder abgesetzt) mit 8.830,95 € (SD 10.069,15 €) am höchsten, während dauerhaft in systemischer Therapie befindliche Patienten einen Mittelwert von 7.148,92 € (SD 7.626,51 €) verursachten und aktuell unter mittelschwerer oder schwerer Psoriasis leidende Patienten ohne systemische Therapie 4.088,29 € (SD 4.776,36 €).

Bei der schweren Form der Psoriasis vulgaris handelt es sich um eine Erkrankung, die mit hohen Kosten für die Krankenkassen, die Patienten und die Volkswirtschaft verbunden ist. Für die Patienten ist der Therapieerfolg trotz dieser hohen Kosten allerdings unbefriedigend.

Prof. Dr. Oliver Schöffski


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Matthias Augustin

Klinische und pharmakoökonomische Erfahrungen mit Biologicals in der Therapie der Psoriasis

Klinik für Dermatologie und Venerologie, Universitäts-Klinik Hamburg-Eppendorf


Die Psoriasis vulgaris gehört in den westlichen Ländern mit einer Prävalenz von 1 – 4 % zu den häufigsten Hautkrankheiten. Während die leichteren Formen der Psoriasis meist mit topischer Therapie und UV-Licht ausreichend behandelbar sind, bedürfen mittelschwere und schwere Formen oftmals der systemischen immunsuppressiven Therapie und der PUVA-Behandlung, teils auch der stationären multimodalen Therapie.

Die Behandlung der Psoriasis hat durch die Einführung der so genannten Biologicals in den letzten Jahren eine wichtige Erweiterung erfahren. Diese Präparate greifen in äußerst selektiver Weise in die Pathogenese der Psoriasis ein und modulieren die T-Zell-vermittelten Immunreaktionen der Haut. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellen die Biologicals Therapeutika der Wahl für so genannte „High-need-Patienten“ mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis dar. Sie sind zulassungsgemäß dann indiziert, wenn die bisherigen Therapiemaßnahmen mit den herkömmlichen Systemtherapeutika und PUVA nicht ausreichend angesprochen haben oder wegen Nebenwirkungen beziehungsweise Kontraindikationen nicht eingesetzt werden können.

Nach klinischer Erfahrung zeigt sich schon wenige Monate nach Markteinführung in Deutschland, dass durch den Einsatz der Biologicals vielen Patienten geholfen werden kann, die die herkömmlichen Systemtherapeutika nicht oder nur unter Inkaufnahme schwerer Nebenwirkungen anwenden konnten. Bei sachgerechter Anwendung haben sich die Biologicals als sehr gut verträglich und vergleichsweise nebenwirkungsarm erwiesen. Die aus klinischen Studien bekannte Response von ca. 30 % – 70 % (PASI 75-Reduktion) findet sich auch in der klinischen Anwendung wieder. Auch Non-Responder auf die Immunsuppressiva sprechen nach eigenen Erfahrungen zum Teil gut auf Biologics an.

Angesichts der im Vergleich zur herkömmlichen Therapie deutlich höheren Arzneimittelkosten ist zu diskutieren, welches Segment der Patienten mit Plaque-Psoriasis zukünftig behandelt werden kann. Schon jetzt lassen sich hierzu folgende Thesen formulieren:

1. Die direkten und indirekten Kosten der Psoriasis sind vergleichsweise hoch. Sie betreffen nicht nur die Kostenerstatter, sondern auch in erheblichem Maße die Volkswirtschaft und die Patienten selbst.

2. Insbesondere die mittelschweren und schweren Formen der Psoriasis gehen mit erheblichen Einbußen an Lebensqualität und ausgeprägten Krankheitsbelastungen einher.

3. Der hohe Leidensdruck rechtfertigt die qualifizierte konsequente Therapie dieser Erkrankung durch geeignete ambulante und gegebenenfalls stationäre Maßnahmen.

4. Die Wirtschaftlichkeit der gewählten Therapieformen ist auch in der Psoriasisbehandlung stets zu beachten. Wirtschaftlichkeit heißt jedoch nicht „Kostenminimierung“, sondern eine verantwortungsbewusste Abwägung zwischen den entstehenden Kosten und dem Nutzen, der allein bei Rückgewinnung einer hohen Lebensqualität schon beträchtlich ist.

5. Diese Verbesserung der Lebensqualität und die Minderung des Leidensdruckes stellen erhebliche Nutzwerte dar, die in einer ökonomischen Gesamtbetrachtung ausdrücklich zu würdigen sind.

6. Innovative Therapeutika, darunter auch die „biologics“, können trotz höherer initialer Kosten durchaus kosteneffektiv sein, da sie günstige Wirksamkeits- und Nebenwirkungsprofile aufweisen, dadurch zur verbesserten Lebensqualität und zu verminderten Folgekosten beitragen. Die notwendigen Daten zur exakten Berechnung der Kosten-Nutzwert-Ratio werden in den nächsten Jahren zu erheben sein.

Prof. Dr. med. Matthias Augustin


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Teil 9: Wissenschaftliches Hauptprogramm (Teil 2)

Professor Dr. med. Eggert Stockfleth

Apoptoseinduktion durch Toll-like-Rezeptoren-7-Agonisten bei Keratinozyten und Fibroblasten in der Gewebekultur

Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Charité, Berlin
unter Mitarbeit von Thomas Meyer, IPM Hamburg


Toll like receptor 7 (TLR7) agonists represent a new group of immune response modifiers including imiquimod and resiquimod (R-848). Topically applied imiquimod was used for the treament of both genital warts and benign and malignant epithelial lesions.

Based on the induction of interferons and other cytokines in vitro and in vivo, regression of epithelial lesions probably depends on induction of both innate and cellular immune responses. Since clinical remission is not always associated with inflammation, other mechanisms may also be involved.

Using two different assays for detection of apoptosis (TUNEL test and gel analysis of DNA fragmentation), we observed induction of apoptosis by imiquimod in human epithelial cell lines (HeLa S3) and keratinocytes (HaCaT, A431 cells), as well as in mouse fibroblasts (McCoy cells). These findings suggest that the mode of action of imiquimod to eliminate virus infected, dysplastic or neoplastic epithelial cells may also include the induction of apoptotic processes.

Professor Dr. med. Eggert Stockfleth


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

PD Dr. med. Julia Welzel

Beurteilung von Änderungen der Struktur und Funktion normaler menschlicher Haut mittels optischer Kohärenztomographie

Klinik für Dermatologie, Klinikum Augsburg

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist eine nichtinvasive Methode zur hochauflösenden Darstellung der Haut. Mit einer axialen und lateralen Auflösung um 4 µm und einer Detektionstiefe von bis zu 1 mm können in den zweidimensionalen Tiefenschnittbildern corneale, epidermale und dermale Strukturen abgegrenzt werden. Neben klinischen Indikationen zur Tumordiagnostik eignet sich OCT insbesondere zur Verlaufskontrolle entzündlicher Hauterkrankungen und zur Quantifizierung von Therapieeffekten.

Systematische Studien haben gezeigt, dass Veränderungen der Dicke der Hornschicht und Epidermis im OCT-Bild objektivierbar sind. Die Zusammensetzung der Dermis beeinflusst Parameter wie Lichtstreuung und -absorption. Somit liefert OCT im Vergleich zu anderen Bioengineering-Methoden zusätzliche Informationen über die Morphologie oberflächlicher Anteile der Haut, die sich insbesondere zum Monitoring von Wundheilung und zur Messung von Steroidatrophie als sehr wertvoll erwiesen haben.

Abb.:
OCT einer experimentellen Wunde. Oben Befund direkt nach Inzision mit zentralem Defekt. Unten nach 18 Tagen. Die Oberfläche ist geschlossen, die Lichtstreuung ist im Zentrum im Bereich des Granulationsgewebes und der frischen Fibrose verstärkt. 6 mm x 1,7 mm.

PD Dr. med. Julia Welzel


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Hans Christian Korting

Das Konzept der evidenzbasierten Kosmetologie

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie,Ludwig-Maximilians-Universität, München

Das europäische Kosmetikrecht sieht seit einiger Zeit vor, dass Wirkkosmetika – sofern sie von einem auf einen bestimmten Stoff ausgerichteten Wirkversprechen begleitet werden – in entsprechender Weise durch experimentelle Untersuchungen dokumentiert sein müssen. Im Alltag ist aber bislang keineswegs gewährleistet, dass entsprechende geeignete Untersuchungen tatsächlich durchgeführt werden, wie sie bei Topika heute angesichts des Zulassungsverfahrens die Regel sind.

Hier setzt das Konzept der evidenzbasierten Kosmetologie an: Bei den Kosmetika mit ausgelobtem Wirkstoff soll in wenigstens einer randomisierten kontrollierten Studie am Menschen gezeigt worden sein, dass die beanspruchte Wirkung bei dem wirkstoffhaltigen Präparat tatsächlich größer ist als bei dem korrespondierenden wirkstofffreien Präparat (Vehikel beziehungsweise „Placebo“) bei adäquater Verträglichkeit.

Konkrete Beispiele für derartige Präparate gibt es bereits. Dies trifft zum Beispiel auf Mittel für lichtgeschädigte Altershaut mit einer speziellen Vitamin C-Zubereitung oder Liponsäure ebenso zu wie auf ein 40%iges Urea-Präparat für Xerosis der Fußsohlen. Auch bei den Mitteln, die in ihrer Zielstellung speziell mit der Körperwahrnehmung zu tun haben, gibt es bereits Beispiele, etwa eine 2%ige Coffein-Liposomen-Creme für Cellulite und eine 0,25%ige Centella asiatica-Extrakt-haltige Creme zur Verhütung von Schwangerschaftsstreifen.

Prof. Dr. med. Hans Christian Korting


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

PD Dr. Oliver Werz (1)

Hyperforin als dualer Inhibitor von Cyclooxygenase-1 und 5-Lipoxygenase

unter Mitarbeit von Dana Albert (1), Christian Feißt (1), Ilse Zündorf (2), Theo Dingermann (2), Walter E. Müller (3) und Dieter Steinhilber (1)

(1) Institut für Pharmazeutische Chemie,
(2) Institut für Pharmazeutische Biologie,
(3) Pharmakologisches Institut, Biozentrum, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Das Acylphloroglucinolderivat Hyperforin ist der hauptsächlich vorkommende lipophile Bestandteil der Pflanze Hypericum perforatum (Johanniskraut), die traditionell in der Volksmedizin zur topischen Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen, Verbrennungen und schlecht heilenden Wunden angewandt wird.

Als molekulare Basis für diese antiinflammatorischen Eigenschaften fanden wir, dass Hyperforin die Bildung von Eikosanoiden durch Hemmung der 5-Lipoxygenase (5-LO) und Cyclooxygenase-1 (COX-1) in vivo und in vitro supprimiert. Sowohl COX-1 als auch 5-LO sind Schlüsselenzyme der Arachidonsäurekaskade, die zur Bildung bioaktiver Lipidmediatoren führt, welche zu entzündlichen Erkrankungen in verschiedenen Geweben beitragen.

In Thrombin- oder Ionophor-stimulierten menschlichen Thrombozyten hemmt Hyperforin die COX-1-Produktbildung mit einem IC50 Wert von 0,3 bzw. 3 µM und ist damit etwa 3- bis 18fach potenter als Aspirin. Bei ähnlichen Konzentrationen wird die COX-1 Aktivität in zellfreien Systemen gehemmt. Die COX-2 wird dagegen von Hyperforin nicht inhibiert. In menschlichen polymorphkernigen Leukozyten (PMNL) hemmt Hyperforin die 5-LO-Produktbildung mit einem IC50 Wert von 1,2 µM und ist somit mit dem bekannten 5-LO-Inhibitor Zileuton (IC50 = 0,5 bis 1 µM) fast äquipotent.

Experimente mit gereinigter humaner 5-LO zeigen, dass Hyperforin ein direkter 5-LO-Inhibitor (IC50 = 90 nM) ist. Detaillierte Untersuchungen des molekularen Wirkmechanismus der 5-LO legen nahe, dass Hyperforin seine inhibitorischen Effekte über eine putative Phospholipidbindungsstelle innerhalb der C2-Domäne der 5-LO vermittelt, was eine neue Strategie für die pharmakologische Intervention mit der 5-LO darstellt.

Zusammenfassend fungiert Hyperforin als dualer Inhibitor der 5-LO und COX-1, sowohl in intakten Zellen als auch in zellfreien Systemen, was therapeutisches Potential bei entzündlichen und allergischen Erkrankungen impliziert, die mit Eikosanoiden in Verbindung stehen.

PD Dr. Oliver Werz


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Werner Aberer

Klinische Bedeutung einfach positiver Epikutantest-Reaktionen auf Lanolinalkohol


Universitäts-Hautklinik, Medizinische Universität Graz

Wollwachsalkohole (Lanolin) finden breite Verwendung in verschiedenen Kategorien von Kosmetika und topischen Dermatika, aber auch in Haushaltsprodukten – wie Möbelpolituren und Schuhcremes, in Kühlschmierstoffen, in Leder und Pelzen, Textilveredelungsmitteln, in Papieren und Druckfarben, in selbstklebendem Pflaster, in Schmiermitteln zum Aufziehen von Autoreifen, usw.

So groß ihre Bedeutung somit in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens ist, so umstritten ist auch ihre Relevanz als Allergen. Manche namhafte Autoren stellen ihre sensibilisierende Wirkung in Abrede, was überraschend erscheinen mag im Hinblick auf den Stellenwert von Wollwachsalkoholen in den Allergenhitlisten: Dort nehmen sie einen führenden Platz ein, mit einer Sensibilisierungsquote um 4 %, und die Sensibilisierungsraten steigen weiter.

In den Daten des IVDK aus den Jahren 2001 bis 2003 an 25.735 Testpatienten reagierten 6,8 % auf 30 % Lanolinalkohol. 1,9 % der Ergebnisse wurden als fraglich gewertet und 0,1 % als irritativ. Von den positiven erhielten nur 0,1 % eine Bewertung mit stark positiv (+++) beziehungsweise 1,0 % deutlich positiv (++); aber 3,6 % reagierten nur schwach positiv (+). Und diese einfach positiven Reaktionen stellen tatsächlich ein Problem dar: Aufgrund der Datenlage (Altersverteilungen, MOAHLFA, etc.) des IVDK kann gesagt werden, dass zwei- und dreifach positive Reaktionen mit ziemlicher Sicherheit eine echte allergische Reaktion anzeigen, während unter den einfach positiven Reaktionen sehr wahrscheinlich ein nicht unerheblicher Anteil falsch positiver (irritativer) Reaktionen ist. In einer Studie an 50 Patienten, die im Epikutantest nur eine einfach positive Reaktion aufwiesen, wurde mit einer wollwachshaltigen Pflegesalbe ein modifizierter Gebrauchstest (ROAT) durchgeführt. Dabei zeigten 42 Patienten keine Reaktion, nur 16 % reagierten positiv. Und tatsächlich hatten diese 42 Patienten in weiterer Folge bei der Applikation von lanolinalkoholhaltigen Hautpflegeprodukten auf nicht ekzematöser Haut keine Probleme.

Resümee: Im Epikutantest schwach positive Reaktionen auf Wollwachsalkohole sind häufig; meist weisen diese keine klinische Relevanz auf. Bedeutend dabei sind:

  • der Applikationsort (ekzemfrei, nicht okklusiv – cave: Ulcus cruris-Patienten)
  • die Zubereitung (Wollwachsalkohole, Amerchol L 101, Acetulan, Lanolin, usw.); „Lanolin ist nicht gleich Lanolin!“
  • die Intensität der Testreaktion (+ meist irrelevant, ++ oder +++ meist relevant).

Die Interpretation einer „Lanolinalkoholallergie“ muss somit differenziert erfolgen. Ein ROAT beziehungsweise Gebrauchstest sind meist zu empfehlen, bevor unkritich ein Allergiepass auf diese sehr wichtige Substanzgruppe ausgestellt wird.

Literatur:

  • Kligman AM, The myth of lanolin allergy. Contact Dermatitis 39, 103-107, 1998
  • Trummer M et al., Clinical relevance of + patch test reactions to lanolin alcohol. Contact Dermatitis 46, 118, 2002

    Prof. Dr. med. Werner Aberer


    nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Prof. Dr. med. Matthias Schmuth

Neuere Aktivatoren für nukleäre Hormonrezeptoren: Perspektiven in der Dermatotherapie

Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Innsbruck

Nukleäre Hormonrezeptoren wurden durch spezifische Liganden aktiviert und modulieren im Zellkern die Aktivität von Genen. Zu den nukleären Hormonrezeptoren gehören neben den klassischen Hormonrezeptoren (Glukokorticoid-, Mineralokortikoid-, Östrogen-, Progesteron- und Androgen-Rezeptoren) weitere aus der dermatologischen Therapie bekannte Zielstrukturen, die Retinoid-Rezeptoren (RAR, RXR) und der Vitamin D-Rezeptor (VDR). Letztere wirken nach ihrer Aktivierung durch Liganden in Verbindung mit dem Retinoid X-Rezeptor (RXR) auf Schlüsselgene der Signaltransduktion, der Proliferation, der Differenzierung, des Zelltods und der Entzündung. Da sich die pharmakologische Manipulation mehrerer Mitglieder dieser Molekülfamilie bereits in der dermatologischen Therapie bewährt hat, sind neue Mitglieder dieser Rezeptorfamilie, darunter die Peroxisome-Proliferator-Activated-Rezeptoren (PPAR) und die Liver X- Rezeptoren (LXR) vielversprechende therapeutische Zielstrukturen.

Bevor sie ihre Wirkung ausüben können, werden nukleäre Hormonrezeptoren durch Liganden aktiviert. Zu den körpereigenen, natürlichen Liganden gehören Lipide, welche im Falle der klassischen Hormonrezeptoren üblicherweise eine Steroidstruktur aufweisen. Die neueren Mitglieder der Rezeptorfamilie hingegen werden vielfach durch nicht-steroidale, lipophile Substanzen aktiviert. Zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung von PPAR und LXR waren ihre Liganden zunächst nicht bekannt, was ihnen den Beinamen “Waisenrezeptoren” (Orphan Receptors) eingetragen hat. Die Tatsache, dass Hormonrezeptoren heutzutage auf der Basis von DNA-Sequenzvergleichen vor ihren Liganden beschrieben werden, prägte den Begriff der reversen Endokrinologie.

Es wird angenommen, dass jeder Rezeptor distinkte Signaltransduktionswege reguliert und dass die Richtung der Regulation zusätzlich durch die Wahl des Liganden gesteuert werden kann. Entsprechend zeichnen sich die verschiedenen Rezeptoren durch differenzielle Wirkprofile und damit auch Nebenwirkungsprofile aus, die für die dermatologische Therapie nutzbar gemacht werden können.

Prof. Dr. med. Matthias Schmuth


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

Dr. med. Paul-G. Sator

Objektive Charakterisierung der lichtbedingten Hautalterung mittels hochfrequentem Ultraschall bei PUVA-behandelten Psoriasispatienten

Dermatologie, Krankenhaus Lainz & Universität Wien, Allgemeines Krankenhaus, Wien

Hintergrund:
Die Hautalterung kann in intrinsische (chronologische) und in lichtbedingte (photoageing) Hautalterung eingeteilt werden. Photoageing stellt einen zusätzlichen UV-bedingten Schaden des Alterungsprozesses dar.

Ziel: Das Ziel der Studie war, mögliche Unterschiede zwischen der Haut von Patienten mit Photochemotherapie (PUVA) und unbehandelten Gesunden mittels eines Hochfrequenzultraschalls aufzuzeigen.

Methode: 124 freiwillige Personen (21 – 88 Jahre, Median 52 Jahre, 62 Frauen und 62 Männer), 62 PUVA behandelte Patienten mit Psoriasis vulgaris und 62 Gesunde als Kontrolle wurden in die Studie eingeschlossen. Die Hautdicke und ein so genanntes “subepidermal low-echogenic band” (SLEB), ein Parameter für einen UV-Schaden, wurden an 12 verschiedenen Körperstellen gemessen.

Ergebnisse:
Die Haut von Frauen ist dünner als die von Männern. Die Hautdicke von PUVA behandelten Patienten nimmt mit dem Alter vermehrt ab im Vergleich zu den Kontrollpatienten. Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Auftreten von SLEB und PUVA-Therapie bei Psoriasispatienten.

Zusammenfassung: Eine Langzeitbehandlung von Psoriasispatienten mit PUVA führt zu einer vermehrten Verdünnung der Haut im Vergleich zu gleichaltrigen Kontrollprobanden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Ultraschall eine geeignete Methode zur Untersuchung der Auswirkungen einer PUVA-Therapie auf die Hautalterung darstellt.

Dr. med. Paul-G. Sator


nach oben

Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie
Fotos: GD Gesellschaft für Dermopharmazie