Duftstoffallergie

Duftstoffe sind nach Nickel die häufigsten Auslöser von Kontaktallergien und führen bei sensibilisierten Personen zu einer allergischen Kontaktdermatitis. Dabei handelt es sich um eine Spättyp-Allergie: Die Reaktion tritt nicht beim Erstkontakt auf, da das Immunsystem über Monate oder Jahre regelmäßigen Kontakts unbemerkt allergenspezifische T-Gedächtniszellen bildet. Ist die Sensibilisierung einmal etabliert, manifestiert sich die allergische Hautreaktion typischerweise mit einer zeitlichen Verzögerung von 24 bis 72 Stunden nach dem Kontakt. Die Symptome reichen von scharf begrenzten Rötungen, Ödemen (Schwellungen) und starkem Juckreiz bis hin zu nässenden Bläschen und Schuppung. Frauen sind statistisch häufiger betroffen als Männer; ein erhöhtes Expositionsrisiko besteht zudem in Berufsfeldern wie dem Gesundheitswesen, dem Friseurhandwerk und der Kosmetik. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass „natürliche“ Inhaltsstoffe verträglicher seien als synthetische Verbindungen. Pflanzliche ätherische Öle (wie Lavendel-, Zitrus- oder Teebaumöl) sind jedoch hochkomplexe Gemische, die erhebliche Mengen an potenten Duftstoffallergenen enthalten. Zur Diagnosestellung wird beim Hautarzt ein Epikutantest (Pflastertest auf dem Rücken) durchgeführt. Standardmäßig wird mit dem Duftstoffmix I (einer Mischung

aus sieben Reinsubstanzen und einem Pflanzenextrakt) sowie dem moderneren Duftstoffmix II getestet; gemeinsam erfassen beide Testreihen etwa 70 bis 80 % aller Duftstoffsensibilisierungen. In der EU unterliegen Duftstoffe strengen Regularien. Besonders potente Allergene wie Lyral (HICC) und Lilial wurden aufgrund ihres hohen Risikopotenzials von der EU inzwischen vollständig verboten. Um Allergikern die gezielte Vermeidung zu erleichtern, müssen bekannte Duftstoffallergene namentlich einzeln in der Liste der Inhaltsstoffe genannt werden, sobald sie eine bestimmte Konzentration überschreiten: bei Leave-on Produkten (Cremes, die auf der Haut bleiben), ab 0,001 %, bei Rinse-off-Produkten (abwaschbaren Produkten wie Duschgel) ab 0,01 %. Inzwischen müssen insgesamt 81 besonders allergene Duftstoffe einzeln deklariert werden. Für Betroffene ist in der Beratungspraxis die genaue Auslobung entscheidend: Nur Produkte, die ausdrücklich als „parfumfrei“ oder „duftstofffrei“ deklariert sind, schließen Duftstoffe und ätherische Öle verlässlich aus, während Hinweise wie „ohne synthetische Duftstoffe“ oder „hypoallergen“ keinen Schutz vor natürlichen Duftstoffallergenen garantieren.