Akne vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Talgdrüsenfollikel und zählt mit einem Anteil von knapp einem Fünftel aller dermatologischen Konsultationen weltweit zu den häufigsten Hauterkrankungen. Neben Gesichts- und Dekolletébereich kann auch der Rücken beteiligt sein. Der Pathogenese liegt ein multifaktorielles Geschehen zugrunde: eine hormonell – insbesondere durch Dihydrotestosteron getriggerte – Talgüberproduktion, eine Verhornungsstörung im Talgdrüsengang mit Verstopfung der Poren (Komedonenbildung) sowie Entzündungsreaktionen. Nach heutigem Forschungsstand ist dafür nicht ausschließlich eine zu hohe Menge an Bakterien (Cutibacterium acnes) verantwortlich, sondern additiv ein Ungleichgewicht der Hautflora (Dysbiose): Bestimmte Unterstämme des Bakteriums gewinnen die Überhand über die nützlichen, schützenden Hautmikroben. Diese entzündungsfördernden Stämme bilden widerstandsfähige Schutzfilme (Biofilme) und aktivieren das körpereigene Immunsystem bereits im mikroskopisch kleinen Vorstadium der Pore, was die sichtbare Entzündungskaskade in Gang setzt.
Klinisch erfolgt die Einteilung in drei Hauptstadien: Die milde Acne comedonica ist durch offene und geschlossene Komedonen (Mitesser) ohne ausgeprägte Entzündungszeichen gekennzeichnet. Die mittelschwere bis schwere Acne papulopustulosa weist entzündliche Papeln und Pusteln sowie Komedonen auf. Die schwere Verlaufsform, Acne conglobata, ist durch tiefsitzende, schmerzhafte entzündliche Knoten, Pseudozysten, abszedierende Fistelgänge und ein massives Vernarbungsrisiko geprägt. Unter dem Begriff Acne excoriée („Knibbelakne“ oder Skin Picking Disorder) versteht man das Erscheinungsbild einer meist sehr leichten Akne, das durch Interventionen der Patienten getriggert wird. Die Akne inversa oder auch Hidradenitis suppurativa ist eine spezielle Form, die hier nicht behandelt wird.
Therapeutisch erfordert Akne einen frühzeitigen, multimodalen Ansatz, der mehrere Entstehungsmechanismen gleichzeitig adressiert. In Deutschland datiert die AWMF-Leitlinie aus dem Jahr 2016 und gilt formal als veraltet; modernere europäische (EDF) und internationale Leitlinien fordern im Sinne des Antibiotic Stewardship den strikten Verzicht auf topische Antibiotika-Monotherapien und setzen primär auf wirksame Kombinationen (z. B. Retinoide plus Benzoylperoxid oder Antibiotika plus Benzoylperoxid), sowie neu Clascoteron Monotherapie oder orale Systemtherapien (wie Antibiotika oder Isotretinoin bei schweren Formen). Da medizinische Wirkstoffe die Haut austrocknen und reizen können, ist eine dermopharmazeutische Begleitpflege mit milden, seifenfreien Syndets sowie nicht-komedogenen, feuchtigkeitsspendenden und barriereprotektiven Formulierungen unverzichtbar. Ein fachärztliches dermatologisches Management ist zwingend bei nodulären Formen, beginnender Narbenbildung, Therapieresistenz nach 12 Wochen sowie bei Hinweisen auf eine hormonelle Genese (z. B. Hirsutismus, Zyklusstörungen, Verdacht auf PCOS) erforderlich.