Neben seltenen Ursachen für Haarausfall unterscheidet man drei häufige Formen von Haarausfall: den diffusen Haarausfall (Alopecia diffusa), den erblich bedingten Haarausfall (Alopecia androgenetica) und den kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata).
Beim diffusen Haarausfall kommt es zu einer gleichmäßigen Ausdünnung des gesamten Haares. Mögliche Ursachen sind Medikamente, Systemerkrankungen, hormonelle Veränderungen (z. B. nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren), Stress sowie Mangelzustände, etwa an Eisen, Zink oder Biotin.
Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Form. Ursächlich ist eine genetisch bedingte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT), einem Stoffwechselprodukt des Testosterons, das die Haarwurzel schrittweise schrumpfen lässt. Bei Männern beginnt er typischerweise mit Geheimratsecken und einer Kahlstelle am Hinterkopf, wobei sich bei Frauen vor allem die Scheitelregion lichtet, ohne dass es zu vollständiger Kahlheit kommt. Als lokale (topische) Behandlung stehen Minoxidil-Lösungen oder -Schäume zur Verfügung. Seit einigen Jahren ist Minoxidil in niedrigen Dosierungen auch als orales Präparat verfügbar, das in bestimmten Fällen ärztlich eingesetzt wird. Für Männer steht zusätzlich Finasterid zur Verfügung, ein Wirkstoff, der die Umwandlung von Testosteron in DHT hemmt und so den Haarausfall bremst. Bei unzureichendem Ansprechen auf medikamentöse Therapien kann ergänzend eine Haartransplantation in Betracht gezogen werden.
Der kreisrunde Haarausfall beruht auf einer Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem die eigene Haarwurzel angreift. Die Verläufe sind sehr unterschiedlich und reichen von einzelnen kahlen Stellen bis zum vollständigen Haarverlust. Gerade bei begrenztem Befall kommt es teilweise zur spontanen Ausheilung. Seit 2023 stehen in der EU mit Baricitinib und Ritlecitinib zwei JAK-Inhibitoren als erstmals spezifisch für schweren kreisrunden Haarausfall zugelassene systemische Therapien zur Verfügung, wobei Ritlecitinib auch für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen ist.