Warzen/ Verrucae

Warzen (Verrucae) sind gutartige Wucherungen der Oberhaut, die durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden; weltweit sind rund 10 % der Bevölkerung betroffen, wobei Kinder und Jugendliche die höchste Prävalenz aufweisen. Klinisch unterscheidet man mehrere Formen: die gewöhnliche Warze (Verruca vulgaris) als raue, blumenkohlartige Verhornung meist an Händen und Fingern, die flache Warze (Verruca plana) vor allem im Gesicht sowie die Dornwarze (Verruca plantaris) an den druckbelasteten Fußsohlen, die tief in das Gewebe wächst und charakteristische schwarze Pünktchen zeigen kann.
Genitalwarzen (Condylomata acuminata) werden durch sexuell übertragene HPV-Typen (vor allem HPV 6 und 11) hervorgerufen und stellen ein eigenständiges medizinisches Krankheitsbild dar.
Streng abzugrenzen sind sogenannte „Alterswarzen“ (seborrhoische Keratosen), die rein altersbedingt, nicht infektiös und völlig unabhängig von HPV sind, sowie Dellwarzen (Mollusca contagiosa), die durch Pockenviren verursacht werden und vorwiegend bei Kindern oder Immunsupprimierten Menschen auftreten
Die Übertragung der infektiösen Verrucae erfolgt durch direkten Hautkontakt oder indirekt über kontaminierte Oberflächen (wie Schwimmbäder, Saunen oder Gemeinschaftsduschen). Da HPV keine Zerstörung der Wirtszellen bewirkt, „übersieht“ das körpereigene Immunsystem die Infektion oft über längere Zeit. Bei immunkompetenten Personen heilen Warzen jedoch häufig innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst ab, sobald das Immunsystem die Virusantigene erkennt, weshalb bei beschwerdefreien Befunden ein abwartendes Beobachten (Watchful Waiting) eine vertretbare Option ist. Zur gezielten Prävention sollten in Nassbereichen stets Badeschuhe getragen, die Füße sorgfältig abgetrocknet sowie Handtücher und Nagelfeilen nicht mit anderen Personen geteilt werden.
Zur Selbstmedikation gilt die lokale Kombination aus Salicylsäure und Milchsäure in einer filmbildenden Kollodium-Matrix (Warzenlack) oder als wirkstoffhaltiges Pflaster als First-Line-Therapie. Nach vorherigem Aufweichen im warmen Wasserbad und vorsichtigem Abtragen der Hornschicht wird der Lack über mehrere Wochen täglich aufgetragen; die hornlösende Wirkung induziert zudem einen lokalen Reiz, der die Immunantwort aktiviert. Eine wichtige Alternative oder Ergänzung ist die Kryotherapie (Vereisung): Während frei verkäufliche Vereisungsprodukte aus der Apotheke auf Kältemittelgemischen (ca. -50 bis -60 °C) basieren, erzielt die fachärztliche Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff (-196 °C) eine deutlich tiefere Gewebenekrose. Bei therapieresistenten Warzen stehen ärztliche Verfahren wie Trichloressigsäure, Lasertherapien, photodynamische Therapie (PDT) oder topisches 5-Fluorouracil zur Verfügung. In der pharmazeutischen Beratung ist bei keratolytischen Externa auf strenge Kontraindikationen zu achten: Keine Selbstanwendung bei Diabetes mellitus oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) an den Füßen, keine Anwendung im Gesicht oder Genitalbereich sowie der konsequente Schutz der gesunden Umgebungshaut (z. B. mit Vaseline oder Zinkpaste).