Urea ist ein Arznei- und Pflegestoff, der auch als Bestandteil des Natural Moisturizing Factor (NMF) rund 7 % des körpereigenen Feuchthaltesystems im Stratum corneum ausmacht und gemeinsam mit Aminosäuren, Lactat und Pyrrolidoncarbonsäure (PCA) den Wasserhaushalt der Epidermis reguliert. Die dermopharmazeutische Wirkung von Urea ist strikt konzentrationsabhängig: In niedrigeren Konzentrationen bis etwa 10 % agiert Harnstoff als hochwirksames Humectans. Er bindet hygroskopisch Wasser in den Korneozyten (Hornzelle der Oberhaut), senkt den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und entfaltet zudem ab ca. 5 % einen spürbar juckreizlindernden Effekt. Darüber hinaus stimuliert Urea auf molekularer Ebene die Expression epidermaler Strukturproteine sowie körpereigener antimikrobieller Peptide und stärkt so aktiv die Barrierefunktion. Mit steigender Konzentration tritt ein keratolytischer Wirkmechanismus in den Vordergrund: Ab 10 % spaltet Urea Wasserstoffbrückenbindungen in Keratinmolekülen auf und lockert den interzellulären Zement zwischen den Hornzellen, wodurch sich verdickte Hornschichten schonend ohne mechanische Reizung ablösen.
Während Konzentrationen von 2 bis 5 % vor allem bei trockener, empfindlicher Gesichtshaut und seniler Xerosis (Alterstrockenheit) eingesetzt werden, sind 5 bis 10 % der Standard bei chronischer Trockenheit, atopischem Ekzem/ Neurodermitis, Psoriasis, Reibeisenhaut (Keratosis pilaris) und dem diabetischen Fußsyndrom. Höhere Konzentrationen von 10 bis 20 % dienen der gezielten Entschuppung hartnäckiger Hyperkeratosen und Rhagaden an Fersen oder Händen, während hochdosierte Zubereitungen mit 40 bis 50 % stark proteolytisch wirken und der schonenden chemischen Nagelablösung bei Onychomykose (Nagelpilz) vorbehalten sind. Zu beachten ist das sogenannte „Smarting-Phänomen“: Auf akut entzündeter, nässender oder stark erodierter Haut kann Urea ein unangenehmes Brennen und Stechen verursachen. Bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei akut geschädigter Hautbarriere sollte Harnstoff daher vermieden und auf reizfreie Feuchthaltemittel wie Glycerin ausgewichen werden.
In der Kombinationstherapie wird Urea als Penetrationsförderer geschätzt, da es das Eindringen begleitender Arzneistoffe (z. B. Glukokortikoide) in tiefere Hautschichten verbessert. Dadurch lässt sich dieselbe therapeutische Wirksamkeit schon mit einer geringeren Wirkstoffkonzentration und entsprechend weniger Nebenwirkungen erreichen.