4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 24. Mai 2000 in Freiburg
Pressetexte
Kurz
und bündig – Neuigkeiten von der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie
Neues
Haarwuchsmittel ab September auf dem Markt
Kortisonfreie
Behandlung entzündlicher Hautkrankheiten
Auch
auf eine schonende Hautreinigung kommt es an
Hautmodelle
simulieren Untersuchungen am Menschen
Kosmetische Wirkstoffe schützen vor Hautalterung
Pressefotos
Hilfe
gegen Glatze
Kosmetikforschung
Wirkstoffe
gegen Falten
Die Gesprächspartner bei der Pressekonferenz waren:
Priv. Doz. Dr.
med. Hans Wolff (Dermatologische Klinik und Poliklinik der Ludwigs-Maximiliams-Universität
München)
Prof. Dr. med. Ulrich Paul Simon
Mrowietz (Dermatologische Klinik der Universität Kiel)
Dr.
Joachim Kresken (Apotheker in Viersen und Vorsitzender der GD)
Dr.
Thomas Förster (Henkel KGaA, Düsseldorf)
Ursula
Kindl (Apothekerin in Baldham und Vorstandsmit-glied der GD)
Moderation:
Kaspar Müller-Bringmann (Medienbüro Müller Bringmann)
Neues Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall
Ein neues Arzneimittel zur örtlichen Behandlung der androgenetischen Alopezie, des erblich bedingten Haarausfalls, stellte Privatdozent Dr. med. Hans Wolff von der Dermatologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München anlässlich der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 23. und 24. Mai in Freiburg vor. Regaine® Lösung heißt das Präparat, das in Deutschland ab September auf Rezept erhältlich sein wird und den Wirkstoff Minoxidil in fünfprozentiger Konzentration enthält. Das Anwendungsgebiet des Präparates wird zunächst auf die androgenetische Alopezie des Mannes beschränkt sein. Wie Wolff in Freiburg ausführte, unterscheide sich das neue Haarwuchsmittel von anderen örtlich anwendbaren Präparaten vor allem dadurch, dass seine Wirksamkeit in zahlreichen plazebokontrollierten Doppelblindstudien eindeutig nachgewiesen worden sei. Obwohl Minoxidil eine blutdrucksenkende Substanz sei, werde der Blutdruck durch das Präparat nicht signifikant beeinflusst
Kortisonfreie Behandlung von Hautentzündungen
Bereits seit Jahrhunderten werden Gerbstoffe zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt. Früher waren es ausschließlich Gerbstoffe natürlichen Ursprungs, zum Beispiel Rindenextrakte, inzwischen wurden sie weitgehend von chemisch klar definierten, synthetisch hergestellten Gerbstoffen abgelöst. Zu den Einsatzgebieten zählen leichte Formen von Ekzemerkrankungen, Hautreizungen wie Sonnenbrand, Windpocken und Gürtelrose, nässende Dermatosen sowie die Wundbehandlung vor allem im genito-analen Bereich. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zur Aufklärung der Wirkmechanismen des synthetischen Gerbstoffs Tamol PP haben gezeigt, dass „gerbende“ Eigenschaften nur durch sehr hohe, arzneilich nicht gebräuchliche Konzentrationen erreicht werden. Wie Professor Dr. med. Ulrich Mrowietz, Dermatologe an den Universitätskliniken in Kiel, erläuterte, sei ihre wichtigste Wirkung die Hemmung proteolytischer Enzyme, die bei entzündlichen Reaktionen der Haut eine Rolle spielten. Zudem hätten jüngste Untersuchungen gezeigt, dass Tamol PP die stimulierte Freisetzung von Histamin aus humanen Mastzellen hemme. Diese Eigenschaft könne die klinische Beobachtung des juckreizstillenden Effekts der synthetischen Gerbstoffe erklären und untermauere den Stellenwert dieser Substanzen als kostisonfreie Alternativen für die Behandlung leichterer Formen entzündlicher Hautkrankheiten..
Hautschutz am Arbeitplatz muss intensiviert werden
Die Haut ist am Arbeitsplatz zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Durch regelmäßigen Kontakt zu potentiell hautreizenden oder allergisierenden Arbeitsstoffen kann es insbesondere an den Händen zu einer Schädigung der Hautbarriere und als Folge hiervon zum Auftreten von Ekzemen kommen. Der Vorsitzende der Gesellschaft für Dermopharmazie, Apotheker Dr. Joachim Kresken, berichtete von Berechnungen, wonach durch berufsbedingte Hauterkrankungen allein in Deutschland jährlich Kosten von über einer Milliarde Mark entstehen, die auf Arbeitgeber, Unfallversicherungsträger und Krankenkassen entfielen. Bei den Betroffenen könne es zu erheblichen sozialen Problemen, bedingt durch Arbeitsplatzverlust oder Umschulungsmaßnahmen, kommen. All dies müsse zum Anlass genommen werden, ein stärkeres Bewusstsein für die Prävention zu schaffen. Die Arbeitgeber seien daher gefordert, in ihren Betrieben ein Hautschutz-Managementsystem einzuführen. Hierzu gehöre neben direkten Hautschutz- und regenerierenden Hautpflegemaßnahmen auch die Realisierung einer schonenden Hautreinigung. Aggressive oder falsch angewandte starke Hautreinigungsmittel führten zur Austrocknung und Entfettung der Hornschicht und begünstigten die Schädigung der Hautbarriere. Um dies zu vermeiden, müssten Hautreinigungsmittel mit verschmutzungsadäquater Reinigungswirkung und gleichzeitig bestmöglicher Hautverträglichkeit verwendet werden..
Kosmetikforschung an Hautmodellen
Dr. Thomas Förster von der Firma Henkel in Düsseldorf
ist Leiter einer interdisziplinären Forschergruppe, die an der Entschlüsselung
des Alterungsprozesses der menschlichen Haut arbeitet. Auf der 4. Jahrestagung
der Gesellschaft für Dermopharmazie am 23. und 24. Mai in Freiburg stellte er
die zu diesem Zweck entwickelten In-vitro-Hautmodelle vor. „Henkels Hautequivalent“,
so der interne Name des Hautmodells, enthalte alle prinzipiellen Hautschichten
(Dermis, Epidermis und Hornschicht) und sei damit identisch zur natürlichen Humanhaut
aufgebaut. Die Wirkstoffe könnten unter realistischen Bedingungen, zum Beispiel
in einer Creme- oder Gelgrundlage, aufgetragen und auf ihre Wirksamkeit untersucht
werden. Für ein ausgewähltes Phytokin aus der Sojapflanze habe man in diesem Modell
eine Steigerung der Kollagensynthese um 37 Prozent nachgewiesen. Die anschließende
dermatologische Prüfung habe im Falle des untersuchten Phytokins die Ergebnisse
des In-vitro-Hautmodells eindrucksvoll bestätigt: Nach zweiwöchiger Anwendung
einer phytokinhaltigen Creme habe der Kollagengehalt in der Haut um durchschnittlich
29 Prozent zugenommen. Außerdem seien Falten sichtbar reduziert worden.
Kosmetische Wirkstoffe schützen vor Hautalterung
Der Schutz vor
umweltbedingten Schäden und die biologischen Alterungsvorgänge in der Haut stehen
in der kosmetischen Produktentwicklung zunehmend im Vordergrund. Als äußere Barriere
des Körpers ist die Haut einer Vielzahl von Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung,
Ozon und Zigarettenrauch ausgesetzt. Durch diese Einflüsse entstehen freie Radikale,
die ihrerseits oxidativen Stress in der Haut verursachen. Der oxidative Stress
ist an der Auslösung pathologischer Prozesse wie der lichtinduzierten Hautalterung
und der Entstehung von Hautkrebs beteiligt. Um die Haut vor freien Radikalen zu
schützen, sind antioxidative Schutzmechanismen unentbehrlich. Bestandteile des
nichtenzymatischen Schutzsystems sind die Vitamine C und E. Coenzym Q10 (Ubiquinon)
und seine reduzierte Form (Ubiquinol) wirken als Antioxidantien und Elektronenüberträger
an der inneren mitochondrialen Membran. Grundsätzlich lassen sich sowohl die Vitamine
C und E als auch Coenzym Q10 durch topische Applikation supplementieren. Topisch
appliziertes Vitamin E verstärkt den natürlichen UV-Schutz der Haut und wirkt
positiv auf Hautglätte und Hautfeuchtigkeit. Diese beiden Parameter sind eng mit
der Funktionstüchtigkeit der Haubarriere verbunden. Für topisch appliziertes Coenzym
Q10 wurde nachgewiesen, dass es in vitro und in vivo die Bildung freier Radikale
hemmt. Außerdem belegten die Ergebnisse biophysikalischer und klinischer Studien,
dass durch Langzeitanwendung von Coenzym Q10 enthaltenden Cremes die Faltentiefe
der Gesichtshaut reduziert werden kann.
Örtliche Behandlung der androgenetischen Alopezie
Neues Haarwuchsmittel ab September auf dem Markt
Freiburg – Ein neues Arzneimittel zur örtlichen Behandlung der androgenetischen Alopezie, des erblich bedingten Haarausfalls, stellte Privatdozent Dr. med. Hans Wolff von der Dermatologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München anlässlich der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 23. und 24. Mai in Freiburg vor. Regaine® Lösung heißt das Präparat, das in Deutschland ab September auf Rezept erhältlich sein wird und den Wirkstoff Minoxidil in fünfprozentiger Konzentration enthält. Das Anwendungsgebiet des Präparates wird zunächst auf die androgenetische Alopezie des Mannes beschränkt sein.
Wie Wolff in Freiburg ausführte, unterscheide sich das neue Haarwuchsmittel von anderen örtlich anwendbaren Präparaten vor allem dadurch, dass seine Wirksamkeit in zahlreichen plazebokontrollierten Doppelblindstudien eindeutig nachgewiesen worden sei. In einer großen amerikanischen Multicenter-Studie an insgesamt 393 Männern im Alter von 18 bis 49 Jahren wurden eine fünf- und eine zweiprozentige Minoxidillösung über einen Zeitraum von einem Jahr gegen eine Plazebolösung klinisch geprüft (Applikation: zweimal täglich ein Milliliter).
Beurteilungskriterium für die Wirksamkeit der Prüfpräparate war die Anzahl kräftiger Terminalhaare auf einem ein Quadratzentimeter großen Testareal. Diese nahm bei der fünfprozentigen Lösung nach acht Wochen um durchschnittlich 30, nach 16 Wochen um 35 und nach 48 Wochen um 19 Haare gegenüber dem Ausgangsbefund zu. Damit war die fünfprozentige Lösung wirksamer als die zweiprozentige (Zunahme um 25, 29 bzw. 13 Haare) und letztere immer noch wirksamer als die Plazebolösung (Zunahme um 14, 15 bzw. vier Haare).
Bei der Beurteilung der systemischen Nebenwirkungen ergaben sich zwischen den drei Prüfpräparaten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Blutdruck, Puls, Körpergewicht, EKG, Blutbild, Libido und Potenz. Da Minoxidil eine blutdrucksenkende Substanz ist, wurden in der Studie auch die Minoxidil-Serumspiegel gemessen. Diese lagen sowohl bei der mit zwei (0,7 ng/ml) als auch bei der mit fünf Prozent Minoxidil behandelten Gruppe (2,2 ng/ml) deutlich unter der Serumkonzentration (21,7 ng/ml), bei der eine Puls- und Blutdruckveränderung erstmals messbar wird. An örtlichen Nebenwirkungen traten gelegentlich Rötungen und Juckreiz der Kopfhaut auf.
Neue Erkenntnisse über synthetische Gerbstoffe
Kortisonfreie Behandlung entzündlicher Hautkrankheiten
Freiburg – Zu den Zielen der Gesellschaft für Demopharmazie gehört die Verbreitung neuer Erkenntnisse auf dem Gebiet der Vorbeugung und Behandlung von Hautkrankheiten. So wurden auf der 4. Jahrestagung der Gesellschaft am 23. und 24. Mai in Freiburg sowohl einige neu in die Dermatotherapie eingeführte Arzneistoffe als auch neue Erkenntnisse über altbekannte dermatologische Wirkstoffe vorgestellt. Ein Themenschwerpunkt waren die bereits seit Jahrhunderten zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzten Gerbstoffe.
In früherer Zeit wurden ausschließlich Gerbstoffe natürlichen Ursprungs, zum Beispiel Rindenextrakte, für therapeutische Zwecke verwendet. Die Wirkung dieser komplexen Stoffgemische sollte auf einer Eiweißfällung, also einer „Gerbung“ der Haut, beruhen und so eine künstliche Barriere gegen Infektionen und Hautentzündungen schaffen.
Inzwischen werden in der dermatologischen Lokaltherapie überwiegend chemisch klar definierte, synthetisch hergestellte Gerbstoffe eingesetzt, die sich in zahlreichen klinischen Anwendungen als wirksam erweisen. Zu den Einsatzgebieten zählen leichte Formen von Ekzemerkrankungen, Hautreizungen wie Sonnenbrand, Windpocken und Gürtelrose, nässende Dermatosen sowie die Wundbehandlung vor allem im genitoanalen Bereich. Die entsprechenden Fertigarzneimittel liegen in verschiedenen Grundlagen – Creme, Fettcreme, Lotio, Hydrogel, Puder und Badezusatz – vor und ermöglichen so eine stadiengerechte Behandlung in Abhängigkeit von der Körperlokalisation.
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zur Aufklärung der Wirkmechanismen des synthetischen Gerbstoffs Tamol PP haben gezeigt, dass „gerbende“ Eigenschaften nur durch sehr hohe, arzneilich nicht gebräuchliche Konzentrationen erreicht werden. Wie Professor Dr. med. Ulrich Mrowietz, Dermatologe an den Universitätskliniken in Kiel, erläuterte, stelle Tamol PP eine Substanz dar, die in pharmakologischen Konzentrationen wirksam sei.
Ihre wichtigste Wirkung sei die Hemmung proteolytischer Enzyme, die bei entzündlichen Reaktionen der Haut eine Rolle spielen. Zudem hätten jüngste Untersuchungen gezeigt, dass Tamol PP die stimulierte Freisetzung von Histamin aus humanen Mastzellen hemme. Diese Eigenschaft könne die klinische Beobachtung des juckreizstillenden Effekts der synthetischen Gerbstoffe erklären und untermauere den Stellenwert dieser Substanzen als kortisonfreie Alternativen für die Behandlung leichterer Formen entzündlicher Hautkrankheiten.
Auch auf eine schonende Hautreinigung kommt es an
Freiburg – Der Schutz der Haut am Arbeitsplatz war eines der Themen der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 23. und 24. Mai in Freiburg. Wie der Vorsitzende der Gesellschaft, Apotheker Dr. Joachim Kresken aus Viersen, in einem Pressegespräch erläuterte, ist die Haut bei der Arbeit zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Durch regelmäßigen Kontakt zu potentiell hautreizenden oder allergisierenden Arbeitsstoffen könne es, so Kresken, insbesondere an den Händen zu einer Schädigung der Hautbarriere und als Folge hiervon zum Auftreten kumulativ-toxischer bzw. allergischer Kontaktekzeme kommen.
Kresken berichtete von Berechnungen, wonach durch berufsbedingte Hauterkrankungen allein in Deutschland jährlich Kosten von über einer Milliarde Mark entstehen, die auf Arbeitgeber, Unfallversicherungsträger und Krankenkassen entfielen. Bei den Betroffenen könne es zu erheblichen sozialen Problemen, bedingt durch Arbeitsplatzverlust oder Umschulungsmaßnahmen, kommen. All dies müsse zum Anlass genommen werden, ein stärkeres Bewusstsein für die Prävention zu schaffen. Die Arbeitgeber seien daher gefordert, in ihren Betrieben ein Hautschutz-Managementsystem einzuführen.
Zu einem vollständigen Hautschutzprogramm gehöre neben direkten Hautschutz- und regenerierenden Hautpflegemaßnahmen auch die Realisierung einer schonenden Hautreinigung. Aggressive oder falsch angewandte starke Hautreinigungsmittel führten zur Austrocknung und Entfettung der Hornschicht und begünstigten die Schädigung der Hautbarriere. Um dies zu vermeiden, müssten Hautreinigungsmittel mit verschmutzungsadäquater Reinigungswirkung und gleichzeitig bestmöglicher Hautverträglichkeit verwendet werden.
Zur Entfernung stärkerer Verschmutzungen, zum Beispiel durch Altöl, Fette, Kleber oder Ruß, seien Hautreinigungsmittel verfügbar, die neben Tensiden ein Reibemittel und gelegentlich auch ein organisches Lösemittel enthielten. Da von diesen Komponenten in der Regel die größte Gefahr von Hautirritationen ausgehe, versuchten dermatologisch orientierte Produkthersteller, mit Hilfe anderer Inhaltsstoffe eine vergleichbare Reinigungswirkung zu erreichen. Als Beispiel nannte Kresken ein Naturöl, das in Kombination mit milden Tensiden als Lösemittelersatz in reibemittelhaltigen Handreinigern verwendet wer-de. Schließlich könne in vielen Fällen auch auf ein Reibemittel verzichtet werden. Pastöse Handreiniger ohne Kratz- und Reibewirkung seien aus dermopharmazeutischer Sicht besonders empfehlenswert.
Neue Wege in der Kosmetikforschung
Hautmodelle simulieren Untersuchungen am Menschen
Freiburg – Dr. Thomas Förster von der Firma Henkel in Düsseldorf ist Leiter einer interdisziplinären Forschergruppe, die an der Entschlüsselung des Alterungsprozesses der menschlichen Haut arbeitet. Auf der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 23. und 24. Mai in Freiburg stellte er die zu diesem Zweck entwickelten In-vitro-Hautmodelle vor. Außerdem berichtete er über neue Untersuchungsergebnisse zu kosmetischen Wirkstoffen und Formulierungen, die in diesen Modellen untersucht wurden.
Die Wirkstoffforschung durchlaufe drei Stufen, erklärte Förster. Am Anfang stehe das sogenannte Substanz-Screening mit schnell durchzuführenden Tests an einfachen Hautzellkulturen. Als vielversprechende Bioaktivstoffe seien in diesem Testraster bestimmte Pflanzenextrakte identifiziert worden, die als Botenstoffe (Phytokine) die Hautzellen anregten, die Kollagensynthese zu steigern. Andere Wirkstoffe stoppten die durch UV-Strahlung angekurbelte Synthese kollagenabbauender Enzyme.
In Stufe zwei der Testhierarchie kommen die neuen In-vitro-Hautmodelle zum Einsatz. Sie waren kurz vor der Tagung in Freiburg Anlass eines enormem Medienrummels. „Die Vision einer ewig jungen Haut wird in einigen Jahren Wirklichkeit“, lautete der Satz, mit dem der kürzlich in den Ruhestand getretene Ex-Henkel-Chef Hans-Dietrich Winkhaus die Arbeit des Teams um Thomas Förster bei der letzten Aktionärsversammlung schlagartig ins Gespräch brachte.
„Henkels Hautequivalent“, so der interne
Name des Hautmodells, enthalte alle prinzipiellen Hautschichten (Dermis, Epidermis
und Hornschicht) und sei damit identisch zur natürlichen Humanhaut aufgebaut.
Die Wirkstoffe könnten unter realistischen Bedingungen, zum Beispiel in einer
Creme- oder Gelgrundlage, aufgetragen und auf ihre Wirksamkeit untersucht werden.
Für ein ausgewähltes Phytokin aus der Sojapflanze habe man in diesem Modell eine
Steigerung der Kollagensynthese um 37 Prozent nachgewiesen.
In der dritten
Stufe der Wirkstoffforschung erfolge schließlich die dermatologische Prüfung.
Im Falle des untersuchten Phytokins seien die Ergebnisse des In-vitro-Hautmodells
eindrucksvoll bestätigt worden: Nach zweiwöchiger Anwendung einer phytokinhaltigen
Creme habe der Kollagengehalt in der Haut um durchschnittlich 29 Prozent zugenommen.
Außerdem seien Falten sichtbar reduziert worden.
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Prophylaxe gegen oxidativen Stress
in der Haut
Kosmetische
Wirkstoffe schützen vor Hautalterung
Freiburg – Die Fachgruppe
Dermokosmetik in der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) beschäftigt sich schwerpunktmäßig
mit der Entwicklung interdisziplinärer Konzepte zur Dokumentation und Qualitätssicherung
kosmetischer Präparate. Thema eines Workshops, den sie im Rahmen der 4. Jahrestagung
der GD am 23. und 24. Mai in Freiburg organisierte, waren aktuelle kosmetische
Wirkstoffe zum Schutz vor Hautalterung.
Der Workshop zeigte, dass in
der kosmetischen Produktentwicklung zunehmend der Schutz gegen umweltbedingte
Schadwirkungen und die biologischen Alterungsvorgänge in der Haut im Vordergrund
stehen. Als äußere Barriere des Körpers ist die Haut einer Vielzahl von Umwelteinflüssen
wie UV-Strahlung, Ozon und Zigarettenrauch ausgesetzt. Durch diese Einflüsse entstehen
freie Radikale, die ihrerseits oxidativen Stress in der Haut verursachen. Der
oxidative Stress ist an der Auslösung pathologischer Prozesse wie der lichtinduzierten
Hautalterung und der Entstehung von Hautkrebs beteiligt
Um die Haut vor
freien Radikalen zu schützen, sind antioxidative Schutzmechanismen unentbehrlich.
Bestandteile des nichtenzymatischen Schutzsystems sind die Vitamine C und E. Während
Vitamin C das wichtigste wasserlösliche Antioxidans ist, gehört Vitamin E zu den
lipidlöslichen Radikalfängern, die in der Zellmembran lokalisiert sind. Coenzym
Q10 (Ubiquinon) und seine reduzierte Form (Ubiquinol) wirken als Antioxidantien
und Elektronenüberträger an der inneren mitochondrialen Membran. Ubiquinol ist
in der Lage, oxidiertes Vitamin E zu reduzieren und ist dasjenige Antioxidans,
welches nach oxidativem Stress als erstes in der Haut verbraucht wird.
Grundsätzlich lassen sich sowohl die Vitamine C und E als auch Coenzym Q10 durch
topische Applikation supplementieren. Topisch appliziertes Vitamin E verstärkt
den natürlichen UV-Schutz der Haut und wirkt positiv auf Hautglätte und Hautfeuchtigkeit.
Diese beiden Parameter sind eng mit der Funktionstüchtigkeit der Haubarriere verbunden.
Für topisch appliziertes Coenzym Q10 wurde nachgewiesen, dass es in vitro und
in vivo die Bildung freier Radikale hemmt. Außerdem belegten die Ergebnisse biophysikalischer
und klinischer Studien, dass durch Langzeitanwendung von Coenzym Q10 enthaltenden
Cremes die Faltentiefe der Gesichtshaut reduziert werden kann.
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Pressefotos
2000
Foto: K. Müller-Bringmann / GD
Hoffnung für Männer mit Glatze: Ab September 2000 gibt es in Deutschland ein neues Arzneimittel gegen den erblich bedingten Haarausfall. Die Wirksamkeit des verschreibungspfichtigen Präparates wurde in umfangreichen Studien nachgewiesen.

Foto: K. Müller-Bringmann / GD
Entschlüsselung des Alterungsprozesses
der menschlichen Haut: Dr. Thomas Förster (l.) und sein Team entwickelten
für die Kosmetikforschung Hautmodelle, an denen neue Wirkstoffe untersucht
werden können.
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Foto: K. Müller-Bringmann / GD
Kritischer Blick in den Spiegel: Umwelteinflüsse und Sonnenbäder belasten die Haut und beschleunigen die Faltenbldung. Studien haben gezeigt, dass Cremes, die sogenannte Antioxidantien enthalten, die Faltentiefe der Gesichtshaut verringern können.
Pressekonferenz der GD in Freiburg 2000


Priv.-Doz. Dr. med. Hans Wolff

Prof.
Dr. med. Ulrich Paul Simon Mrowietz




Moderation
durch Kaspar Müller-Bringmann