Abstracts 2001 GD Symposium

Armin Wadle

Biokompatible Emulsionssysteme

Henkel KGaA, Düsseldorf

Von modernen Hautpflegeprodukten wird heutzutage nicht nur Pflege erwartet, sondern auch eine rasche und nachvollziehbare Verbesserung des Hautbildes und Hautzustandes. Im multifunktionellen Aufbau einer kosmetischen Formulierung rückt neben der Wirkstoffseite auch die Cremegrundlage immer deutlicher in den Fokus des Produktentwicklers. Cremegrundlagen werden dabei nicht nur als Träger für Wirkstoffe verstanden, sondern sie verkörpern zunehmend ein Wirkprinzip in sich. Die klassische Betrachtung von Cremegrundlagen im Sinne von kosmetischer Akzeptanz wie Verteilbarkeit und Einziehvermögen wird dadurch erweitert, und die Entwicklung intelligenter Cremebasen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Am Beispiel von zwei Öl-in-Wasser-Systemen wird gezeigt, wie die Auswahl geeigneter Emulgatorsysteme die Formulierung multifunktioneller Cremebasen erlaubt: Die Formulierungen zeichnen sich neben einer hohen kosmetischen Akzeptanz durch eine nachvollziehbare Verbesserung des Hautzustandes bei entsprechender Produktverträglichkeit aus.

Ein solcher multifunktioneller Wirkstoff sind Lipoproteine, die aus dem Samen verschiedener Pflanzen (z.B. Erbse und Hafer) gewonnen werden. Die physikochemische Charakterisierung der Lösungs- und Grenzflächeneigenschaften dieser Biopolymere ergab, daß sie sowohl emulgierende als auch emulsionsstabilisierende Wirkung auf Öl-in-Wasser-Emulsionen haben. In lipoproteinhaltigen Cremes kann daher auf die Anwesenheit konventioneller Emulgatoren verzichtet werden. Zusätzlich entfalten die Lipoproteine auch eine aktive Wirkung auf die Hautoberfläche; Hautglätte und Hautelastizität werden einhergehend mit einer ausgezeichneten Hautverträglichkeit erhöht.

Ein weiteres Emulsionssystem stellen lamellare Cremes dar, die z.B. auf Zuckeremulgatoren basieren. Diese lamellaren Formulierungen können einen ähnlichen Aufbau wie die interzellulären Lipide im Stratum corneum besitzen. Spektroskopische Untersuchungen zeigen, dass die Cremegrundlage dadurch diesen interzellulären „Mörtel“ restrukturiert und die Barriereeigenschaften der Haut verbessert. Diese Kompatibilität mit dem äußeren Bereich der Epidermis bewirkt eine nachvollziehbare Verbesserung des Hautzustandes, wie am Beispiel der Hautfeuchtigkeit und der Hautstraffheit gerade im Tagesverlauf gezeigt wird.

Dr. Armin Wadle

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Rolf Daniels

Neuartige Gelsysteme

Institut für Pharmazeutische Technologie, Technische Universität Braunschweig

Gele sind physikalisch-chemisch gesehen disperse Systeme, bestehend aus mindestens zwei Komponenten: einer Feststoffkomponente, die ein kohärentes dreidimensionales Gerüst bildet (Matrix, Textur, Netzwerk) und einer Flüssigkeit, die als kohärentes Medium in der Matrix immobilisiert vorliegt.

Ihre dermokosmetische Anwendung verdanken sie speziellen Produktmerkmalen, wie z.B. ihrem rheologischen Verhalten. Ferner werden wässrig-alkoholische Gele wegen ihrer Transparenz und ihre nicht-fettigen Charakter geschätzt. Lipophile Gele setzt man ebenfalls wegen ihres ästhetischen Erscheinungsbildes sowie ihrer konsistenzgebenden Eigenschaft ein.

Lipohile und hydrophile Gele lassen sich prinzipiell in drei Klassen unterteilen:

Kovalent verknüpfte Polymernetzwerke mit komplett ungeordneter Struktur
Über Nebenvalenzen verknüpfte Polymernetzwerke mit überwiegend ungeordneter Struktur und teilweise geordneten Bereichen
Geordnete Gelmesophasen

Dermokosmetische Produkte nutzen nahezu ausschließlich die beiden letztgenannten Formen. Hierunter fallen auch einige aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Gele.
Die Gelbildung in verschiedenen Lipiden mit Hilfe von Ethylene/Propylene/Styrene-Copolymer und Butylene/Ethylene/Styrene-Copolymer führt zu transparenten, ästhetisch anspruchsvollen Lipogelen, die je nach verwendeter Lipidphase vielseitige Grundstoffe für kosmetische Formulierungen sind.

Wässrig-alkoholische Polymergele – mit oder ohne dispers eingearbeiteter Lipidphase – auf der Basis von Polyacrylaten und Polyacrylat/Polyalkylacryl-Crosspolymeren gehören seit einigen Jahren zu den Standards bei kosmetischen Formulierungen. Neue Perspektiven eröffnen Hydrodispersionsgele auf Basis von Hypromellose. Dieser Gelbildner erlaubt es aufgrund spezieller Eigenschaften, Hydrodispersionsgele im Submikronbereich herzustellen, denen sowohl Alkohol wie auch Elektrolyte problemlos zugefügt werden können. Darüber hinaus lassen sich solche Produkte im Endbehältnis sterilisieren.

Ein besonders großes Potenzial bieten Tensidgele, z.B. auf der Basis von lamellaren und kubischen Mesophasen. Aufgrund des in den letzten Jahren enorm gewachsenen Verständnisses für das physiko-chemische Verhalten solcher Systeme lassen sich Gele mit vielfältigen Eigenschaften realisieren. Insbesondere deren Wechselwirkung mit der Haut sowie die Möglichkeit zur Beeinflussung der Wirkstoffabgabe bieten ein breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten.

Prof. Dr. Rolf Daniels

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Horst Spielmann

Neue Methoden der tierversuchsfreien Kosmetikaprüfung

Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET), Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) , Berlin

Aufgrund der Erwartungen der Verbraucher in Deutschland und in den übrigen Mitgliedsstaaten der EU haben Wissenschaftler in der Kosmetikindustrie, an Forschungsinstituten und Behörden gemeinsam das Ziel verfolgt, sicherheitstoxikologische Verträglichkeitsprüfungen von Kosmetika ohne Tierversuche durchzuführen. In Deutschland ist dies nach dem geltenden Tierschutzgesetz bereits vorgeschrieben, jedoch konnte eine entsprechende Novellierung der EU Kosmetikrichtlinie (EU Richtlinie 76/768/EEC) aus formalen Gründen nicht verabschiedet werden. Aufgrund der Entwicklung validierter tierversuchsfreier Prüfmethoden wurde bereits vor mehreren Jahren ein Konsens unter den beteiligten Wissenschaftlern in Industrie und Behörden erzielt, nach dem kosmetische Fertigprodukte in den EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr in sicherheitstoxikologischen Tierversuchen geprüft werden. Die Praxis hat bestätigt, dass dadurch der Schutz der Verbraucher nicht beeinträchtigt wird. Inzwischen sind die neuen tierversuchsfreien Prüfmethoden auch außerhalb Europas in den toxikologischen Laboratorien der Kosmetikindustrie in den USA und in Japan etabliert. Die Prüfung von neuen Inhaltsstoffen kosmetischer Mittel ist bisher nur bei solchen tierversuchsfreien Prüfmethoden möglich, die generell für die Prüfung neuer chemischer Stoffe von den Behörden der EU-Mitgliedsstaaten akzeptiert werden.

Vor dem geschilderten rechtlichen und wissenschaftlichen Hintergrund werden die tierversuchsfreien sicherheitstoxikologischen Prüfmethoden vorgestellt, die von der zuständigen Expertenkommission der EU-Kommission, dem SCCNFP (Scientific Committee on Cosmetology and Non-Food Products), und den Mitgliedsfirmen des europäischen Verbandes der Hersteller von Kosmetika, COLIPA, empfohlen werden. Außerdem werden die Grenzen der neuen Methoden diskutiert.



Prof. Dr. med. Horst Spielmann

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Martina Kerscher *


Neue Trends in der Dermokosmetik

Fachbereich Chemie, Studiengang Kosmetik und Körperpflege, Universität Hamburg


In unserer Gesellschaft hat die durchschnittliche Lebenserwartung stark zugenommen. Da die Haut das Organ ist, bei dem der Alterungsprozess am deutlichsten sichtbar ist, besteht an der Prophylaxe und Therapie der Hautalterung ein großes Interesse, und eine sehr große Vielfalt moderner Pflegeprodukte der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie trägt diesem Trend Rechnung.

Da die Hautalterung bis zu 80 Prozent durch ultraviolette Strahlung hervorgerufen wird, ist in erster Linie die Anwendung von Lichtschutzpräparaten an nicht mit Textilien abgedeckten Hautarealen eine wichtige prophylaktische Maßnahme. Kombinationspräparate aus physikalischen und chemischen UV-Filtern sowie moderne UV-Filter mit minimalem Allergierisiko stehen zur Verfügung.

Weiterhin gilt die Verwendung von Feuchthaltefaktoren als wesentliches Prinzip sowohl der Behandlung wie auch der vorbeugenden Pflege der gealterten Haut, da sie die natürliche Barriere der Haut ergänzen und vor Austrocknung schützen. Neben einer großen Anzahl von Feuchthaltesubstanzen, die sowohl Pflanzenextrakte wie auch Mucopolysaccharide (Hyaluronate) einschließen, beinhalten neue Therapieansätze die Anwendung von Vorstufen der Lipidbiosynthese.

Aufgrund der Hypothese, dass der Alterungsvorgang durch freie Radikale gefördert wird, werden verschiedene Antioxidantien auch in Dermokosmetika eingesetzt. Antioxidantien wie L-Ascorbinsäure (Vitamin C), alpha-Tocopherol (Vitamin E), Coenzym Q 10 und auch Melatonin können bei topischer Anwendung und unter der Voraussetzung, dass sie in der entsprechenden Grundlage stabil sind und in einer wirksamen Konzentration vorliegen, photoprotektiv wirken. Zu den natürlich vorkommenden Antioxidatien gehören die polyphenolischen Epicatechine, die in Form von Grüntee-Extrakten in zahlreichen Kosmetika eingesetzt werden. Eine topische Therapie mit Retinoiden oder auch mit alpha-Hydroxysäuren kann bei bereits photogeschädigter Haut zur Anwendung kommen. Studien zur topischen Anwendung von Vitamin-A-Säure (Retinsäure) zeigen etwa, dass durch Vitamin-A-Säure nicht nur eine Kollagenneosynthese induziert wird, sondern auch andere altersbedingte Veränderungen der Haut, etwa Pigmentverschiebungen, verbessert werden können. Einen neuen Trend stellt sicher auch die Therapie UV-induzierter Hautalterung mittels topischer Applikation von DNA-reparierenden Substanzen wie Endonukleasen, Photolyase, T4N5 oder Oligonukleotiden sowie Kollagenase-hemmenden Hormonen wie Progesteron dar, jedoch steht hier eine abschließende Beurteilung von klinischer Wirksamkeit und Sicherheit zum Teil noch aus.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass dem Verbraucher eine Vielzahl neuer Dermokosmetika mit verschiedensten Wirkstoffen zur Prophylaxe und auch Therapie vor allem der extrinsischen, aber auch der intrinsischen Hautalterung zur Verfügung stehen. Die Aufgabe einer wissenschaftlichen Dermokosmetik sollte es sein, anerkannte Richtlinien zur Wirksamkeits- und Sicherheitsprüfung zu etablieren, um wirksame Innovationen von rein marktstrategisch gesteuerten Neuentwicklungen abzugrenzen.

* unter Mitarbeit von Dr. Stefanie Williams

Prof. Dr. med. Martina Kerscher


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Andreas Schrader

Rationale und Praxis der Biophotonik

Institut Dr. Schrader, Holzminden

Seit ältesten Zeiten übt das enzymkatalysierte Organismenleuchten (Biolumineszenz) oder das Himmelsschauspiel der Aurora borealis (Chemolumineszenz) auf den Menschen eine magische Faszination aus. Die rationale und wissenschaftlich korrekte Herangehensweise an Photonenemissionsvorgänge mit Hilfe hochempfindlicher Photomultiplier eröffnet jedoch nicht minder faszinierende Aussichten. Die Biophotonik wird sogar in den Handlungsempfehlungen der Agenda der Bundesregierung „Optische Technologien für das 21. Jahrhundert“ als prioritäres Themenfeld herausgestellt.

Durch die single-photon-counting-Technik konnte die messtechnische Erfassung der UV?induzierten Photonenemission der menschlichen Haut (Induced Chemiluminescence of Human Skin, ICL-S) realisiert werden. Am Zustandekommen der gemessenen ICL-S sind immer mehrere chemolumineszente Reaktionen beteiligt. Durch den UV-induzierten Stress wird die fein abgestimmte Balance (Homöostase) zwischen oxidativen Prozessen und Systemen des antioxidativen Schutzes in der Haut empfindlich gestört. Dabei kommt es zur vermehrten Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen (ROS), vor allem von Superoxidanion-Radikalen und Wasserstoffperoxid. Die ROS reagieren spontan mit organischen und anorganischen Verbindungen und bilden dabei immer neue Radikale oder lösen Kettenreaktionen in Form von Lipidperoxidationen aus. Zusätzlich werden unspezifische Reaktionen mit Biomolekülen (Fette, Kohlenhydrate, Proteine, Nukleinsäuren) initiiert, die zur Schädigung von gesundem Gewebe und zur Selbstzerstörung von Zellen führen können. All diese größtenteils oxidativen Vorgänge sind in Teilreaktionen chemolumineszent.

Für die Praxis bedeutet eine Reduzierung der UV-induzierten Chemolumineszenz der Haut, durch Wirkstoffe in kosmetischen Formulierungen, eine unmittelbare Kopplung von wirklichkeitsnahen Stress-auslösenden Noxen mit biologischen Vorgängen in der Zelle, was sowohl für die Entwicklung von Präventivschutz-Präparaten, als auch für eine Kurativ-Pflege, in Zukunft eine wichtige Kenngröße sein wird. Einer der Schwerpunkte in der Forschung liegt dabei auf dem Einfluss von topisch applizierten Sonnenschutzmitteln, die entweder das Eindringen schädlicher Strahlung in die Haut verhindern (chemische, physikalische UV?Filter) oder den endogenen Pool an Abwehrmechanismen (Antioxidantien, Reparaturenzyme) aufbessern. Vor allem die negativen Einflüsse der UVA-Strahlung (320 – 400 nm) wurde durch in vivo Messungen bisher nur lückenhaft untersucht. Durch eigene Studien konnte gezeigt werden, dass wirksame chemische UVA-Filter die ICL-S um bis zu 60 Prozent reduzieren. Die Wirksamkeit von Antioxidantien zeigt sich in einer Verminderung der ICL-S von 10 bis 20 Prozent im Vergleich zum Placebo. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass eine Zuordnung der Schutzwirkung von chemischen UVA-Filtern in komplexen Formulierungen möglich ist.

Vorteile des neuen Verfahrens sind die direkte in-vivo-Messung an der menschlichen Haut sowie die schnelle und einfache Versuchsdurchführung. Die applizierten UV-Dosen liegen bei den durchgeführten ICL?S-Tests weit unterhalb der minimalen Erythemschwelle. Hierzu wurde eigens ein neues Gerät entwickelt, das unmittelbar nach UV-Bestrahlung eine Messung ermöglicht. Die Biophotonik eröffnet demnach neue Möglichkeiten, Stoffwechselvorgänge nicht-invasiv und ultra-sensitiv zu erfassen und mit dem Wirkspektrum von Hautschutzmitteln zu korrelieren.


Dr. Andreas Schrader

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Thomas Gassenmeier *

Praxis und Rationale der Biosensorik kosmetischer Mittel

Henkel KGaA, Düsseldorf

Unter Biosensorik versteht man die verwissenschaftlichte Bewertung der sensorischen Eigenschaften von Konsumgütern, Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Gegenständen des täglichen Lebens durch ein geschultes Expertenpanel. Die Rationale für eine moderne, systematisierte Methodik zu diesem sogenannten Sensory Assessment wurde in der Lebensmitteltechnologie begründet.

Grundsätzlich können in der Biosensorik alle mit den Sinnesorganen wahrnehmbaren Dinge, also z.B. Erscheinungsbild (Farbe, Glanz, Form, Größe, Transparenz), Geschmack, Duft, Konsistenz, Textur, Geräusche etc., erfaßt werden. Die Beurteilung wird durch physiologische Faktoren, wie z.B. Gewöhnungseffekte nach wiederholter Bewertung und psychologische Faktoren, wie z.B. eine bestimmte Erwartungshaltung, Reihenfolge der Musterpräsentation, Beeinflussung durch dritte oder die persönliche Motivationslage beeinflusst.

Wirklich entscheidend für die Erfassung von Effekten ist, zusätzlich zu der eigentlichen Aufnahme der Reize durch den Sinnesapparat, ihre mentale Interpretation. Die dafür mit entscheidende Psyche ist ebenfalls von Mensch zu Mensch verschieden und hängt z.B. von der Kultur, Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen, Alter, Bildungsstand, Religion und Erziehung ab. Diese kaum noch zu systematisierenden Unterschiede machen es erforderlich, dass im Sensory Assessment unter kontrollierten Bedingungen bezüglich Räumlichkeiten, Testprodukten und Panel gearbeitet wird sowie ein der Fragestellung angepasster Testaufbau zum Einsatz gelangt.

In der Praxis der Biosensorik kosmetischer Mittel spielen vor allem Tests auf Unterschiede und die quantitative deskriptive Analyse eine Rolle. Im vorliegenden Vortrag wird eine Methode zur sensorischen Bewertung von Hautpflegeprodukten näher vorgestellt, die auf zwei Grundprinzipien aufbaut: der Verwendung genau definierter sensorischer Parameter und der Durchführung als Vergleichstest gegen Referenzprodukte. Mit diesem in einer Ringstudie validierten Testaufbau zum Sensory Assessment können der Einfluss rezepturtechnischer Modifikationen kosmetischer Emulsionen, aber auch reine Emollients sowie tensidbasierte hautkosmetische Produkte bewertet werden. Zur Veranschaulichung werden zahlreiche Beispiele aus der Praxis des Sensory Assessment gegeben.

* unter Mitarbeit von P. Busch

Dr. Thomas Gassenmeier

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Elisabeth Poppe

Targets für Haarkonditioniermittel

Hans Schwarzkopf GmbH, Produktentwicklung/Anwendungstechnik Haarpflege, Hamburg

Gepflegte und gesunde Haare sind für das Schönheitsempfinden der Menschen von großer Bedeutung. Äußere Einflüsse wie z.B. Kämmen, Bürsten, Fönen, Sonnenlicht und chemische Behandlungen wie Dauerwellen und Colorationen schädigen jedoch das Haar; es wird schwer kämmbar, glanzlos und neigt zu Spliss und Haarbruch. Konditioniermittel können das Haar vor Schäden durch diese Einflüsse schützen und bereits bestehende Schäden in gewissem Maße reparieren.

Das äußere Erscheinungsbild und die taktilen Eigenschaften werden im wesentlichen durch die Haaroberfläche (Cuticula) bestimmt, während die mechanischen Eigenschaften wie z.B. die Reißfestigkeit durch das Haarinnere (Cortex) bestimmt werden. Die Hauptmerkmale einer geschädigten Cuticula sind abgespreizte oder fehlende Schuppen sowie eine negative Überschussladung an der Oberfläche. Haarkonditioniermittel enthalten daher quaternäre Ammoniumverbindungen mit langkettigen Alkyl-Resten, welche die negativen Ladungen neutralisieren und die Haaroberfläche hydrophobieren.

Schädigungen des Cortex basieren im Wesentlichen auf einer veränderten Proteinstruktur z.B. durch Spaltung von Disulfid-Bindungen und Abbau von Aminosäuren. Sogenannte Strukturanten, z.B. Panthenol, können in den Cortex penetrieren, die Cortex-Struktur festigen und somit die mechanischen Eigenschaften verbessern. Die optimale Wirkung des Konditioniermittels wird durch eine ausgewogene Abstimmung der Basisformulierung auf die Wirkstoffe erzielt. Der Nachweis der kosmetischen Wirkung des Produktes und der einzelnen Wirkstoffe erfolgt durch biophysikalische Messungen und Halbseitenvergleiche an Probanden.

Dr. Elisabeth Poppe

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Ralf Paus

Targets für Mittel gegen Haarausfall

Hautklinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf


Wirksame Mittel gegen Haarausfall müssen möglichst gezielt an einer Reihe definierter Pathomechanismen ansetzen, die sich hinter Alopezie/Effluvium verbergen können:

1. Haarzyklusstörungen
2. Termin-zu-Vellus- und Vellus-zu-Terminal-Haarkonversionsstörungen
3. irreversible) Störungen des follikulären Regenerationspotentials
4. Störungen der physiologischen „programmierten Organdeletion“ (POD) von Haarfollikeln
5. Störungen des antimikrobiellen Abwehrsystems des Haarfollikels
6. Kollaps des Haarfollikel-Immunsystems
7.Störungen der Haarschaftproduktion

Vordringlich ist die Entwicklung von Haarzyklus-Modulatoren, da die in der Praxis am häufigsten beobachteten Haarwuchstörungen zumindest zu einem wesentlichen Teil Haarzyklusstörungen repräsentieren. Dabei gilt der einfache Merksatz: Ist die Anagenphase zu kurz und die Katagenphase setzt zu früh ein, kommt es zu Alopezie/Effluvium. Ist umgekehrt die Anagenphase zu lang und die Katagenphase setzt zu spät ein, treten Hirsutismus/Hypertrichose auf. Dermatopharmazeutisch ist insbesondere die Entwicklung solcher Medikamente von besonderer klinischer Bedeutung, die effizient und nebenwirkungsarm die Katagenphase hemmen oder induzieren können. Im Vordergrund steht dabei die Manipulation der Apoptose von Haarfollikelkeratinozyten, da die Katagenphase des Haarzyklus ein Apoptose-getriebener Organinvolutionsprozeß ist. Studien aus dem Maussystem, die Glukokortikoide und Immunophilinliganden als außerordentlich potente Katagenmanipulatoren identifiziert haben, sowie jüngere Arbeiten, die wichtige Unterschiede in der Apoptoseregulation von epidermalen und follikulären Keratinozyten und die Rolle bestimmter Wachstumsfaktoren in der Katagenregulation herausgearbeitet haben, liefern wichtige Anhaltspunkte für vielversprechende Zielgene und Signaltransduktionswege.

Weit rudimentärer sind dagegen unsere bisherigen Kenntnisse zu den anderen Pathomechanismen. Diese werden am Beispiel relevanter Haarwuchsstörungen kurz erläutert, um mögliche dermatopharmazeutische Behandlungsansätze zu skizzieren. Betont wird die klinische Bedeutung der Entwicklung von Stammzell-protektiven Pharmaka (insbesondere bei Chemotherapie- und Radiotherapie-induzierter Alopezie sowie bei vernarbenden Alopezien) und von Pharmaka, die ein zusammengebrochenens follikuläres Immunprivileg wieder restituieren können (bei Alopecia areata). Aus diesen Erwägungen lassen sich klare Strategien für die Entwicklung effizienterer und innovativer „Trichopharmaka“ ableiten, die idealerweise topisch applizierbar sein und bevorzugt oder gar exklusiv auf den Haarfollikel wirken sollten (z.B. durch Einsatz von „follicle targeting“-Liposomen).


Prof. Dr. med. Ralf Paus

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Jean Krutmann

Targets für Repairpräparate gegen Photoaging

Hautklinik der Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf


Die solare ultraviolette (UV) Strahlung kann an der menschlichen Haut eine Vielzahl schädigender Wirkungen entfalten, die unter anderem zu einem beschleunigten und vorzeitigen Alterungsprozess der Haut, der so genannten Lichtalterung (Photoaging), führen. Hierfür sind sowohl die kurzwelligere UVB-Strahlung (290-320 nm) als auch die langwelligere UVA-Strahlung (320-400 nm) verantwortlich. Die Entwicklung effektiver photoprotektiver bzw. regenerativer Ansätze zur Prophylaxe und Verminderung der Lichtalterung der menschlichen Haut setzt präzise Kenntnisse über die photobiologischen und molekularen Mechanismen voraus, durch die UVB- und UVA-Strahlung ein Photoaging verursachen.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass von uns und anderen in den letzten Jahren gezeigt werden konnte, dass UVB-induzierte biologische Wirkungen an der menschlichen Haut nahezu ausschließlich auf der Generation spezifischer DNS-Schäden, insbesondere von Cyclobutanpyrimidindimeren, beruhen. Diese Läsionen stellen somit ein wesentliches Ziel für die Verhinderung der UVB-induzierten Lichtalterung dar. In der Tat konnten wir zeigen, dass es grundsätzlich möglich ist, durch die topische Applikation von in Liposomen verpackten DNS-Reparaturenzymen auf die zuvor UVB-bestrahlte menschliche Haut UVB-induzierte DNS-Schäden teilweise zu reparieren. Diese Reparatur ist funktionell relevant, denn hierdurch können z.B. UVB-induzierte immunsuppressive Effekte verhindert werden.

Neueste Arbeiten weisen zudem darauf hin, dass auch die UVB-induzierte Expression der Matrixmetalloproteinase-1 in kultivierten dermalen Fibroblasten durch diesen Ansatz verhindert werden kann. Da die UVB-induzierte Expression dieses Gens eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der klinischen Charakteristika einer lichtgealterten Haut hat, weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass die topische Applikation von DNS-Reparaturenzymen auch gegen die UVB-induzierte Hautalterung schützen könnte.

Eigene Untersuchungen zur UVA-induzierten Lichtalterung haben zuvor gezeigt, dass eine Schädigung der mitochondrialen DNS in dermalen Fibroblasten von herausragender Bedeutung ist. Neuere Arbeiten haben nun erstmals ergeben, dass die durch chronische UVA-Bestrahlung in der menschlichen Haut generierten mitochondrialen DNS-Mutationen über Jahre bestehen bleiben und somit ein wichtiger Bio- bzw. Gedächtnismarker für eine zuvor erfolgte aktinische Schädigung der menschlichen Haut sind. Zudem hat sich gezeigt, dass nach einmaliger Induktion dieser Läsionen durch chronische, repetitive UVA-Bestrahlung ihr Gehalt in der menschlichen Haut weiter zunimmt, auch wenn keine zusätzlichen Bestrahlungen erfolgen. Die Entstehung dieser DNS-Läsionen ist die Folge der Generation von oxidativem Stress in der menschlichen Haut .

Daher kann davon ausgegangen werden, dass topische und eventuell auch systemische Antioxidantien nicht nur während der Sonnenexposition, sondern auch im bestrahlungsfreien Intervall zur Verhinderung der fortschreitenden Schädigung und gegebenenfalls zur Regeneration angezeigt sind. Mit Hilfe der von uns kürzlich entwickelten kombinierten in-vitro/in-vivo-Methoden zum Nachweis mitochondrialer DNS-Mutationen in der menschlichen Haut ist jetzt erstmals die Möglichkeit gegeben, auf molekularer Ebene einen eindeutigen Nachweis über die Effektivität von Antioxidantien hinsichtlich Prophylaxe und Regeneration der lichtgeschädigten menschlichen Haut zu führen.

Prof. Dr. med. Jean Krutmann

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Dirk Petersohn

Teststrategien für Mittel gegen Hautalterung

Henkel KGaA, Düsseldorf

Es ist augenscheinlich, dass humane Haut mit zunehmendem Alter typischen Veränderungen unterliegt. Solche makroskopischen Erscheinungen sind z.B. eine erhöhte Rauhigkeit der Haut, Faltenbildung, Verlust an Hautelastizität und unregelmäßige Pigmentierung. Dabei ist anzumerken, dass diese Alterungsphänomene nicht als alleiniges Resultat endogener Seneszenz zu betrachten sind, sondern überwiegend als Konsequenz aus akkumuliertem, umweltbedingtem Stress. Insbesondere das Sonnenlicht scheint mit seinem Anteil an UV-Strahlen bei dem Prozess der sogenannten Photoalterung eine entscheidende Rolle zu spielen.

Obwohl die degenerativen Entwicklungen, die typischerweise in alternder Haut auftreten, im Fokus zahlreicher Untersuchungen standen, ist heute nur relativ wenig über Alterungsprozesse der Haut auf biochemischer Ebene bekannt. So sind bisher nur wenige Sonnenlicht-induzierte Markerproteine der Haut (z.B. reduzierte Kollagenmenge, erhöhte Kollagenasemenge etc.) beschrieben worden.

Wir berichten hier über die Etablierung und Applikation moderner molekularbiologischer Techniken zur Analyse Sonnenlicht-induzierter Alterungsprozesse. In Kombination mit dem bei Henkel entwickelten Ganzhautmodell (1) ermöglichen es diese Techniken, Sonnenlichtinduzierte Hautalterungsprozesse zu beschreiben und Wirkungen von Bioaktivstoffen oder komplexen kosmetischen Formulierungen an der Haut zu ermitteln.

(1) Schlotmann K, Kaeten M, Black AF, Damour O, Waldmann-Laue M, Förster T. (2001), Int. J. Cosmet. Sci. 23, 1 – 10

Dr. Dirk Petersohn

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Betsy Hughes-Formella

Teststrategien für Mittel gegen trockene Haut

Institut BioSkin, Hamburg

Trockene Haut ist meist gekennzeichnet durch eine Verminderung von Feuchtigkeit und/oder Lipiden. Objektiv ist das Aussehen der trockenen Haut geprägt durch Rauhigkeit, Schuppung, Glanzlosigkeit und/oder mangelnde Elastizität. Subjektiv können Spannungsgefühle und Juckreiz bei der trockenen Haut auftreten.

Erfolgreiche Teststrategien zur Beurteilung der Wirksamkeit von Produkten für die Anwendung bei trockener Haut erfordern eine genaue Definition der Zielgruppe und die Auswahl der richtigen Zielvariablen. Diese stellen nicht zuletzt die Grundlage der Fallzahlplanung, der weiteren statistischen Planung und damit die Aussagefähigkeit der Prüfungsergebnisse dar.

Zu einem optimalen Studiendesign mit überschaubaren Probandenzahlen gehört die Auswahl einer möglichst homogenen Gruppe von geeigneten Probanden mit klar definierten Einschluss- und Ausschlusskriterien (dabei vor allem klare Definition des geforderten Hautbefundes der Hauttrockenheit beispielsweise durch vorgegebene Messwerte für Hautfeuchtigkeit, weitere klinische Befunde wie Schuppung etc.).

Die Zielvariablen sollten nicht nur messbare, sondern für den späteren Anwender auch „erfahrbare“ Verbesserungen des Hautzustandes berücksichtigen.

Zur direkten oder indirekten Bewertung der trockenen Haut stehen neben den sichtbaren oder fühlbaren klinischen Zeichen eine Reihe von nicht-invasiven Bioengineering-Methoden zur Verfügung. Hierzu zählen unter anderem die Messung der elektrischen Eigenschaften der Haut (kapazitive Messungen, Leitfähigkeitsmessungen, Impedanzverfahren etc.), die Beurteilung der Barrierefunktion (Messung des transepidermalen Wasserverlustes, die Bestimmung mechanischer Eigenschaften sowie die Erfassung der Topographie der Hautoberfläche (z.B. Rauhigkeit) oder auch die computergestützte Auswertung der Schuppigkeit der Haut (d-squame®).

Zur Planung des Studiendesigns gehört auch die Auswahl der optimalen zu beurteilenden Hautareale, die Art und Weise und Häufigkeit der Anwendung der Studienpräparate sowie die Berücksichtigung von exogenen Einflüssen. Messzeitpunkte und Abstand zur letzten Applikation vor der Messung sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen für reproduzierbare Ergebnisse.

Eine noch so gut durchdachte Teststrategie mit der heute selbstverständlichen Standardisierung der Durchführung (standard operating procedures bzw. SOP, GCP-Konformität) und der Einhaltung kontrollierter Rahmenbedingungen ist dennoch nicht mehr als das richtige Werkzeug. Weder Standardisierung, optimale Designs noch intensivste Qualitätskontrollen ersetzen den erfahrenen Untersucher. Erst beide Teile bilden ein sinnvolles und effektives „Gespann“.


Dr. Betsy Hughes-Formella

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Thomas Förster *

Wirkstoffe gegen Hautalterung in kosmetischen Mitteln

Schwarzkopf-Henkel Cosmetics und Zentrale Forschung Henkel, Düsseldorf

Ein für die Kosmetik wesentlicher Trend unserer Zeit ist die Herausbildung der Bevölkerungsschicht der sogenannten „jungen Alten“. Aufgrund gesünderer Lebensweise und höherer Einkommen werden die Menschen, vor allem in den entwickelten Ländern, nicht nur immer älter, sondern auch zu einer immer aktiveren Bevölkerungsgruppe. Mehr freie Zeit steht zur Verfügung, die für zahlreiche soziale Kontakte genutzt wird. Gutes Aussehen wird zukünftig neben sorgfältiger Körperpflege eine bedeutendere Rolle spielen. Diese aktiven Alten akzeptieren nicht mehr, dass Falten und andere sichtbare Spuren der Zeit Auskunft über ihr Alter geben.

Neue kosmetische Wirkstoffe können dazu beitragen, die Haut eines Menschen um Jahre jünger erscheinen zu lassen, als es dem biologischen Lebensalter entspricht. Schwarzkopf-Henkel beschreitet bei der Wirkstoffforschung neue Wege, die gegenüber herkömmlichen Methoden sehr viel schneller und effektiver zu Ergebnissen führen.

In einem künstlich gezüchteten (in vitro) Ganzhautmodell können Alterungsexperimente wie zum Beispiel UV-Bestrahlungen durchgeführt werden oder aber auch topische Behandlungen zum Schutz oder zur Pflege der Haut. Der große Vorteil ist, dass diese Hautmodelle eine Hornschicht wie normale menschliche Haut enthalten. Die Wirkstoffe können daher unter realistischen Bedingungen in einer Creme- oder Gelgrundlage aufgetragen werden. Sie dringen durch die Hornschicht in die Haut ein und entfalten dort ihre Wirksamkeit.

Heute ist bekannt, dass die Hautalterung nicht nur die Dermis betrifft, hier vor allem den veränderten Stoffwechsel der extrazellularen Matrixbestandteile, sondern auch die Epidermis und die Basalmembran zwischen diesen beiden Hautschichten. Effiziente Antiage-Produkte müssen daher ein breites Wirkungsspektrum auf alle relevanten Hautschichten aufweisen.

Nach sorgfältiger Untersuchung im Ganzhautmodell wurden mehrere Antiage-Wirkstoffe mit unterschiedlichen Antiage-Targets identifiziert. In kontrollierten Gebrauchsstudien konnte für die fertig entwickelten Marktprodukte die Antiage-Wirksamkeit in vivo sowohl durch quantitative Messung der Faltentiefenverteilung als auch durch subjektive Beurteilung der Wirkstoffcremes bestätigt werden. Die Antiage-Cremes wirken der Hautalterung entgegen und führen zu einem jüngeren Erscheinungsbild der Haut.

*unter Mitarbeit von C. Jassoy, D. Petersohn, K. Schlotmann , M. Kaeten und M. Waldmann-Laue

Dr. Thomas Förster

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