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8. GD Jahrestagung, 1. - 2. April 2004,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Pressetexte

Gesundheitsreform: Bittere Pillen für Hautpatienten (PDF-Version)

Volkskrankheit Hautkrebs: Über 100.000 neue Fälle jährlich (PDF-Version)

Mit dem Eiweiß-Baustein Agmatin gegen trockene Haut (PDF-Version)

Durchbruch in der Psoriasistherapie (PDF-Version)

Medienkontakte

Dr. Joachim Kresken
Wiesengrund 6a
47918 Tönisvorst

Tel.: 02162-6517
Fax: 02162-80589
E-Mail: joachim.kresken@gd-online.de


Gesundheitsreform: Bittere Pillen für Hautpatienten (PDF-Version)

Viele Hautarzneimittel müssen seit dem 1. Januar 2004 aus eigener Tasche bezahlt werden

(Halle, 31.3.2004) Für Patienten mit häufig wiederkehrenden Hauterkrankungen hat die Gesundheitsreform drastische Einschnitte gebracht. Wie die GD Gesellschaft für Dermopharmazie anläßlich ihrer 8. Jahrestagung in Halle an der Saale mitteilt, werden insbesondere zahlreiche Hautarzneimittel zur Krankheitsvorbeugung nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet und müssen jetzt von den Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden.

Im vergangenen Jahr haben Dermatologen in Deutschland insgesamt 36 Millionen Verordnungen getätigt. Davon entfielen 52 Prozent auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente, die jetzt nicht mehr erstattet werden. "Dies wird zu einer deutlich höheren Kostenbelastung besonders von Patienten mit chronischen Hauterkrankungen führen", befürchtet Prof. Dr. Roland Niedner, Chefarzt der Klinik für Dermatologie der Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH in Potsdam. Was in der Apotheke frei verkäuflich ist, darf vom Arzt nur noch in bestimmten Ausnahmefällen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. "Darunter fallen einige bedeutsame Salben und Cremes, die Patienten mit chronischen Ekzemen zur Vorbeugung vor einem neuen Krankheitsausbruch anwenden sollten." Aber auch zahlreiche Hautarzneimittel, die nicht zur Prophylaxe zählen, werden von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt: So erhielten Frauen und Männer, die krankhaft stark schwitzen, bisher ein Gel mit dem Wirkstoff Aluminiumchloridhexahydrat auf Kassenrezept verschrieben. "Jetzt müssen die Patienten das Gel selbst bezahlen. Die Kosten hierfür belaufen sich pro Monat auf 15 bis 20 Euro," hat Prof. Niedner errechnet.

Medizinisch sinnvoll - aber nicht mehr erstattungsfähig

Ein anderes Beispiel: Salben und Cremes mit dem Wirkstoff Hydrocortisonacetat, die häufig beim Abklingen eines akuten Neurodermitis-Schubs angewandt werden, erstatten die Kassen bei Verordnung an Erwachsene nur noch dann, wenn die Wirkstoffkonzentration über 0,25 Prozent liegt. "Die Verwendung der schwächeren Konzentration von 0,25 Prozent ist jedoch in vielen Fällen ausreichend und medizinisch sinnvoller als höhere Konzentrationen, die weiter erstattungsfähig sind", erläutert Prof. Niedner. "Da wird es vermutlich häufiger der Fall sein, dass der Arzt den Patienten fragt, ob er das sinnvollere Präparat selbst bezahlen will oder das weniger geeignete mit der höheren Konzentration auf Kassenrezept wünscht." Für fünfzig Gramm einer 0,25-prozentigen Hydrocortisoncreme muss der Patient jetzt je nach Präparat zwischen 7,90 und 12,46 Euro selbst aufbringen, während er früher bei Verordnung auf Kassenrezept hierfür lediglich 4,50 Euro an gesetzlicher Zuzahlung zu leisten hatte.

Erstattung rezeptfreier Medikamente nur noch in Ausnahmefällen

Der Vorsitzende der GD Gesellschaft für Dermopharmazie, Dr. Joachim Kresken, hält die Verknüpfung von Verschreibungspflicht und Erstattungsfähigkeit "juristisch und gesundheitspolitisch für fragwürdig". Im Regelfall werden rezeptfreie Arzneimittel jetzt - unabhängig von ihrer therapeutischen Wirksamkeit - nicht mehr durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Ausnahmen von dieser Regel gelten nur für Verordnungen an Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, an Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sowie für die Behandlung schwerwiegender Erkrankungen, bei denen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel als Therapiestandard gelten.

Für den niedergelassenen Dermatologen stellt sich die Frage, wie er auf den Wegfall der Erstattungsfähigkeit nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel reagieren soll. Nach § 12 Sozialgesetzbuch (SGB V) ist jeder Vertragsarzt weiterhin grundsätzlich verpflichtet, zweckmäßig, ausreichend und wirtschaftlich zu verordnen. Dr. Kresken: "Dies bedeutet, dass auch rezeptfreie Arzneimittel weiter angewendet werden sollen, wenn sie zur Behandlung einer Hautkrankheit medizinisch notwendig, zweckmäßig und ausreichend sind. Ein medizinisch nicht begründbares Ausweichen des Arztes auf ein teureres verschreibungspflichtiges Arzneimittel kann als Verstoß gegen das Gebot einer wirtschaftlichen Verordnung interpretiert und im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfungen aufgegriffen werden."

"Grünes Rezept"

Vor diesem Hintergrund, so Kresken, empfiehlt es sich, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel auch in Zukunft weiter zu verordnen, die Verschreibung aber nicht auf einem Kassenrezept, sondern auf einem so genannten "grünen Rezept" vorzunehmen. Bei Verwendung dieses neu geschaffenen Formulars signalisiert der Arzt dem Patienten, dass er die betreffende Verordnung für medizinisch notwendig hält und vor Inkrafttreten der Gesundheitsreform auf einem Kassenrezept vorgenommen hätte. Patienten können das Rezept zwar nicht zur Kostenerstattung bei der Krankenkasse einreichen, den Betrag unter Umständen aber bei der Steuererklärung geltend machen.

Teure Medikamente billiger - günstige Medikamente teurer

Mit der Gesundheitsreform haben sich auch die Preise von allen verschreibungspflichtigen Fertigarzneimitteln geändert. Teure Präparate, deren Apothekenabgabepreise bis zum 31. Dezember 2003 bei über 29 Euro lagen, sind durch die Neuregelung zum Teil deutlich preiswerter geworden. So kostet ein spezielles Medikament zur Behandlung des bösartigen schwarzen Hautkrebses statt 2.128,52 Euro nun 1.863,31 Euro. Umgekehrt haben sich Präparate, deren Preise früher im einstelligen Eurobereich lagen, um bis zu mehrere Hundert Prozent verteuert. Eine Packung mit 20 Kortisontabletten (Prednisolon 2mg), die bis Ende letzten Jahres 1,58 Euro kostete, wird jetzt mit 10,31 Euro abgerechnet.

Weitere Veränderungen: Auch dermatologische Rezepturen, also Cremes und Salben, die in der Apotheke individuell angefertigt werden, sind teurer geworden. Die Arbeitspreise für den Apotheker sind um 2,24 Euro auf zeitgemäßere 5 Euro erhöht worden. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Medikamente nur noch bei den Indikationen erstattet werden, für die sie auch zugelassen sind. Prof. Niedner: "Das ist gerade bei der Behandlung seltener Hautkrankheiten sehr problematisch, da sich viele Wirkstoffe bei einer Reihe von Symptomen und Erkrankungen bewährt haben, ohne dass sie direkt dafür zugelassen sind." So ist zum Beispiel der in Form von Kapseln und als Lösung verfügbare Wirkstoff Ciclosporin, der unter anderem zur Behandlung von schweren Formen der Schuppenflechte zugelassen ist, auch bei der Knötchenflechte der Schleimhaut wirksam, besitzt aber für dieses Anwendungsgebiet keine Zulassung.

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Volkskrankheit Hautkrebs: Über 100.000 neue Fälle jährlich (PDF-Version)

Arbeiter und Sonnenanbeter sind besonders gefährdet

(Halle, 31.3.2004) Die Zahl der Patienten mit Hautkrebs steigt ständig an. Derzeit erkranken in Deutschland Jahr für Jahr weit über 100.000 Menschen an den verschiedenen Formen von Hautkrebs. Experten rechnen mit einer jährlichen Zuwachsrate von drei bis acht Prozent. Damit ist Hautkrebs zur Volkskrankheit und zu einer zunehmenden Belastung für das Gesundheitssystem geworden, hieß es bei der 8. Jahrestagung der GD Gesellschaft für Dermopharmazie in Halle.

Im wesentlichen werden drei verschiedene Hautkrebsarten unterschieden: der Basalzellkrebs (Basaliom), der Stachelzellkrebs (Spinaliom) und der bösartige schwarze Hautkrebs (malignes Melanom). Basaliom und Spinaliom, die auch als "heller Hautkrebs" bezeichnet werden, sind weltweit die am weitesten verbreiteten Hauttumore. Sie treten größtenteils an den so genannten "Sonnenterassen" wie Nase, Ohren, Glatze, Lippen oder um die Augenregion und darüber hinaus an Händen und Unterarmen auf. Betroffen sind vor allem Straßenarbeiter, Bauern, Seeleute oder Bergführer, die oftmals über Jahre oder Jahrzehnte nicht oder nicht ausreichend geschützt der Sonne ausgesetzt sind. Dennoch machen sich diese beiden Hautkrebsarten meist erst im fortgeschrittenen Alter bemerkbar, da die ultravioletten Strahlen der Sonne erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zehn bis 30 Jahren den Tumor auslösen.

Basaliom und Spinaliom

Das Basaliom ist mit etwa 80.000 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste Hautkrebs; er sieht aus wie ein kleiner, grauweißer Knoten. Auch das Spinaliom (etwa 20.000 Neuerkrankungen) ist meist knötchenförmig, dafür aber intensiver gerötet. Die Vorstufe des Spinalioms wird Aktinische Keratose oder auch "raue Lichtschwiele" genannt; hiervon ist bereits jeder zweite Erwachsene über 60 Jahren betroffen. Aus diesen hornigen Knoten ("Sonnenschwielen") entwickeln sich in bis zu 15 Prozent der Fälle bösartige Spinaliome. Im fortgeschrittenen Stadium machen Basal- und Stachelzellkrebs keinen Halt vor Knorpel oder Knochen, was besonders im Gesicht zu schweren Entstellungen führen kann. Während das Basaliom örtlich begrenzt wächst, kann das Spinaliom die Lymphknoten befallen und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden - jeder zehnte Fall endet tödlich. "Vermutlich sind die hellen Hautkrebsarten viel häufiger, als dies amtliche Statistiken aussagen", erläutert der Dermatologe Prof. Dr. Thomas Diepgen vom Universitätsklinikum Heidelberg. Diepgen ist Sprecher der im letzten Jahr von der Gesellschaft für Dermopharmazie eingerichteten Task Force "Licht.Hautkrebs.Prävention". Zu den Zielen dieser Expertengruppe gehört es, mehr öffentliches Bewusstsein für die hellen Hautkrebsarten zu schaffen, die Forschung hierzu voranzutreiben, die Prävention zu fördern und die Aufnahme dieser Krebsarten in das Krebsregister zu bewirken.

Schwarzer Hautkrebs lebensbedrohlich

Noch bedrohlicher als die hellen Hautkrebsarten ist das maligne Melanom, das bereits sehr früh beginnt, Metastasen zu bilden. Oft ist der Tumor nur wenige Millimeter dick, wenn er sich bereits in entfernte Organe abgesiedelt hat. Im fortgeschrittenen Stadium verläuft die Erkrankung meist tödlich. Experten schätzen, dass derzeit bis zu 10.000 Menschen in Deutschland jährlich an schwarzem Hautkrebs erkranken.

Hauptursache für die deutliche Zunahme aller Hautkrebsarten ist nach Meinung der Experten der intensive Kontakt der Haut mit Sonnenlicht. "Das Freizeitverhalten und die Kleidungsgewohnheiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert", so Diepgen. Zwar mache der zeitliche Anteil des Urlaubs weniger als zehn Prozent aus, doch liege die UV-Belastung durch Sonnenlicht währenddessen oft um ein Vielfaches höher als im Alltagsleben. Prof. Diepgen: "Vor allem die Strahlenbelastung im Kindesalter sowie die intensive, zu Sonnenbränden führende Einstrahlung während des Urlaubs haben sich als besonders risikoreich erwiesen." Weitere wichtige Gründe für das vermehrte Auftreten von Hautkrebs sind die erhöhte Lebenserwartung der Bevölkerung sowie die stetige Abnahme der Ozonschicht und die damit einhergehende erhöhte UV-Belastung der Haut.

Hautkrebs hat lange Geschichte

Hautkrebs befindet sich schon lange im Blickpunkt der Medizin. Bereits 1775 wurde als eine der ersten Berufskrankheiten ein erhöhtes Hautkrebsrisiko bei Schornsteinfegern beschrieben. Es dauerte jedoch noch mehr als 100 Jahre, bis 1894 bei Seeleuten erstmals ein direkter Zusammenhang zwischen beruflich bedingter Sonnenbelastung und der Entwicklung von Hautkrebs gesehen wurde: Ärzte bezeichneten die krankhaft veränderte Körperoberfläche als Seemannshaut. Dennoch gilt Hautkrebs, der durch intensive Sonneneinstrahlung am Arbeitsplatz entstanden ist, bis heute nicht als anerkannte Berufskrankheit. Hier scheint jedoch ein Umdenken stattzufinden, wie Prof. Diepgen konstatiert: "In den vergangenen Jahren wurden mehrere Hautkrebserkrankungen als Berufskrankheit anerkannt und entschädigt. Wir Dermatologen sollten mit dazu beitragen, dass weitere Fälle gemeldet und entschädigt werden und dass bestimmte UV-Licht-induzierte Hauterkrankungen neu in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen werden."

Wie sich jeder schützen kann

Da dem UV-Licht bei der Entstehung aller Hautkrebsarten wesentliche Bedeutung zukommt, gilt Sonnenschutz als erste und wichtigste Maßnahme. Ganz gleich, ob beruflich oder privat - vor Hautkrebs kann man sich schützen. Hier die Möglichkeiten im Einzelnen:

Generell sollte eine plötzliche und intensive Sonnenbestrahlung vermieden werden. Besser ist es, sich im Schatten aufzuhalten und sonnendichte Kleidung zu tragen.
Wer im Sommer schon nach kurzer Zeit einen Sonnenbrand bekommt, sollte sich grundsätzlich nicht verstärkt der Sonne aussetzen.
Gefährdet sind vor allem hellere Hauttypen mit blonden bis rotblonden Haaren und Neigung zu Sommersprossen. Auch Menschen mit vielen Muttermalen und Leberflecken sollten sehr vorsichtig sein.
Kinder sollten besonders vor intensiver Sonneneinwirkung geschützt werden. Wichtig sind eine Kopfbedeckung und sonnendichte Kleidung.
Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln ist zwar nützlich, reicht aber allein nicht aus, die Haut vor Hautkrebs zu schützen. Zu beachten ist, dass Selbstbräunungsmittel keinen Schutz vor krebserregenden UV-Strahlen bieten.
Sonnenschutzmittel sollten nicht nur an Hand des Lichtschutzfaktors ausgewählt werden. Die individuelle Eignung eines Sonnenschutzmittels kann sehr unterschiedlich sein. Insbesondere Risikogruppen wie Menschen mit Akne, Neurodermitis oder einer Lichtkrankheit sollten sich von einem Hautarzt oder in der Apotheke beraten lassen.
Durch Sonneneinwirkung oder künstliche UV-Bestrahlung entstandene Hautveränderungen sollten aufmerksam beobachtet und möglichst frühzeitig einem Hautarzt vorgestellt werden.

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Mit dem Eiweiß-Baustein Agmatin gegen trockene Haut (PDF-Version)

Neuer Behandlungsweg auch für Neurodermitiker geeignet

(Halle, 31.3.2004) Millionen von Menschen leiden unter trockener Haut. Dies führt häufig zu Juckreiz, Entzündungen, schuppiger und geröteter Haut. Begegnet werden kann dem Problem kann unter anderem mit harnstoffhaltigen Zubereitungen. Allerdings vertragen nicht alle Betroffenen diese Mittel. Eine Lösung könnte nach neuesten Erkenntnissen der Eiweiß-Baustein Agmatin sein, wie Experten der GD Gesellschaft für Dermopharmazie bei ihrer Jahrestagung in Halle an der Saale erklärten.

Unter trockener Haut leiden besonders häufig Menschen mit Neurodermitis. Aber auch Diabetiker oder Patienten mit Nierenerkrankungen können hiervon betroffen sein. Erste Anzeichen trockener Haut sind Spannungsgefühle oder Juckreiz, auf die oft Entzündungen folgen. Trockene Haut kann durch Vererbung, berufliche Hautbelastungen, zu häufiges Waschen oder klimatische Belastungen wie Kälte oder niedrige Luftfeuchtigkeit erworben werden. "Wenn die Haut trocken ist, liegt dies in der Regel an zu wenigen oder minderwertigen Fettstoffen in der obersten Hautschicht", erläutert Priv.-Doz. Dr. Johannes Wohlrab, leitender Oberarzt der Dermatologischen Klinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Weitere Gründe können eine verminderte Talgbildung oder ein Mangel an wasserbindenden Substanzen, den natürlichen Feuchthaltefaktoren der Haut, sein." Als Folge dessen ist die Schutzschicht der Haut, der so genannte Hydrolipidfilm, gestört, so dass Reizstoffe, Allergene und Krankheitserreger nicht ausreichend abgewehrt werden können.

Neuer Wirkstoff ermöglicht sanfte Behandlung

Abhilfe schaffen können wasserbindende Moleküle, die in Form von Salben, Cremes oder Lotionen auf die Haut aufgebracht werden. Es gibt eine Reihe von Substanzen, die diese Eigenschaften besitzen. Hierzu gehört zum Beispiel mit Harnstoff eine Substanz, die gleichzeitig Bestandteil der natürlichen Feuchthaltefaktoren ist. "Harnstoff erhöht die Wasserbindungskapazität der obersten Hautschicht sowie die Abwehrkräfte der Haut gegenüber Bakterien und Pilzerkrankungen. Darüber hinaus wirkt Harnstoff juckreizstillend", sagt Kongressleiter Wohlrab. "Allerdings kann Harnstoff bei besonders hautempfindlichen Menschen wie Neurodermitikern, die einen großen Teil der Betroffenen ausmachen, zu Hautreizungen führen." Weniger belastend ist ganz offensichtlich die Behandlung mit einem Wirkstoff, der als Vorstufe von Harnstoff angesehen werden kann: Der Eiweißbaustein Agmatin. Agmatin ist eine Substanz, die der Aminosäure L-Arginin sehr ähnlich ist und aus der Harnstoff durch die Hautzellen hergestellt werden kann. "Bei der äußerlichen Anwendung einer agmatinhaltigen Creme werden nahezu ähnlich gute Werte bezüglich der Wasserbindungskapazität der Haut erreicht wie bei Anwendung einer harnstoffhaltigen Creme in der gleichen Konzentration", erläutert Dr. Wohlrab. "Aber anders als bei harnstoffhaltigen Präparaten treten bei der Anwendung von Agmatin keine Hautreizungen auf, und die Wirkung hält länger an, wie in einer placebokontrollierten Fallstudie mit Neurodermitispatienten festgestellt werden konnte." Darüber hinaus vermuten die Experten, dass durch regelmäßige Anwendung einer agmatinhaltigen Creme bei Patienten mit trockener Haut die Keimdichte auf der Haut und somit auch die Gefahr von Entzündungen verringert werden kann. Hierzu stehen weiterführende Studien jedoch noch aus.

Ratgeber Trockene Haut

Weitere Informationen zu trockener Haut hat die Gesellschaft für Dermopharmazie in einem Ratgeber zusammengestellt, der unter www.gd-online.de zum Download zur Verfügung steht. Neben der Beschreibung von Symptomen und Ursachen trockener Haut liefert die Broschüre auch praktische Tipps zur Reinigung und Pflege. Außerdem hat die Gesellschaft für Dermopharmazie unter dem Titel "Dermokosmetika zur Reinigung und Pflege trockener Haut" eine Leitlinie herausgegeben, die ebenfalls unter ihrer Homepage veröffentlicht wurde. Sie richtet sich an Fachleute, die Hautreinigungs- und Hautpflegemittel für Menschen mit trockener Haut entwickeln, herstellen, prüfen, analysieren, vermarkten oder zu ihrer Anwendung beraten.

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Durchbruch in der Psoriasistherapie (PDF-Version)

Efalizumab ermöglicht eine dauerhafte und sichere Beherrschung der mittelschweren und schweren Psoriasis

(Halle, 31.3.2004) Zahlreiche Untersuchungen weisen darauf hin, dass für die Entstehung einer Psoriasis primär immunologische Ursachen verantwortlich sind. Hierbei spielt die Aktivierung und Proliferation von T-Lymphozyten eine zentrale Rolle. Der neue T-Lymphozyt-Modulator Efalizumab greift in diesen Prozess ein und ermöglicht so eine rasche und dauerhafte Kontrolle der Hautmanifestationen. Kontrollierte Studien mit mehr als 3.000 Patienten haben gezeigt, dass von dieser hochwirksamen systemischen Immuntherapie vor allem Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis profitieren. Wie Experten bei der Jahrestagung der GD Gesellschaft für Dermopharmazie in Halle erklärten, wird Efalizumab voraussichtlich noch in diesem Jahr in Deutschland zur Verfügung stehen.

Efalizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper, der gezielt entwickelt wurde, um die Adhäsion von T-Lymphozyten an Zielzellen zu blockieren. Durch seine Bindung an das CD11a-Oberflächenantigen der T-Lymphozyten inhibiert Efalizumab mehrere Schritte der im Krankheitsfall ablaufenden immunologischen Kaskade:

die primäre Aktivierung von T-Lymphozyten,
die Migration der T-Lymphozyten in die Hautläsionen,
die Interaktion von T-Lymphozyten mit Keratinozyten.

Auf diese Weise werden die inflammatorischen Prozesse gestoppt, und es kommt zu einer Normalisierung der gestörten Differenzierung und Proliferation der Keratinozyten. Während bisherige Therapieansätze auf verschiedenen Wegen versuchten, das Immunsystem zu unterdrücken, greift Efalizumab erstmals gezielt in die immunologischen Prozesse ein.

Krankheitsbild bei längerer Behandlungsdauer deutlich verbessert

Die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Efalizumab wurde in vier randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien untersucht. Im Rahmen einer Studie, an der 1.242 Patienten teilnahmen, wurde die Wirksamkeit des Präparates in der Dosis 1mg/kg Körpergewicht mit Placebo verglichen. Efalizumab und Placebo wurden hierbei einmal wöchentlich subkutan injiziert. Erste Verbesserungen des Hautbilds zeigten sich bereits nach zwei Wochen. Nach zwölf Wochen hatte sich der Psoriasis Area and Severity Index (PASI) bei 56 Prozent der Patienten um mindestens 50 Prozent gebessert, bei 28 Prozent der Patienten sogar um mindestens 75 Prozent.

Im zweiten Abschnitt der Studie erhielten die Patienten abhängig vom Therapieerfolg entweder für weitere zwölf Wochen Efalizumab oder Placebo. Bei 77 Prozent der Patienten in der Gruppe mit verlängerter Wirkstoff-Gabe blieb der Therapieerfolg erhalten, während dies nur bei 20 Prozent in der Placebo-Gruppe der Fall war. Nach Absetzen der Therapie kehrte die Symptomatik in allen Gruppen allmählich wieder auf ihren Ausgangswert zurück. Ein Drittel der Patienten, die über 24 Wochen mit Efalizumab behandelt worden waren, wiesen jedoch auch nach 36 Wochen immer noch eine Besserung um mehr als 50 Prozent des PASI im Vergleich zum Studienbeginn auf.

In einer auf drei Jahre angelegten, offenen Langzeitstudie wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Efalizumab bei 290 Patienten geprüft. Die verabreichte Dosis lag bei 1mg/kg Körpergewicht pro Woche mit der Möglichkeit, sie individuell auf bis zu 4mg/kg Körpergewicht pro Woche zu erhöhen. In den ersten sechs Monaten erzielte über die Hälfte der Patienten eine Verbesserung des PASI um mindestens 75 Prozent, 22 Prozent sogar eine Verbesserung um mindestens 90 Prozent. Nach 21 Monaten erhöhte sich der Prozentsatz der Patienten, die eine mindestens 75-prozentige Verbesserung erzielten, auf 64 Prozent. 31 Prozent der Patienten erreichten sogar eine mindestens
90-prozentige Verbesserung.

Verbesserung der Lebensqualität und gute Verträglichkeit

Die einmal wöchentliche Gabe des Präparats bietet hinsichtlich der Compliance deutliche Vorteile: Für den Patienten ist die Injektion leicht erlernbar und auch im Alltag praktikabel. Auch Toleranzentwicklungen wurden bisher nicht beobachtet.

Das Nebenwirkungsprofil von Efalizumab ist besonders günstig. Es können grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerzen auftreten. Vorwiegend traten diese Nebenwirkungen akut jedoch nur bei den ersten beiden Injektionen auf und klangen in der Folgezeit ab. Nach den bisherigen Erfahrungen mit Efalizumab gibt es keine Hinweise auf eine Immunsuppression und auch keine Anzeichen für ein erhöhtes Tumorrisiko.

Efalizumab wird in Deutschland voraussichtlich noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Der Antrag auf Zulassung wurde am 26. Februar 2003 bei der europäischen Zulassungsbehörde EMEA eingereicht. In der Schweiz wurde Efalizumab bereits zugelassen und soll dort unter dem Namen Raptiva® im zweiten Quartal diesen Jahres eingeführt werden. Hersteller ist die Firma Serono, das drittgrößte Biotechnologieunternehmen der Welt. In Deutschland hat die Firma ihren Sitz in Unterschleißheim bei München.


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