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Ralf Paus

Targets für Mittel gegen Haarausfall

Hautklinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf


Wirksame Mittel gegen Haarausfall müssen möglichst gezielt an einer Reihe definierter Pathomechanismen ansetzen, die sich hinter Alopezie/Effluvium verbergen können:

1. Haarzyklusstörungen
2. Termin-zu-Vellus- und Vellus-zu-Terminal-Haarkonversionsstörungen
3. irreversible) Störungen des follikulären Regenerationspotentials
4. Störungen der physiologischen "programmierten Organdeletion" (POD) von Haarfollikeln
5. Störungen des antimikrobiellen Abwehrsystems des Haarfollikels
6. Kollaps des Haarfollikel-Immunsystems
7.Störungen der Haarschaftproduktion

Vordringlich ist die Entwicklung von Haarzyklus-Modulatoren, da die in der Praxis am häufigsten beobachteten Haarwuchstörungen zumindest zu einem wesentlichen Teil Haarzyklusstörungen repräsentieren. Dabei gilt der einfache Merksatz: Ist die Anagenphase zu kurz und die Katagenphase setzt zu früh ein, kommt es zu Alopezie/Effluvium. Ist umgekehrt die Anagenphase zu lang und die Katagenphase setzt zu spät ein, treten Hirsutismus/Hypertrichose auf. Dermatopharmazeutisch ist insbesondere die Entwicklung solcher Medikamente von besonderer klinischer Bedeutung, die effizient und nebenwirkungsarm die Katagenphase hemmen oder induzieren können. Im Vordergrund steht dabei die Manipulation der Apoptose von Haarfollikelkeratinozyten, da die Katagenphase des Haarzyklus ein Apoptose-getriebener Organinvolutionsprozeß ist. Studien aus dem Maussystem, die Glukokortikoide und Immunophilinliganden als außerordentlich potente Katagenmanipulatoren identifiziert haben, sowie jüngere Arbeiten, die wichtige Unterschiede in der Apoptoseregulation von epidermalen und follikulären Keratinozyten und die Rolle bestimmter Wachstumsfaktoren in der Katagenregulation herausgearbeitet haben, liefern wichtige Anhaltspunkte für vielversprechende Zielgene und Signaltransduktionswege.

Weit rudimentärer sind dagegen unsere bisherigen Kenntnisse zu den anderen Pathomechanismen. Diese werden am Beispiel relevanter Haarwuchsstörungen kurz erläutert, um mögliche dermatopharmazeutische Behandlungsansätze zu skizzieren. Betont wird die klinische Bedeutung der Entwicklung von Stammzell-protektiven Pharmaka (insbesondere bei Chemotherapie- und Radiotherapie-induzierter Alopezie sowie bei vernarbenden Alopezien) und von Pharmaka, die ein zusammengebrochenens follikuläres Immunprivileg wieder restituieren können (bei Alopecia areata). Aus diesen Erwägungen lassen sich klare Strategien für die Entwicklung effizienterer und innovativer "Trichopharmaka" ableiten, die idealerweise topisch applizierbar sein und bevorzugt oder gar exklusiv auf den Haarfollikel wirken sollten (z.B. durch Einsatz von "follicle targeting"-Liposomen).


Prof. Dr. med. Ralf Paus








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