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Prof. Dr. med. Uwe Wollina

Windeldermatitis – Ursachen und klinische Symptomatik

Klinik für Dermatologie, Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt

Die Säuglingshaut ist im Vergleich zur Haut Erwachsener deutlich leichter für exogene Substanzen penetrabel, da die Hornschichtbarrierefunktion erst im postnatalen Leben vollständig ausreift. Die Problemregion mit einer frühkindlichen durch exogene Faktoren bedingten oder verstärkten Hautreizung ist die anogenitocrurale Haut einschließlich der benachbarten Areale (Windelregion). Hier können sich sowohl vorübergehende Reizzustände der Haut entwickeln, aber auch chronische Dermatosen ihren Anfang nehmen.

Definitionsgemäß wird unter dem Terminus Windeldermatitis die meist bei Kindern (auch bei inkontinenten Erwachsenen) im Bereich des Unterbauches, der Anogenital-Region und der Glutäen sowie der proximalen Oberschenkel mit Rötung beginnende, später rhagadiforme, schuppende, papulöse oder erosive Entzündung der Haut verstanden.

Die Irritabilität der Haut zeigt regionäre und altersbezogene Unterschiede. Die regionären Unterschiede sind mikroanatomisch bedingt. Wichtige Faktoren hierfür sind: Haut- und Hornhautdicke, Dichte der Talg- und Schweißdrüsen, Haardichte, Durchblutung und die Expositionsbedingungen. Die wichtigsten vom Kind ausgehenden, aber letztlich exogen wirkenden Faktoren sind Urin und Stuhl. Dabei muss zum einen das direkte hautirritative Potential von anderen Wirkungen auf die Haut unterschieden werden.

Urin führt über seinen Wasser- und Harnstoffgehalt zur Durchfeuchtung der Hornschicht und somit zur einer Quellung des Stratum corneum. Dieser Umstand wird bei okklusiven Windeln ohne Feuchtigkeitsaufnahme in die Windel oder bei Überschreiten der Wasseraufnahmekapazität verstärkt und leistet dann Mazerationen Vorschub.

Im Vergleich zum Urin hat sich Stuhl als wesentlich irritativer herausgestellt, da im Stuhl Enzyme und Mikroorganismen in größerer Menge auftreten. Lipasen und Proteasen sind die bedeutendsten Enzymgruppen. Sie rühren entweder aus dem Pankreas oder von der mikrobiellen Flora des Darmes her. Fäzes plus Urin erhöht dieses Irritationspotential auf das 4 - 5fache. Die verstärkte Irritation ist dabei weniger auf direkte Urinwirkung, sondern auf die Alkalisierung des Hautoberflächen-pH zurückzuführen. Bereits die Okklusion allein erhöhte den Haut-pH bis in den neutralen Bereich. Zusätzlich aktiviert der Urinkontakt die fäkalen Enzyme („Andauung der Haut“). Über den Stuhl erfolgt auch die Kontamination mit Candida-Hefen, die nach Vorschädigung der Haut eine weitere Entzündung verursachen können.

Die Hyperhydratation der Epidermis leistet der Entstehung vom Milaria (an den Schweißdrüsenporen der Haut) Vorschub, was zur Steigerung der Reibung der Haut an der Kleidung respektive Windel führt.

Unter einem ähnlichen klinischen Bild einer Windeldermatitis können sich jedoch verschiedene ätiologisch oder pathogenetisch definierte Erkrankungen verbergen. Risikofaktoren sind neben dem erwähnten Alter auch eine atopische Disposition und der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes. Häufige Krankheitsbilder sind das irritative und atopische Ekzem, die Psoriasis und die streptogenen perinanalen Entzündungen sowie die intertriginöse Candidose. Seltene Erkrankungen bedürfen oftmals einer histologischen Abklärung.

Prof. Dr. med. Uwe Wollina


Foto: GD Gesellschaft für Dermopharmazie

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